Flume: Skin

Neu ist nicht immer großartig

Flume - Skin

Beatmacher Flume meldet sich mit seinem zweiten Album „Skin“ zurück und präsentiert sich darauf äußerst experimentierfreudig.

„Musik lässt sich auf zwei Elemente runterbrechen: Rhythmus und Melodie. Ich denke, dass Töne und Strukturen oft übersehen werden, deswegen nehme ich mir gerne die Zeit, um den richtigen Sound zu finden“, erklärte Flume 2012 in einem Interview mit dem Magazin „Dazed Digital“. Nicht verwunderlich, dass der Beat-Bastler deswegen fast vier Jahre für den Nachfolger seines gefeierten Debüts „Flume“ (2012) gebraucht hat. Doch leider hat sich der Australier für „Skin“ wohl zu viel Zeit gelassen und so in den Songs verloren.

Schnörkellose Basslinien und klare, leicht schleppende Beats, gefüttert mit minimalen elektronischen Spielereien: Das war das Erfolgsrezept für Flumes selbstbetiteltes Debütalbum. Bereits vergangenes Jahr begeisterte die Single „Some Minds“ erneut all seine Anhänger auf spielerische Art und Weise. Nach diesem Vorboten erwartete man fast sehnsüchtig sein nächstes großes Werk. Und bei über einer Stunde Laufzeit und 16 Titeln schien sich die Geduld gelohnt zu haben. Aber so richtig will die Platte nicht in altem Glanz erstrahlen.

Opener „Helix“ klingt noch nach einem interessanten Experiment. Der Song braucht lange, um sich aufzubauen; jeder Ton wirkt angespannt, das Tempo zieht an, es wird hitziger, bis der Drop die Erlösung bringt und ein typischer Flume-Beat zum Vorschein kommt. Doch leider bleibt dieser gelungene Einstieg ein Einzelfall.

Flume befüllt vielmehr seine Songs mit allem, was die elektronische Musik zu bieten hat. „Wall Fuck“ klingt zu Beginn, als würde die Platte hängen, wird untersetzt mit hohen weiblichen „Uuuh“- und „Ahhh“-Samples und verfällt dann in tiefe, drückende Rhythmen. Auf „3“ schlägt einem ein fast beliebiger Beat mit scharfen, geläufigen Synthesizern ins Ohr, und unregelmäßige Drum-Sets sorgen dafür, dass man dem Track nicht in Ruhe folgen kann.

Schon immer war Flume ein großer Freund von Kollaborationen. Auf seinem Debüt bereicherten etwa Chet Faker, Jezzabell Doran und George Maple die Platte. Auch diesmal hat sich der 24-Jährige zahlreiche Unterstützung geholt. Auf „Smoke & Retribution“ untersetzt er Vince Staples' Rap und Kuckas R'n'B mit harten Schlägen. Doch auch hier klingen die Bässe und Beats leider austauschbar. Der Titel „Tiny Cities“ hingegen wirkt in sich nicht stimmig. Becks ruhige, gefühlvolle Töne gehen einfach keine Symbiose mit Flumes Produktion ein.

Insgesamt wirkt die Platte überproduziert und übersättigt mit zu vielen Synthesizern und zu vielen aufgeregten Rhythmen. Sicherlich sind die Songs zu jedem Zeitpunkt detailgenau; Flume entwickelt sich weiter und schafft viel Abwechslung. Doch was fehlt, ist schlicht und ergreifend der lässige Takt und der typische Flume-artige Flow, der die alten Songs zu alltags- und tanztauglichen Tracks gemacht hatte.

Flume auf Tournee:

09.11.2016, Berlin, Columbiahalle

12.11.2016, München, Tonhalle

13.11.2016, Köln, Live Music Hall

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