Der Meister der Glückseligkeit

Van Morrison: Keep Me Singing

Van Morrison - Keep Me Singing

Absolut kein Grund, in Rente zu gehen: Van Morrison pflegt weiterhin ein grandioses Alterswerk.

Mit der vom Blues und R'n'B besessenen Garagen-Truppe Them setzte Van Morrison in den 60er-Jahren Maßstäbe. Die Nordiren gruben damals den Rolling Stones sogar ein wenig das Fahrwasser ab, mit mehr Gospel, Soul und Jazz im Blut als Mick Jagger und Kollegen. Van Morrison war mit seinem plärrenden Organ und der Mundharmonika der Blickfang des Quintetts. Die fruchtbare Partnerschaft währte allerdings nur drei Jahre, bis 1966. Seitdem tingelt Mr. Morrison mehr oder weniger solo durch die Welt und ist dabei immer höchst produktiv gewesen. So bringt er es mit seinen 71 Lebensjahren nun mit „Keep Me Singing“ auf ganze 36 Studioalben, eine stolze Zahl.

Bei so viel hochwertigem Output darf man sich dann auch mal selbst feiern: Erst im vergangenen Jahr stand eine erlesene Riege altgedienter Vokalisten (darunter George Benson, Natalie Cole, Steven Winwood und Mark Knopfler) Spalier, um das Spätwerk des Meisters in „Duets: Re-Working The Catalogue“ zu würdigen. Auch das essenzielle Live-Monument von 1973 „It's Too Late To Stop Now“ wurde erst kürzlich in einer erweiterten Fassung neu aufgelegt. Es dokumentiert eindrucksvoll, wie sehr ein Mensch in seiner Kunst versinken kann und dabei die Seelen der Zuhörenden erwärmt.

Van Morrison gehört zu den ganz wenigen, die sich diese Eigenschaft bis heute glaubhaft erhalten haben. Auch „Keep Me Singing“ ist voll von solchen Momenten. Der für seine Divenhaftigkeit bekannte Nordire zelebriert im fortgeschrittenen Alter auf seinen Platten das Wohlfühlen an sich, suhlt sich in Schönklang sowie Harmonie und manövriert sein gereiftes Organ durch Schwaden von entspannten Backing-Band-Grooves, Background-Sängerinnen-Gehauche und effektiven Keyboard-Skizzen.

Vom spröden Them-Sound der Anfangstage hat sich Morrison über die Jahre entfernt, doch auf die Harmonika verzichtet er glücklicherweise immer noch nicht. Gleich im Opener „Let It Rhyme“ lässt er sie charmant dazwischen quäken. In „Memory Lane“ seufzen sogar die Streicher und Mark Knopfler berauscht mit seinen Saiten den Hintergrund. Der Blues-Standard „Share Your Love With Me“, der einzige Coversong des Albums, zelebriert Tradition in vollkommener Glückseligkeit. Die Begleiter spielen sich dezent in eine bescheidene Ekstase, Morrison gehört das Scheinwerferlicht.

Für „Every Time I See A River“ arbeitete Lyriker Don Black beim Text dem Singer/Songwriter zu, was den ohnehin blumigen Song vor Wonne beinahe bersten lässt. Und sogar für instrumentale Glücksmomente nimmt sich Van Morrison Zeit und steuert abschließend für den gemütlich rumpelnden „Caledonia Swing“ Saxofon und Piano bei. Grandios!

tsch

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