Keine Revolution in der Republik

Neues Album „Oh My My“: OneRepublic bleiben sich treu

OneRepublic - Oh My My

OneRepublic sind eine der größten Pop-Bands der letzten zehn Jahre. Auf ihrem vierten Album „Oh My My“ weichen sie deshalb auch kein Stück von ihrem Weg ab.

Immer wieder scheint Sänger, Songwriter und Produzent Ryan Tedder für seine eigene Band OneRepublic alle Knöpfe zu drücken, dass Pop-Fans heillos begeistert in die (zumindest digitalen) Läden rennen und der Band ihre Musik aus den Händen reißen. Dabei ist diese glattgebügelt, dass man nicht mal ein Fältchen erahnen kann. Daran ändert auch das neue Album „Oh My My“ nichts. Und ja, OneRepublic ist diese US-Pop-Rock-Band aus diesen Til-Schweiger-Schmonzetten.

Für unaufmerksame Zuhörer überraschend ist, dass sie bisher neben dem „Keinohrhasen“-Hit „Apologize“ (2007) und „Secrets“ aus „Zweiohrküken“ (2009) auch mit einer ganzen Reihe anderer Singles über zwei Dutzend weitere Platin-Auszeichnungen einheimsen konnten. Dass sich auf den Alben Pop-Hits in ihrer profansten Form aneinanderreihen, ist allerdings für Eingeweihte reine Selbstverständlichkeit.

Schließlich war Frontmann Ryan Tedder mit seinen 37 Jahren auch schon vor OneRepublic abseits des Rampenlichts als Songwriter und Produzent eine feste Größe in der riesigen Zuckerwattewolkenwelt der allerhöchsten Güte. Auf seiner ellenlangen Liste an Kunden stehen etwa Adele, Birdy und Taylor Swift. Was kann das neue und vierte Album „Oh My My“ der Diskographie der Weltstars aus Colorado nun noch hinzufügen? Jedenfalls alles außer Überraschungen.

Zwar macht der Opener „Let's hurt tonight“ noch Hoffnung auf Innovation, wähnt man sich viel eher auf einem Folk-Rock-Album à la Mumford & Sons als in einer weiteren Kitschfantasie. Doch schon nach einer knappen Minuten ist die Hoffnung zerstört und der Stadionrock hat seinen ersten riesigen Moment. Nach den Sternen greift man - da wo man hingehört. Darunter machen es OneRepublic einfach nicht mehr.

Schaffte es der Remix zu „Apologize“ unter gütiger Mithilfe Timbalands so etwas wie Crossover zum R'n'B zu simulieren, gibt es auf „Oh My My“ fast nur den krampfhaften Druck auf die Tränendrüse, bis diese erschöpft darunter zusammenbricht. Das hat bis jetzt gut für die Band funktioniert, und so finden sich universelle Themen wie die Liebe oder der melancholische Blick in die Vergangenheit in fast jedem Song wieder.

Abwechslung bekommt der Sound nur dann, wenn zum Elektro-Baukasten gegriffen wird. Auf „A.I.“ zum Beispiel wird am Ende ein Synthesizer-Feuerwerk abgebrannt, während im Titelsong Disco-Anleihen zu hören sind. Dabei dosiert man die Extra-Zutaten nie mutig genug, als dass sie das Erfolgsrezept versauen könnten. Einzig in „Better“, dem besten Song der Platte, wird mit Stakkato-Gesang mal so viel gewagt, dass der Titel sich vom Rest abhebt. Aber eben auch nur, weil zwischen stupide stampfender Rhythmik („Kids“) und Backgroundchor samt Klatsch-Bridge („Choke“) jede ehrliche Innovation umso stärker ins Gewicht fällt.

Solange der Erfolg bleibt, wird die Revolution bei OneRepublic wohl kaum von innen kommen. Dafür sind die Jungs und ihr Sound schon viel zu weit in der Komfortzone verloren gegangen. Aber immerhin bleibt die Gewissheit, dass Til Schweiger sicher noch ein paar Filme machen wird und er dann ziemlich genau weiß, wo er für den Soundtrack anrufen muss.

tsch

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