Wölli

Onkel Wölli ist tot

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Von 1986 bis 1999 war er Schlagzeuger bei den Toten Hosen. Ein schwerer Verkehrsunfall veränderte sein Leben von einem Tag zum anderen. Nun ist der legendäre Punkrockmusiker im Alter gestorben. Wölli wurde 66 Jahre alt.

Der Ex-Hosen-Schlagzeuger Wölli ist am Montag im Alter von 66 Jahren gestorben.

Eigentlich hieß er Wolfgang Michael Rohde. Doch jeder nannte ihn Wölli. Am Montag ist der in Punkrockkreisen legendäre Musiker, der von 1986 bis 1999 als Schlagzeuger den Takt bei den Toten Hosen vorgab, verstorben. Wölli erlag einem Krebsleiden, er wurde 66 Jahre alt.

"Wir haben ihn verloren!" - Mit diesem traurigen Post waren es die Toten Hosen selbst, die auf ihrer Facebookseite und auf ihrer Homepage in der Nacht zum Dienstag das Ableben ihres langjährigen Bandmitglieds bekannt gaben. Wölli sei im Kreise seiner Familie verstorben, schrieben die Düsseldorfer unter einem Schwarzweißporträt Wöllis, und sie ließen wissen: "Er war auch für uns ein Familienmitglied und bis zum letzten Tag ein enger guter Freund. Wir werden Dich nie vergessen. Andi, Breiti, Campino, Kuddel, Vom, und alle Mitarbeiter von JKP und KKT."

Wölli gehörte all die Jahre nach der Trennung von den Toten Hosen zum Umfeld der Band. Mit Frontmann Campino verband ihn eine enge Freundschaft. Als die Toten Hosen im vergangenen Sommer ein Konzert in Leipzig gaben, sangen 70.000 Menschen ihre Hymne "Steh auf, wenn Du am Boden bist" mit - es war ein Familienchor für "Onkel Wölli", der in der Mitte des Songs auf die Bühne kam und Arm in Arm mit Campino die Wärme des Augenblicks aufsaugte. Es war eine Geste, wie sie typisch ist für die "Hosen", die sich seit jeher eben auch als Familienunternehmen verstehen.

Wölli übernahm 1986 die Drums der Toten Hosen vom bisherigen Schlagzeuger Trini Trimpop, der ins Management der Band wechselte. Er war in dieser Zeit am rasanten Aufstieg der Düsseldorfer beteiligt, Alben wie "Auf dem Kreuzzug ins Glück" (1990), "Kauf MICH!" (1993) oder "Opium fürs Volk" (1996) wurden zu Meilensteinen der deutschsprachigen Rockmusik, sie bildeten die Grundlage für gigantische Tourneeerfolge. Nach diversen Bandscheibenvorfällen machte Wöllis Rücken nicht mehr mit - er musste sich mehr und mehr aus dem anstrengenden Alltagsbetrieb der Toten Hosen zurückziehen, bei den Aufnahmen zum Album "Unsterblich" war er nur noch vier ruhigeren Stücken beteiligt. Kurz darauf gab er seinen Posten an den aktuellen Schlagzeuger Vom Ritchie ab.

Wölli wird den Fans als Sympathieträger mit echten Nehmerqualitäten in Erinnerung bleiben. Im Jahr 2000 kam der Musiker bei einem schweren Verkehrsunfall beinahe ums Leben. Zahllose Knochen hatte er sich gebrochen. "Nach zwei Tagen erwachte ich aus dem Koma, lag in meinem Krankenbett und dachte mir: 'So, das war es jetzt mit deiner musikalischen Karriere'", erinnerte er sich vor einigen Jahren im Interview. "Aber ich hatte Glück, dass die Hosen schon immer ganz besondere Fans hatten. Ich bekam unglaublich viele Zuschriften, Wahnsinn. So viele erinnerten mich daran, was ihnen die Hosen in ihrem Leben bedeutet haben. Einer schrieb: 'Wenn ich könnte, dann würde ich dir deine Schmerzen abnehmen.' Da musste ich echt heulen", sagte Wölli. "Ich war ja damals noch mit den Hosen unterwegs, dann kam der Unfall. Die Hosen spielten in der Dortmunder Westfalenhalle, und Campi rief mich am Abend von der Bühne aus an. 15.000 Leute in der Halle schrien 'Wölli, Wölli, Wölli'. Ich, im Krankenbett, wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Und dann hörst du die ganzen Menschen, die an dich denken. Da lässt du dich nicht mehr hängen. Es ist anders als vorher, klar. Aber das Leben ist immer noch geil. Schon damals sagte ich den Leuten: 'Schreibt mich nicht ab. Ihr werdet noch viel von mir hören.'"

Und so kam es in der Tat. Wölli, also der Mann, der eigentlich Wolfgang Rohde heißt, gründete den Trallala Musik-Verlag und betrieb seit 2004 das Plattenlabel Goldene Zeiten. Der gebürtige Kieler fördert junge Punkbands. Und der Nachwuchs war es schließlich auch, der ihm vorschlug, seine eigenen Geschichten zur Musik zu machen. Wölli formierte "Wölli & Die Band des Jahres" und brachte 2011 beim Hosen-Label JKP das Album "Das ist noch nicht alles". Er ging sogar wieder auf Tournee.

Ein Schlagzeuger singt. Normalerweise ist das nicht die beste Idee. Doch Wölli entpuppte sich als Geschichtenerzähler mit Gefühl für die passende Melodie. Es geht in seiner Musik um Siege, um Niederlagen, um Ehrgeiz, um die Träume aus all den Jahrzehnten. Auf seinem Album coverte Wölli, was man von einem echten Punkrocker nicht unbedingt erwartet hätte, ein Lied von Vicky Leandros. Den Text von "Ich liebe das Leben" habe er schon immer gut gefunden, erklärte er damals. "Spätestens seit meinem Unfall. Ich bin ja nicht an dieser Situation verzweifelt, habe nicht das Schicksal dafür verantwortlich gemacht. Ja, ich liebe das Leben ..." Dann kam der Krebs.

Im Sommer vergangenen Jahres ließ er via Facebook seine Fans wissen, wie es ihm geht. "Im April 2014 wurde bei mir Nierenkrebs festgestellt. Rechte Niere, beide Nebennieren und ein Viertel der linken Niere wurden entfernt. Den Eingriff hab ich überstanden und mich davon gut erholt. Es schien alles richtig gut zu verlaufen, aber dann ..." Wölli erklärte in jenem Post, dass der Krebs noch auf die Lunge gestrahlt hat. Er habe sich ein halbes Jahr lang einer "Tabletten-Chemo unterzogen". Aber "leider hat das bei mir angewandte Medikament nicht gewirkt. Das einzige was dafür richtig reingehauen hat, waren die Nebenwirkungen. Und davon gab's reichlich. Die letzten sechs Monate waren für mich die Hölle." Der Musiker bedankte sich bei seinen Anhängern für ihre guten Wünsche und erklärte, nicht aufgeben zu wollen. "Der Kampf geht weiter", schrieb Wölli. Doch jetzt hat er diesen Kampf verloren.

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