Descendents: Hypercaffium Spazzinate

Aus Punk wird Punk

Descendents - Hypercaffium Spazzinate

Das Original: Nach zwölf Jahren gibt es endlich wieder neue Töne von den Descendents.

Ab ins Chemielabor. Aber nur mit Schutzbrille. Es sind schließlich Explosionen zu erwarten, wenn die Descendents im Spiel sind. Jede Menge Bands berufen sich auf deren Experimente, die in den 80-ern dafür sorgten, dass Milo Aukerman und seine Kumpanen für immer in den Lehrbüchern des Punk geführt werden. „Milo Goes To College“ hieß es 1982. Lange her. Heute geht es um Lehrer statt Lernende. „Hypercaffium Spazzinate“ enthält die Formel zum Aufdrehen. Und zum Runterkommen.

Bei all den Billy Talents und Blink-182s, welche dieser Tage ihre neuen Versuchsanordnungen präsentieren, ist das vorliegende, schnell brennbare Gestein ein Lehrstück. 16 Songs in einunddreißig Minuten, das ist eine Ansage. Schnickschnack gibt es nicht. Es wird mit grundlegenden Zutaten gearbeitet. Die Reaktionskette ist einfach gestrickt. Was passiert, wird transparent gehalten. Und am Ende knallt es doch.

Sänger Milo Aukerman ist tatsächlich Wissenschaftler. Molekularbiologe, um genau zu sein. Er stand in Diensten des nicht unumstrittenen Chemie-Konzerns DuPont, hat seine Stelle aber kürzlich aufgegeben. In „Testosterone“ heißt es „Good things don't come to those who wait, they only come to those who take.“ Es geht auf „Hypercaffium Spazzinate“ um Dinge wie das alltägliche Arbeitsumfeld, um vorschnelle Medikation, um Schicksalsschläge.

Die Umstände haben sich verändert. Der Inhalt hingegen ist sich treu geblieben. Die Descendents klingen über weite Strecken immer noch so, wie man sie kennt und liebt. Die poppig-sentimentalen Elemente von „Without Love“ oder „Smile“ wurden so ausgeformt, dass sie ins Reagenzglas passen. Runterkommen: Wir sind alle nicht mehr die Jüngsten. Und erfreuen uns - nicht nur am Coverartwork, das an damals erinnert.

Ganz so ruppig wie einst ist das auf „Hypercaffium Spazzinate“ alles nicht mehr. Stattdessen gibt es einen Song wie „Beyond The Music“, der einen Blick zurück wagt und die Geschichte der „Familie“ in emotionale Laken packt. Das darf man als Band, die 1978 gegründet wurde. Und irgendwie nimmt man den Descendents ab, dass sie das alles aus denselben Beweggründen machen wie damals. Einmal Punk, immer Punk. So einfach, so gut.

Descendents auf Tournee:

07.08.2016, Ruhrpott Rodeo, Flugplatz Schwarze Heide

13.08.2016, Open Flair Festival, Festplatz am Werdchen

tsch

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