Eric Clapton: Still I Do

Ja, er tut es noch immer

Eric Clapton - Still I Do

Eric "Mr. Slowhand" Clapton bittet abermals zum Tanz - das erste Mal seit "Back Home" (2005) auch wieder mit eigenen Liedern.

Nach "The Breeze", einer rührenden Hommage an seinen verstorbenen Freund und Kollegen JJ Cale, der Studio-Momentaufnahme "Old Sock" (2013) und der geschmackvoll zusammengestellten Werkschau "Forever Man" aus dem letzten Jahr, bittet Eric Clapton mal wieder um Aufmerksamkeit: "I Still Do", so der Titel seines aktuellen Studiowerks, darf man da ruhig wörtlich nehmen: "Ja, ich bin noch hier, war eigentlich auch nie weg und habe immer noch Spaß an der Musik", so die Ansage des mittlerweile 71-jährigen Gitarrenmagiers, der ab den 60er-Jahren den Sound des (britischen) Blues maßgeblich mitprägte.

Nach all den großen Stationen seiner Karriere, nach den Yardbirds, den Bluesbreakers, Cream und einer grandiosen Pop-Karriere zwischen "Lay Down Sally", "I Shot The Sheriff" und "Tears In Heaven" plus zahllosen Kollaboration mit anderen Weltstars ist "I Still Do" ein weiteres Steinchen im unendlichen Mosaik des Blues, den uns Eric Clapton über die letzten Jahrzehnte in den unterschiedlichsten Facetten nähergebracht hat; mit Swing in der Gitarre, Gefühl in der Stimme und reiner Spielfreude - ganz wie es sich für einen Gentleman gehört, der er nun mal ist.

"I Still Do" setzt dabei auf Bewährtes: Eine von sicherer Hand kuratierte Mixtur aus Cover-Hommagen und solidem Neu-Material, eingespielt von einer Riege versierter Musiker (darunter Ethan Johns, Paul Carrack und Henry Spinetti). Zudem arbeitete Clapton erstmals seit 1978 wieder mit Produzent Glyn Johns zusammen, der damals das Album "Backless", sowie ein Jahr zuvor Claptons Referenzwerk "Slowhand" veredelte. Der darauf präzise in Szene gesetzte runde, warme Sound war sicher nicht ganz unschuldig daran, dass Clapton seinerzeit weltweit die Charts knackte.

Jener altvertraute Klang meldet sich auf "I Still Do" eindrucksvoll zurück und ist ein Fest für die Ohren: Der lamentierende "Alabama Woman Blues" sucht sich gemütlich torkelnd seinen Weg in die Einlaufrille, und lässt in relaxter Delta-Blues-Manier die Gitarren in Zeitlupe duellieren. Dazu ein stimmlich selbstbewusster Clapton, dessen Klagen nonchalant mit Pianotupfern verfeinert werden, ehe der nachfolgende Schunkel-Shuffle "Can't Let You Do It" aus der Feder von JJ Cale behutsam seinen wunderbaren Groove-Teppich ausrollt.

"I Will Be There" schlägt in eine ähnlich groovende Kerbe, federt beschwingt in Richtung Weltmusik, unterstützt aus dem Jenseits von keinem Geringeren als George Harrison, der hier als Angelo Mysterioso aufgeführt wird, ein Pseudonym das Harrison früher gern nutzte. Clapton zollt seinem engen Freund einen herzerwärmenden Tribut. Auch Blues-Legende Robert Johnson bekommt mit dem angemessen ruppig interpretierten "Stones In My Passway" ein kleines Denkmal gesetzt, eine geschmeidige Interpretation von Bob Dylans "I Dreamed I Saw St. Augustine" macht sich auf "I Still Do" natürlich auch ganz hervorragend.

Und wenn Clapton mal wieder selbst textet, dann sagt er uns direkt in seinem neuen Song "Spiral", was er fühlt: "You don't know how much it means, to have this music in me". - Das spürt man auf dem großartigen "I Still Do" wahrlich jede Sekunde.

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