Kytes: Heads And Tales

Perfekt, dass es tropft

Kytes - Heads And Tales

Die Münchner Indie-Pop-Band Kytes kennt keine Zufälle. Ihr Debüt klingt so ausgereift, man könnte Most daraus keltern.

Zu behaupten, die Kytes seien eine Band, die einfach mal macht, auf was sie Bock hat, die ohne großen Plan agiert, wäre Quatsch. Zu geschliffen geben sie sich, zu bewusst ist ihre Darstellung auf der Bühne, zu durchdacht ist das Bandkonzept. Das Prädikat „Indie“ wirkt da schon blasphemisch gegenüber den Recken des Genres. Typisch münchnerisch, mag man da in nördlicheren Gefilden der Republik maulen, gilt die Stadt doch an sich als so gestriegelt, wie die Kytes daherkommen. Aufhalten lässt sich der Erfolg der Gruppe anscheinend trotzdem nicht. „Heads And Tales“ ist ihr Debüt.

Bevor die Kytes auch nur einmal live auftraten, waren sie 2015 bereits Band der Woche der „Süddeutschen Zeitung“ sowie von Puls, dem Jugendsender des Bayerischen Rundfunks. Sie hatten frisch Videos abgedreht, eines davon in Brighton, dem Sehnsuchtsort der englischen Jugend. Sie zählten schon Hunderte von Facebook-Freunden. Man weiß also, wie man sich ins Gespräch bringt, wie man sich darzustellen hat. Dabei: Ganz unbeleckt waren die Kytes in Sachen Liveshow auch nicht. Als Blind Freddy hatte man in selber Besetzung ein Sparringsprojekt, das sich ganze sechs Jahre lang ausprobieren konnte.

Nun stehen sie da, wie aus dem Ei gepellt und fehlerlos. Knuffige Typen, zur Perfektion getrieben, sodass nicht einmal der größte Verweigerer jedes Hypes umhinkommt, leicht mit Schultern, ja gar Hüften zu wackeln, wenn „Heads And Tales“ anläuft. Luft wird selten geholt: „Room 509“ und „Future Kids“ geben erst das Versprechen ab, reißen dann aber doch noch kraftvoll mit. „In The Morning“ und mit Abstrichen „Sirens“ sind die einzigen Tracks, die als balladesk bezeichnet werden dürfen.

Sänger Michael Spieler, der mit der halben Milky-Chance-Frise, färbt seine Stimme in Bono-, Chris-Martin- und Sting-Farben. Die Rhythmus-Fraktion um Schlagzeuger Timothy Lush und Basser Thomas Sedlacek gehen mit Synthesizer und Keyboard eine liebevolle Vierecksbeziehung ein, und Kerim Öke liefert an der Gitarre Riffs, die dann doch irgendwie den Indie-Stempel deutlich machen sollen - gerade bei „Inner Cinema“.

Die Musik der Kytes ist ultra-modern. Nicht neu, aber auch nicht komplett kopiert. Vor allem hört sich das Gesungene auch nicht allzu Deutsch an, die markanten Floskeln fehlen, die gerne von Fremdsprachlern benutzt werden. Dass dies nichts an der Eingängigkeit zu rütteln hat - Kytes liefern den Beweis. Wobei sowieso die Melodien über allem stehen. Die Platte ist eigentlich durchweg zu loben, würde nicht die Gewissheit existieren, dass sie bei nicht zu verhindernden (Radio-)Overplay schnell wieder zum Hals raushängen wird. Dann klingt jede Rundheit nach Glätte, Glätte nach Schmierigkeit. Ein Kreuz, das jeder Indie-Pop-Hype zu schultern hat.

Kytes auf Tournee:

21.09.2016, Hamburg, Reeperbahn Festival

27.09.2016, Hannover, LUX

28.09.2016, Kassel, Goldgrube

29.09.2016, Braunschweig, Eulenglück

30.09.2016, Magdeburg, Rockstudio

01.10.2016, Chemnitz, Atomino

02.10.2016, Berlin, Musik&Frieden

04.10.2016, Leipzig, Täubchenthal

05.10.2016, Dresden, Groovestation

12.10.2016, Bocholt, Alte Molkerei

13.10.2016, Münster, Gleis22

14.10.2016, Aachen, Musikbunker

15.10.2016, Bremen, Tower

16.10.2016, Düsseldorf, FFT

17.10.2016, Köln, Blue Shell

20.10.2016, Würzburg, Cairo

21.10.2016, Augsburg, Kantine

22.10.2016, Bayreuth, Kneipenfestival

23.10.2016, Darmstadt, Centralstation

24.10.2016, Stuttgart, Keller Klub

27.10.2016, Regensburg, Heimat

28.10.2016, München, Muffathalle

29.10.2016, Nürnberg, Pop Festival

30.10.2016, Passau, Zeughaus

tsch

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