Jamie-Lee Kriewitz

Schrill kann auch traurig

+
Die 18-jährige Jamie-Lee Kriewitz stammt aus der niedersächsischen Stadt Springe und wurde durch die fünfte Staffel der Castingshow "The Voice Of Germany" bekannt.

Ihre melancholischen Songs und ihr süßer Manga-Style haben Jamie-Lee Kriewitz den Weg zum "Eurovision Song Contest" geebnet. Dort kämpft sie am 14. Mai für "Germany, 12 Points!" Ganz schön viel Verantwortung für die erst 18-jährige Schülerin. Wie sie mit dem Druck umgeht, verrät sie im Interview.

Unsere diesjährige Eurovison-Song-Contest-Hoffnung trägt rosa Lipgloss und ein Pandabärchen im Haar: Jamie-Lee Kriewitz liebt extravagante Outfits und melancholische Popsongs. Nachdem die 18-Jährige im vergangenen Jahr bei der Castingshow "The Voice Of Germany" Coaches und Zuschauer gleichermaßen begeistern konnte, setzte sie sich anschließend auch beim ESC-Vorentscheid "Unser Lied für Stockholm" durch. Doch bevor die Schülerin am Samstag, 14. Mai, im Finale des "Eurovision Song Contest" in Schweden um Punkte für Deutschland kämpft, veröffentlicht sie am 29. April erst einmal ihr Debütalbum "Berlin". Im Interview spricht die quirlige Newcomerin - mit der man schnell per Du ist - über große Chancen, Glücksbringer und Gänsehaut im Tonstudio.

teleschau: Was ging Dir durch den Kopf, als Du den ESC-Vorentscheid gewonnen hast?

Jamie-Lee Kriewitz: Erst einmal konnte ich keinen klaren Gedanken fassen. Dann war ich mega erleichtert und freute mich riesig, dass ich es wirklich gepackt habe. Später schlich sich dann der Gedanke hinzu, was wohl passieren wird, wenn ich in Stockholm scheitere ... Aber ich versuche mich selbst nicht allzu sehr unter Druck zu setzen. Zu Hause schiebe ich das Thema so gut es geht von mir weg und unternehme viel mit meinen Freunden, um mich abzulenken.

teleschau: Wie wird Deine Bühnenshow aussehen?

Jamie-Lee: Die Show und mein Outfit haben wir lange geplant. Grundsätzlich wird sich beides an meinem Auftritt beim Vorentscheid orientieren, thematisch bleiben wir beim Wald und dem Mond. Aber am Ende wird es noch eine fette Überraschung geben ...

teleschau: Worauf freust Du Dich am meisten?

Jamie-Lee: Ich versuche, meine große Chance zu genießen und freue mich darauf, den Wettbewerb von Nahem kennenzulernen. Vor allem bin ich auf die Kandidaten aus den anderen Ländern gespannt - sie live performen zu sehen und hinter der Bühne mit ihnen abzuhängen, wird sicher toll! Das Motto des diesjährigen "Eurovision Song Contest" lautet ja schließlich "Come together". Ein paar der Teilnehmer habe ich schon gegoogelt. Die spanische Sängerin Barei wird beim Publikum sicher super ankommen, sie hat echt das Zeug zum Gewinnen!

teleschau: Hast Du einen Glücksbringer, der Dir bei Deinem Auftritt Kraft geben soll?

Jamie-Lee: Ja, eine Kette mit dem Anhänger "Team Fanta - Einfach fantastisch". Den bekam ich beim Halbfinale von "The Voice Of Germany" von meinen Coaches Michi Beck und Smudo geschenkt, und ich trage ihn seitdem jeden Tag. Mit den beiden Jungs von den Fantastischen Vier bin ich mittlerweile richtig gut befreundet, wir schreiben uns fast täglich. Michi war sogar bei den Aufnahmen zu meinem Album im Studio dabei.

teleschau: Wie bereitest Du Dich auf den großen Tag vor? Hast Du Dir die Auftritte Deiner Vorgänger angeschaut?

Jamie-Lee: Ja, den Sieg von Lena Meyer-Landrut im Jahr 2010 habe ich natürlich verfolgt. Inzwischen traf ich sie sogar mal persönlich und wir quatschten ein bisschen. Sie gab mir aber keine Tipps und das ist auch besser so. Einerseits würde ich die sowieso gleich wieder vergessen, und andererseits will ich unvoreingenommen an die Sache rangehen, mein eigenes Ding durchziehen.

teleschau: Neben Deiner Stimme bist Du auch für Deine außergewöhnlichen Outfits berühmt. Wie bist Du auf diesen besonderen Style gekommen?

Jamie-Lee: Der Style nennt sich "Decora Kei", ich habe ihn in einer Zeitschrift entdeckt. Ich googelte gleich alles zum Thema und bestellte mir passende Sachen aus Japan und Korea. Klar guckten die Leute früher oft komisch, wenn sie mich so sahen. Sie riefen mir zum Teil auch negative Sachen hinterher. Aber mir war das egal, so blieb ich ihnen wenigstens im Gedächtnis. Ich liebe Aufmerksamkeit - deshalb ist mein Leben gerade auch echt perfekt!

teleschau: Wie würdest Du Deinen Musikstil beschreiben?

Jamie-Lee: Ich mag emotionale, melancholische Lieder und versuche, immer ganz viel Gefühl in meine Songs zu legen. Meine Musik würde ich nicht als normalen Pop bezeichnen, eher als Indie Pop. Privat höre ich übrigens gerne Chillstep, die etwas ruhigere Version von Dubstep. Auch das hat sicher Einfluss auf meinen Musikstil.

teleschau: Warum hast Du Dein Debütalbum "Berlin" genannt?

Jamie-Lee: Während ich bei "The Voice Of Germany" war, wurde Berlin zu meinem zweiten Zuhause. Dort nahm ich auch das Album auf und verarbeitete in meinen Songs, was während meiner Zeit bei "The Voice" so passiert ist. Der Song "Berlin", den ich bei den Show-Knockouts sang, ist auch drauf. Ich denke, die Performance dieser Coverversion hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, dass ich die Show letztendlich gewonnen habe. Das Lied bedeutet mir deshalb sehr viel.

teleschau: Irgendwie passen Deine melancholischen Songs so gar nicht zu Deinen quietschbunten Outfits ...

Jamie-Lee: Nein, wenn es nach meinen Outfits ginge, müsste ich schrille japanische Popmusik machen (lacht). Das wäre so gar nicht meins, meine Stimme wirkt traurig einfach am besten. Und für mich sind meine Outfits und meine Songs sowieso unabhängig voneinander.

teleschau: Wie geht's für Dich nach dem ESC weiter?

Jamie-Lee: Ich hoffe natürlich, dass ich weiterhin Musik machen kann. In der Schule mache ich erst einmal Pause. Meine Noten sind durch die vielen Fehlzeiten wegen "The Voice" echt mies geworden, deshalb werde ich das Schuljahr wiederholen, um einen guten Abschluss zu bekommen. Ob gleich oder später, das hängt wohl auch von meinem Abschneiden beim "Eurovision Song Contest" ab ...

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren