Trümmer: Interzone

Nicht abschrecken lassen!

Trümmer - Interzone

Zwei Jahre später und ein Bandmitglied mehr: Trümmer rufen sich mit "Interzone" in Erinnerung. Und das mit erschreckend neuen Tönen.

Mit gerade mal 20 Jahren erschienen sie 2014 auf der Bildfläche und versprühten mehr als annehmbaren Deutsch-Rock-Pop-Sound. Nicht nur aufgrund ihrer Herkunft wurden Trümmer bei der Hamburger Schule verortet. Doch in diese Schublade wollten sie sich noch nie stecken lassen. Überhaupt ließ das Trio mit ihrem selbstbetitelten Debüt Vergleiche nur ungern zu. Zumindest kämpft es gegen Konformität an. Mit dem Zweitling "Interzone" und einem Mann mehr an Bord sprechen sich die Feuilleton-Lieblinge jetzt einmal mehr gegen Erwartbares aus.

Bereits bei ihrem Debüt gaben Trümmer vor, nicht zu wissen, wie man sich zwischen all der Individualität irgendwie authentisch positionieren soll. Sich aber auf "ehrliche Musik" zu stützen, sei ja nun auch lächerlich. Mit einer "Ob Sonne, ob Regen, ich bin dagegen"-Attitüde begegneten die damals noch kleinen Revoluzzer übermäßiger Verehrung von Vorbildern und überstrapazierter Nostalgie, allgemein gängigen Normalzuständen und systemgetriebenen Individuen.

Auf "Interzone" weicht bejahende Orientierungslosigkeit und Rebellion einer sich anschleichenden Unsicherheit. "Man kann sich niemals wirklich finden, nur immer wieder neu verlieren", erklären Trümmer in "Dandys im Nebel". Als hätten sich die Hamburger eine neue Brille aufgesetzt: "Ich habe überlegt, was passiert, wenn man alles endlich mal nicht nüchtern betrachtet", erklärt Sänger Paul Pötsch im Interview mit der "Intro". Und dementsprechend drehe sich auf "Interzone" auch alles um "den Rausch der Liebe und die Liebe zum Rausch".

Durchzechte Nächte und trübe Gedanken verbildlichen einen Dunst, in dem man sich zurechtfinden muss und nach Halt sucht: "Wolken hängen tief über der Stadt / Ich bin unruhig, schrecklich nervös", singt Pötsch in gequälter Manier in "Gin Tonic & Wodka Soda". "Ich wäre so gern jemand anderes / Ich bin der, der ich bin", beklagt er sich in "Das Glitzern der Nacht". Und da "sich auf Deutsch erst mal alles schlimm anhört", wie der Trümmer-Frontman findet, hat er auch keine Angst vor der ein oder anderen englischen Phrase. Doch mit Zeilen wie "Wir sind somewhere in between" macht er es "Trümmer"-Fans der ersten Stunde schwer, "Interzone" sofort lieben zu lernen. Vermeintlich verfehlt Pötsch textliche Sicherheit und provoziert den Gedanken an Lückenfüller.

Gibt man "Interzone" auch mit diesen unerwarteten Tönen aber eine zweite oder vielleicht sogar dritte Chance, muss man unweigerlich feststellen, kommt einem das Album näher. Ähnlich verhält es sich mit dem Sound. Trümmer scheinen Synthesizer für sich entdeckt zu haben, an Post-Punk erinnern nur noch vereinzelt "Grüße aus der Interzone" und "5:30". Wesentlich glatter, sauberer und poppiger zeigen sich die Hamburger auf ihrer zweiten Platte, was vielleicht auch daran liegen mag, dass das Trio dank Gitarrist Helge Hasselberg mittlerweile zu einem Quartett herangewachsen ist. Wie Titel wie das groovige "Nitroglyzerin" beweisen, klingt dieser Wandel aber auch durchaus positiv. Und gegen Songs, bei denen man mitsingen und mitwippen kann, kann ja eigentlich wenig sprechen.

Trümmer auf Tournee:

12.10.2016, Hannover, Lux

13.10.2016, Wiesbaden, Schlachthof

14.10.2016, Köln, Gebäude 9

15.10.2016, Münster, Gleis 22

16.10.2016, Leipzig, Naumanns im Felsenkeller

19.10.2016, München, Ampere

22.10.2016, Vöcklabrück, OKH

26.10.2016, Stuttgart, Keller Klub

28.10.2016, Hamburg, Uebel & Gefährlich

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