Milliarden: Betrüger

Die Mischung macht's

Milliarden - Betrüger

Milliarden als Duo, das es in sich hat: „Betrüger“ erweist sich als nichts Halbes und nichts Ganzes - aber das kann sich hören lassen.

Einfacher, glatter Pop? Einheitsbrei, den jeder kann. Lauter, direkter Punk? Auch schon alles da gewesen. Ungefähr so müssen Milliarden über die deutsche Musiklandschaft gedacht haben. Die Musik des Berliner Duos klingt jedenfalls danach. Denn mit ihrem Debütalbum „Betrüger“ zeigen die beiden jungen Herren einen Dualismus, der sich weder sonderlich weich gespült noch allzu nischenhaft präsentiert.

Seinen ersten aufleuchtenden Moment hatte das Duo Milliarden 2015 mit „Freiheit is ne Hure“, dem Titeltrack zu Oskar Roehlers groteskem Film „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“. Es dauerte nicht lange bis Ben Hartmann und Johannes Aue nachlegten und ihre erste EP „Himbeereis & Kokain“ veröffentlichten. Schon der Titel sollte offensichtlich einen Gegensatz aufzeigen. Und dieser Maßgabe folgen die beiden auch auf ihrem Langspieler-Debüt „Betrüger“.

Denn die Platte kann vieles: Songs wie „Blitzkrieg Ballkleid“ und „Ende Neu“ bedienen ganz klaren, geradlinigen (Post-)Punk, der unweigerlich an Die Nerven erinnert. Mit „Die Angst“ präsentieren sie einen Gänsehaut-Titel, der durch seinen Kontraste aus schreienden und hauchenden Momenten überzeugt und fast nach „Do I Wanna Know“ von den Arctic Monkeys klingt.

Dazu auf das erste Hören unstimmig, in ihrer Konsequenz aber irgendwie überzeugend, erklingen an andere Stelle Balladen. Auch aufgrund unerwarteter Bläser balancieren Milliarden hiermit auf dem schmalen Grat zum Kitsch - ohne dabei jedoch abzurutschen („Zucker“, „Im Bett verhungern“). Und schließlich servieren die Herren mit „Katy Perry“ Selbstironie in Reinform, indem sie Akkorde aus Perrys „Firework“ übernehmen und mit klassischem Gitarrenpop mischen.

Was Milliarden zudem auszeichnet, ist eine Ausnahmestimme, die Henning May in nichts nachsteht: Mal klingt Sänger Ben Hartmann schrill, beinahe krächzend wie Trümmer-Frontmann Paul Pötsch, im nächsten Moment meint man den verbrauchten Udo Lindenberg zu hören. Zu jedem Zeitpunkt jedoch schreit sich Hartmann das Leid von der Seele - samt nur vordergründig provokanten Zeilen wie „Ich mache den Tod kaputt“ und „Freiheit is ne Hure und ich bin ihr Kind“, hinter denen mehr als nur leere Worte stehen.

Milliarden auf Tournee:

12.08.2016, Open Flair Festival, Festplatz am Werdchen

27.10.2016, Bremen, Tower

28.10.2016, Braunschweig, Eulenglück

29.10.2016, Düsseldorf, Tube

02.11.2016, München, Backstage

03.11.2016, Zürich, Bogen F

04.11.2016, Stuttgart, Keller Klub

05.11.2016, Frankfurt, Nachtleben

10.11.2016, Wien, B 72

11.11.2016, Augsburg, SoHo

12.11.2016, Jena, Kassablanca

17.11.2016, Münster, Sputnikhalle

19.11.2016, Nürnberg, Muz Club

24.11.2016, Berlin, Bi Nuu

25.11.2016, Rostock, Mau Club

26.11.2016, Hamburg, Molotow

tsch

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