Andrea Berg: Seelenbeben

Die Mutti klatscht die Wolken weg

Andrea Berg - Seelenbeben

Im Interview sagt Andrea Berg, sie fühle sich als "Mutter der Nation". Auf "Seelenbeben" liefert sie abermals den Soundtrack für alle anderen Muttis da draußen.

Vor zehn Jahren zog eine dunkle Wolke auf, eine aus der fernen sibirischen Waldsteppe. Eine Eiseskälte, die "Atemlos" macht. So muss es sich für Andrea Berg anfühlen, zumindest malen Presse und Öffentlichkeit gerne dieses Bild. Sie zeichnen einen Kampf, ein Ausstechen, Königin gegen Prinzessin. Aufregung am Schlager-Hofe. Natürlich beschwichtigt man beidseitig. Eine Koexistenz sei durchaus möglich. Tatsächlich: Während Helene Fischer auf Wolke Sieben immer mehr jugendliches Publikum abholt, ist es bei der gebürtigen Krefelderin vor allem die Mutti, die sich vom Berg'schen "Seelenbeben" - so der Titel ihres neuen Albums - erschüttern lässt.

Und was gefällt der Mutti? Es geht um Ablenkung, um Zerstreuung. Natürlich auch um Halt, Motivation und Hilfe bei allem Alltagsleid. Und das gelingt anhand von möglichst einfachen Mitteln: "Das hat die Welt noch nie gesehen, lass uns neue Wege gehen / Das Leben ist ein Wunderland, mit dir an meiner Hand" ("Das hat die Welt noch nie gesehen"). Verbrauchter geht es kaum, was soll's ...

Andrea Berg schrieb jeden Text selbst, hatte auch das letzte Wort, wenn es um die musikalische Untermalung geht, die abermals von Dieter Bohlen und DJ Bobo stammt. Das Duo Infernale sorgt natürlich für die nötige Synthesizer-/Streicher-/Gitarren-Kombo. Die Bohlen'sche Piano-Ballade "Sternenträumer" fällt da schon klassisch aus dem Rahmen, ebenso der Streicher-Rausschmeißer "Wunderland". Sonst regieren der Discofox und die Mitsing-/Mitklatschfreude.

Nichts Neues also im Hause Berg? Alles beim Alten? Nachdem Vorgänger "Atlantis" nicht wirklich die angekündigte Experimentierfreudigkeit der Hoteliers-Gattin offenlegte, ist auch dieses Mal nichts von der angepriesenen Intimität auszumachen. Die ewige Liebe ("So lang' die Erde sich dreht"), die gekonnte Trennung ("Ich werde lächeln, wenn du gehst") - alles schon da gewesen. Ein paar neuartige Fantasie-Bilder wie in "Drachenreiter" gehen beim längst eingesetzten Abschweifen unter.

Man wird Andrea Berg immer als die dem Manne ergebene Anti-Feministin kritisieren können. Die starke, selbstständige Frau, der auf der Bühne die Ovationen entgegenfliegen, ist sie in ihren Texten nur in Nebensätzen. Aber auch das fällt nicht weiter ins Gewicht bei einem ihrer Alben. "Haben wir am Ende aus den Fehlern auch gelernt? / Mussten wir erkennen, dass Applaus allein' nicht wärmt" singt die 50-Jährige in "Wunderland". Nichtsdestotrotz wird auch Mutti wieder mitklatschen. Und für kurze Zeit wird jede aufziehende Wolke, ob nun aus der sibirischen Waldsteppe oder nicht, vergessen sein.

Andrea Berg auf Tournee:

16.07.2016, Wetzlar, Rittal Arena

18.07.2016, Wetzlar, Rittal Arena

14.10.2016, Krefeld, Königspalast

15.10.2016, Hannover, Tui Arena

16.10.2016, Schwerin, Sport und Konfresshalle

21.10.2016, Kiel, Sparkassen-Arena

22.10.2016, Hamburg, Barclaycard Arena

23.10.2016, Magdeburg, Getec-Arena

28.10.2016, Dortmund, Westfalenhalle 1

29.10.2016, Köln, Lanxess Arena

30.10.2016, Trier, Arena Trier

04.11.2016, Leipzig, Arena

05.11.2016, Berlin, Mercedes-Benz-Arena

06.11.2016, Berlin, Mercedes-Benz-Arena

10.11.2016, Braunschweig, Volkswagen Halle

11.11.2016, Chemnitz, Arena

12.11.2016, Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherungen

20.01.2017, Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle

21.01.2017, Mannheim, SAP Arena

22.01.2017, Frankfurt, Festhalle Frankfurt

04.02.2017, München, Olympiahalle München

05.02.2017, Erfurt, Messe

10.02.2017, Bremen, OVB-Arena

11.02.2017, Oberhausen, König-Pilsener Arena

12.02.2017, Halle, Gerry-Weber-Stadion

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