Samy Deluxe: Berühmte letzte Worte

Mögen es seine letzten sein

Samy Deluxe - Berühmte letzte Worte

Wer bei "Sing meinen Song" am Start ist, braucht eine neue Platte. Doch: Eine neue Platte von Samy Deluxe hat es schon lange nicht mehr gebraucht.

Da hat es Samy Deluxe nun also hinverschlagen. Vor gut 15 Jahren galt er noch als bester Rapper der Republik. Nun ist er der erste Rapper, der bei VOX seine Songs mit The Boss Hoss und Annett Louisan tauscht. Ob das nun heißt, dass sich die Rapszene dem Pop und dem Kommerz endgültig öffnet? Eher nicht. Vielmehr wird es Deutschrap egal sein, was Samy im TV anstellt. Solcherlei Lobhudeleien, mit denen Xavier Naidoo und Co. dem 38-Jährigen im "Sing meinen Song"-Scheinwerferlicht das Bäuchlein streicheln, blieben ihm in Rapkreisen schon länger verwehrt. Dort werden seine Fernseh-Ambitionen ebenso ein Schulterzucken ernten, wie es schon bei der Ankündigung von "Berühmte letzte Worte" der Fall war. Und die Bestätigung folgt zugleich: Wenig auf Samy Deluxe' siebter Soloplatte würde eine andere Reaktion rechtfertigen.

Man könnte dem Hamburger natürlich zugutehalten, dass er nicht auch musikalisch versucht, einem neuen Publikum zu schmeicheln. "Berühmte letzte Worte" ist kein Album, das einen jeden Fan der gerne tief-rührenden Kuschelkurs-Stunde auf VOX anspricht. Zumindest nicht gänzlich. Er distanziert sich sogar an mehreren Stellen deutlich vom Mainstream. Und: Es ist besser als seine letzten drei Veröffentlichungen, egal ob "Blockbusta" gemeinsam mit Afrob, das unsägliche "Männlich" und das zu Recht gefloppte, wirre "Verschwörungstheorien mit Melodien" unter dem singenden Alter Ego Herr Sorge.

Damit wäre man aber schon fast bei allen positiv hervorzuhebenden Attributen des neuen Samy-Deluxe-Albums angekommen. Denn schon früh überkommt es einen wieder in Form von völlig fehlgeleiteten und deplatzierten Textpassagen. "Weil ich lyrisch so frisch klinge, ist mein neuer Sound jetzt überall wie syrische Flüchtlinge" ("Countdown"). Nach solchen Zeilen ist ein erstes Urteil gefallen. Und das lautet: Nein! "Ich will mehr, als würd' ich Surfer sein / Wenn ich diese Wörter reim', fühlen es Menschen in jedem Körperteil / In Wirklichkeit würd' ich gern' nur Salat essen, doch tatsächlich zieh' ich mir fast jeden Tag 'nen Burger rein". Und nochmals Nein!

Es wimmelt mal wieder von ihnen: Mal sind es vermeidbare Zweckreime, mal unsinnige Ärgernisse. Verzeihlich ist es nur dann, wenn er auf teils pompösen doch trotzdem vergänglichen Beats nur Worte aneinanderreiht, wenn eh jegliche Aufmerksamkeit überflüssig wäre. Wenn sich das einstige Rapidol aber mit Liedern wie "Klopapier" und "Mimimi" als Gesellschaftskritiker auftut und man deshalb ganz unweigerlich hinhören muss, ist das ob einer sachlichen wie humoristischen Begrenztheit einfach nur peinlich.

Herr Deluxe macht es einem nicht leicht. Denn als ein endgültiges niederschmetterndes Urteil fast schon gefällt ist, fordert er doch noch mal die Geistesgegenwart. So sind Lieder wie "Tellerrand", "Was ich fühl" und "Mittendrin" weitsichtigere Tracks, die durchaus zum Zurücklehnen und Zuhören einladen - und auch dem neuen Fernsehpublikum gefallen könnten. Zwar scheint sich auch hier hinter jeder Ecke böser Mist zu verstecken, etwa: "Zufrieden, wenn ich Karriere Resümee zieh' / Denn so was hat dies' Land noch nicht gesehen wie ein' Yeti". Doch es zeigt einen möglichen Weg aus der Misere. Ob man nach über einem Jahrzehnt überwiegend "Nein!" darauf noch hoffen mag, ist jedem selbst überlassen ...

Samy Deluxe auf Tournee:

13.10.2016, Kiel, MAX NACHTTHEATER

14.10.2016, Bremen, Kulturzentrum Schlachthof

15.10.2016, Münster, Skaters Palace

16.10.2016, Oberhausen, Turbinenhalle II

17.10.2016, Köln, E-Werk Köln

18.10.2016, Frankfurt, Batschkapp

24.10.2016, Stuttgart, Im Wizemann (Halle)

25.10.2016, München, Muffathalle

26.10.2016, Würzburg, Posthalle

27.10.2016, Berlin, PBHFCLUB

28.10.2016, Hamburg, Mehr! Theater am Großmarkt

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