Till Brönner: The Good Life

Neues Album: Nostalgie mit Federgewicht

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Till Brönner macht in Klassikern: Sein neues Album „The Good Life“ enthält vor allem Werke aus dem „Great American Songbook“.

Leichtigkeit und Melancholie: Auf seinem neuen Album nimmt sich Jazz-Superstar Till Brönner Klassiker aus dem „Great American Songbook“ vor.

Till Brönner besitzt viele Talente. Zuallererst ist er natürlich einer der besten Trompeter der Welt. Sein Spiel gefällt durch Klarheit, Leichtigkeit und einen sehr feinen Ton. Der 45-Jährige hat jedoch eine Menge weiterer Fähigkeiten vorzuweisen: das smarte Äußere, gute Umgangsformen, Intelligenz und rhetorisches Geschick. Hinzu kommen Disziplin und Arbeitseifer, die den zwischen Berlin und Santa Monica pendelnden Superstar zumindest in Deutschland zu einem Aushängeschild für ein ganzes musikalisches Genre machen. Nun entschied sich Brönner für ein Album mit alten Jazzstandards, die mehrheitlich in den 30er-Jahren komponiert wurden. Trotz prominenter Besetzung seines Quintetts schafft es „The Good Life“ jedoch nur selten, den Song-Giganten neue Gefühlswelten zu entlocken.

Till Brönner, deutscher Perfektionist unter kalifornischer Sonne, hat nichts dem Zufall überlassen. Nicht nur, dass er auf seinem neuen Album Songs wie „The Good Life“, „I'll Be Seeing You“ oder „In The Wee Small Hours Of The Morning“ covert - Lieder, die nur Menschen kalt lassen, die sich anstatt ihres Herzens einen Stein einsetzen ließen. Nein, er spielte diese Musik auch noch mit sehr renommierten amerikanischen Jazz-Musikern im Ocean Way Studio von Los Angeles ein. Ein Ort, dem nicht nur Sinatras „My Way“ zu verdanken ist, sondern der die Leichtigkeit der Westküste atmet, was Brönner wichtig war.

Mit den Veteranen Jeff Hamilton (Schlagzeug) und John Clayton (Bass) sowie den „mittelalten“ Anthony Wilson (Gitarre) und Larry Goldings (Piano) nahm sich der Deutsche vorwiegend Kompositionen vor, die zwischen 1928 („Sweet Lorraine“) und 1938 („Change Partners“) entstanden. Dazu der Titelsong von Sinatras Album „Come Dance With Me“ oder eben das 1962 entstandene „The Good Life“, das vor allem in der 63er-Version Tony Bennetts zu einem der populärsten Songs des „Great American Songbooks“ wurde. Nicht unterschlagen werden sollen zwei Eigenkompositionen: das im Bossa-Rhythmus schwebende „O Que Resta“ und der L.A.-Samba „Her Smile“, den Brönner wie auch einige andere Stücke als jungenhaft hauchender Sänger präsentiert.

Selbstverständlich ist „The Good Life“ in Ausführung und Produktion (Ruud Jacobs) ohne Fehl und Tadel. Das durchweg akustische Instrumentarium klingt luftig und leicht, kein Ton zu viel oder zu wenig wird hier gespielt, alles ist sehr angenehm zu hören. Dennoch stellt sich wie bei jedem Standard-Album die Frage, was das künstlerische Ensemble den Werken hinzufügt. Wie etwa auf einem der besten Jazzstandard-Alben der letzten Jahre: Tony Bennetts und Bill Charlaps Meisterwerk „The Silver Lining - The Songs Of Jerome Kern“ von 2015. Darauf tauchte die interpretatorische Kraft des fast 90-jährigen Sängers die brillante Lyrik des alten Meisters in ein wunderbar menschlich schillerndes Licht.

Eben dieses Anrührende fehlt auf „The Good Life“ ein bisschen, was gerade beim Gesungenen Material auffällt. Vielleicht besticht Brönner deshalb auch bei instrumentalen Balladen wie „I Loves You Porgy“, während vielgehörte Gesangstücke wie „Change Partners“ oder „Sweet Lorraine“ in ihrer Wirkmächtigkeit abfallen. „The Good Life“ wird den Vorwurf der Brönner-Kritiker, die dem erfolgreichen Musiker einen Hang zur gefälligen Kunst vorwerfen, kaum entkräften können. Es spricht allerdings auch für den Trompeter, mit welch erstaunlicher Lässigkeit er mit diesem Vorwurf zu leben gelernt hat.

Till Brönner auf Tournee:

26.08.2016, Mainz, Rheingau Musik Festival - Alte Lokhalle

15.09.2016, Herford, Musik Kontor

01.11.2016, Zürich, Kongresshaus

06.11.2016, Dortmund, Konzerthaus

08.11.2016, Darmstadt, Staatstheater

09.11.2016, Wuppertal, Historische Stadthalle

13.11.2016, Magdeburg, Bühne im Opernhaus

14.11.2016, Hamburg, Laeiszhalle

17.11.2016, Berlin, Komische Oper

20.11.2016, Bielefeld, Stadthalle

29.11.2016, Ravensburg, Konzerthaus

30.11.2016, Köln, Philharmonie

02.12.2016, Waiblingen, Ghibellinensaal im Bürgerzentrum

03.12.2016, Baden-Baden, Festspielhaus

04.12.2016, Leipzig, Gewandhaus zu Leipzig

tsch

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