Mumford & Sons: Johannesburg

Musik von Welt

Mumford & Sons - Johannesburg

Auf ihrer Welttournee machten Mumford & Sons auch in Südafrika halt. In nur wenigen Tage entstanden dort fünf Songs mit afrikanischen Musikern. Die Anbiederungsgefahr ist groß.

Der Begriff Weltmusik verrät sie bereits, die westliche Warte, die gerne als Arroganz und Ignoranz ausgelegt wird. Gerade, wenn es um die afrikanische Sparte geht, wenn deren Exotik herausgestellt wird, ist ein Naserümpfen vorprogrammiert. Auch die Bemühungen, mit geeinten Kräften und wenigen afrikanischen Ausnahmekünstlern auf Missstände, Armut und Hunger auf dem schwarzen Kontinent aufmerksam zu machen, wirkte in der Vergangenheit nicht selten unreflektiert und opportunistisch. Kurzum: Der Pop tut sich schwer beim Umgang mit dem Fremden. So ist es Mumford & Sons durchaus anzurechnen, dass sie einen weiteren Versuch wagen, auf afrikanischen Musikern und an deren Herangehensweise zuzugehen. Ihre EP „Johannesburg“ ist Ausdruck davon.

Die Rahmenbedingungen versprechen Authentizität: Die Briten hielten sich, für westliche Popstars ganz unüblich, mehrere Tage im Land am Südkap auf, spielten insgesamt sechs Konzerte und das nicht nur im europäisch geprägten Kapstadt. Zwei Tage und zwei Nächte brauchten Marcus Mumford und seine „Söhne“, um die fünf Lieder aufzunehmen. Behilflich dabei: The Very Best, eine schwedisch-britische-malawische Afro-Western-Gruppe. Deren Johan Karlberg zeichnet unter anderem als Produzent verantwortlich, sein Kollege, Sänger Esau Mwamwaya, ist immer wieder zu hören. Auch die Worldbeat/Indie-Pop-Gruppe Beatenberg aus Kapstadt sind mit dabei, genauso wie Sänger Baaba Maal aus dem Senegal.

Selbstredend wird westlichen Ohren beim bloßen Reinhören erstmal deren Beteiligung auffallen. Fremde Trommeln, fremde Sprachen. Marcus Mumfords markante Stimme und der charakteristische Folk-Rock der Sons sorgen allerdings immer wieder für eine vertraute Struktur. In seinen Texten geht es dem Frontmann um ganz weltliche Themen: Liebe, Hoffnung und Glaube spielen eine Rolle und nicht etwa der andersartige Kontinent, auf dem man sich befindet. So umschifft man gekonnt die Ethno-Kitsch-Gefahr und die einer anbiedernden Romantisierung.

Die Gewichtung der afrikanischen Anteile unterscheiden sich von Stück zu Stück. „Fool You've Landed“ etwa könnte sich auch trotz zwei Bridges von Mwamwaya und etwas Afropop-Spielereien von Beatenberg auf jedem anderen Album der Londoner einfinden. „Si Tu Veux“ verbreitet dagegen Nebelschwaden, die eine Beteiligung der Rockstars beinahe im Dunkeln halten. Fans, die bei der Kritik am glatten Stadion-Rock von „Wilder Mind“ (2015) einstimmten, werden mit „Johannesburg“ wieder etwas Besonderes an ihren Helden ausmachen können - eine Vielseitigkeit, die aber immer dem stimmigen Pop-Ziel zugutekommt.

Mumford & Sons auf Tournee:

24.06.2016, Hurricane Festival, Eichenring

25.06.2016, Southside Festival, Take-Off Park

01.07.2016, Open Air St. Gallen, Sittertobel

tsch

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