Jean-Michel Jarre: Electronica 2: The Heart Of Noise

Science Fiction für die Ohren

Jean-Michel Jarre - Electronica 2: The Heart Of Noise

Für "Electronica 2: The Heart Of Noise" bat Jean-Michel Jarre erneut illustre Gäste zum elektronischen Tanz.

Jean-Michel Jarre ist eine lebende Legende, ein Pionier der elektronischen Musik. In Frankreich hat er denselben herausragenden Status wie Kraftwerk in Deutschland. Die digitalen Klangwelten, die er seit den frühen 70er-Jahren erschafft, waren stets Vorbilder für Generationen nachfolgender Musiker. Für sein Album "Electronica 1: The Time Machine" holte er sich 2015 illustre Gäste an Bord seiner Zeitmaschine. Auch der Nachfolger "Electronica 2: The Heart Of Noise" bietet eine imposante Liste von Kollaborateuren. Ein Generationentreffen nicht nur im Hinblick auf die Künstler, sondern auch in technischer Hinsicht: Der Retro-Charme analoger Synthesizer-Oldtimer trifft auf moderne Elektrotechnik.

Was neben dem Retro-Futurismus der Produktion noch den Charme des neuen Albums ausmacht: Jarre und seinen musikalischen Gästen gelang es, sich gegenseitig so viel Spielraum zu lassen, dass das Ergebnis immer zu exakt gleichen Teilen nach dem unverwechselbaren Sound des Elektro-Zeremonienmeisters und dem des jeweiligen Partners klingt. "Brick England" beispielsweise könnte ebenso gut ein Hit der Pet Shop Boys aus deren besten Zeiten sein. Das Herz von "Why This, Why That, Why" ist die Marianengraben-tiefe Stimme von Dieter Meier, die in den 80er-Jahren das Alleinstellungsmerkmal seiner Band Yello war.

Dem Song "Electrees" verleiht Filmkomponist Hans Zimmer leinwandreifes Pathos. Cyndi Lauper schenkt "Swipe To The Right" ihre charismatische Stimme. Das Ergebnis klingt wie ihre alten Hits - poppig, aber mit der genau richtigen Prise Sperrigkeit, die sie von der Massenware unterscheidet. Von der Pop-Diva der 80-er schwärmt Jean-Michel Jarre: "Ihre Stimme ist wie ein Synthesizer, sie kann ihr Timbre auf unterschiedlichste Art verändern." Mit Gary Numan ("Here For You") ist ein Mitbegründer des New Wave an Bord. Jarre nennt ihn einen "singenden Replikanten aus Blade Runner, einen außerirdischen Musikhelden". Ins Schwärmen gerät der 67-Jährige auch, wenn er von seinem Landsmann Christophe spricht. "Walking The Mile" klingt wie eine von einem suizidalen Roboter gesungene Ballade.

Ebenfalls erwähnenswert: Die Teamarbeit mit dem französischen Techno-Bastler Rone mündete in den Titeltrack. Von Julia Holters elegischer Engelszunge, die "These Creatures" eine träumerische Intensität gibt, sagt Jarre: "Sie ist die Muse, die ich für das Album suchte." Außerdem dabei: die Brit-Rocker Primal Scream, die kontroverse Femme Fatale Peaches, Ambient-Urgestein The Orb, Detroit-Techno-Pionier Jeff Mills und viele andere.

Der ungewöhnlichste Überraschungsgast versteckt sich hinter den Initialen E.S.: Der Track "Exit" entstand zusammen mit Whistleblower Edward Snowden. Der singt zwar nicht, hat aber auf einem schnellen Techno-Track durchaus Schlaues über seine Themen - Technologie, Datenschutz, Überwachung - zu erzählen. "Electronica 2" schließt Jarres vielleicht ambitioniertestes Projekt erfolgreich ab: eine Huldigung an vier Jahrzehnte der elektronischen Musik, dargebracht von einem Meister und seinen talentiertesten Gesellen.

Jean-Michel Jarre auf Tournee:

16.07.2016, Gräfenhainichen, Melt! - Ferropolis

16.10.2016, Frankfurt, Festhalle

19.10.2016, Hamburg, Barclaycard Arena

20.10.2016, Berlin, Mercedes Benz Arena

22.10.2016, Düsseldorf, ISS Dome

19.11.2016, Nürnberg, Arena

21.11.2016, Münster, Halle Münsterland

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