Mark Forster: Tape

Mehr als Stadionhymne?

Mark Forster - Tape

Mit seiner dritten Platte „Tape“ schafft Mark Forster mal wieder pathetischen Deutsch-Pop, der zwar wie immer ins Ohr geht, leider aber nahezu vollständig austauschbar ist.

Schon bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 wollte sich Mark Forster mit einer speziellen Version seines Songs „Au Revoir“ in die lange Tradition der Turnier-Hymnen einreihen. Auch wenn der Song zu einer der erfolgreichsten Singles des Jahres heranwuchs, konnte sich Forster damals nicht gegen Andreas Bourani und dessen „Auf Uns“ durchsetzen. Genau zwei Jahre später startet der heute 32-Jährige mit „Wir sind groß“ jetzt einen neuen Versuch. Und diesmal hat sich das ZDF den Song schon kurz nach der Veröffentlichung am 1. April als offiziellen Beitrag zur Berichterstattung der Europameisterschaft 2016 gesichert. Gleichzeitig war die Single auch der erste Vorbote auf sein drittes Album „Tape“. Das erscheint nun eine Woche vor EM-Start.

„Wir fliegen weg, denn wir leben hoch / Gewinnen alles und geh'n K.O. / Wir brechen auf, lass die Leinen los / Die Welt ist klein, und wir sind groß“. Mit diesen Zeilen möchte Mark Forster dieses Jahr die deutsche Nationalelf motivieren. Textlich liefert er damit einen Song, der an die „Au Revoir“-Aufbruchstimmung anschließt und sich optimal in die Rubrik „kämpferische Pathos-Hymnen“ einreiht. Doch das Soundbild von „Wir sind groß“ klingt schwermütig und fast etwas melancholisch. Beinahe überraschend, dass genau dieser Song zum offiziellen EM-Titel des ZDF gekürt wurde. Denn eigentlich kann Forster durchaus simplen Pop zum Mitgrölen hervorbringen, wie er auf „Tape“ beweist.

Das Motto dabei: Keine Angst vor Bläsern! Mit Trompeten, Posaunen und auch mal Saxophon und Tuba nähert sich Forster ein Stück weit dem Brass-Sound von Moop Mama. Nur wesentlich poppiger und aufgeregter klingen Titel wie „Was Ernstes“ und „Sowieso“, die damit aber auch leider immer wieder übers Ziel hinausschießen und wenig authentisch wirken. Mit ausgedehnten Background „Oohhs“ und „Ahhhs“ reizt Forster dann auf „Chöre“ die Kitsch-Schwelle ordentlich aus. Den ultimativen Igitt-Faktor schafft er dank Unterstützung eines englischsprachigen Kinderchors in „Weiter (Right Now)“.

Wenn man dann denkt, schlimmer geht's nicht, hat man vielleicht noch nicht auf die Texte geachtet: Forster setzt auf seine altbewährten Nicht-Aufgeben-Kämpf-Dich-Durch-Botschaften, die hier aber irgendwann inflationär wirken. Und klar darf ebenso der ein oder andere Liebessong nicht fehlen, wie „Natalie“ zeigt - ein Lied, das mit seinem Ruf nach Alltags-Entzug und jugendlicher Zweisamkeit unweigerlich an Revolverhelds „Mit dir chill'n“ erinnert und damit abgekupfert wirkt. Wie sich das für den aufgeklärten jungen deutschen Musiker gehört, wird außerdem vor Schimpfwörtern nicht haltgemacht: Doch auch hier will man ihm Zeilen wie „Komm zieh nich so 'ne Fick-Dich-Fresse“ nicht so wirklich abkaufen - vor allem nicht, wenn sie mit theatralischen Streichern unterlegt sind.

Mark Forster auf Tournee:

04.06.2016, Uelzen, Uelzen Open R

18.06.2016, Winnweiler, Schlossplatz

19.06.2016, Trier, porta hoch drei - Open Air

04.07.2016, Bonn, Kunst!Rasen

08.07.2016, Giessen, Open-Air-Kinogelände

09.07.2016, Mainz, Zitadelle

14.07.2016, Abenberg, Burg Abenberg

21.07.2016, Singen, Hohentwiel Festival

22.07.2016, München, Tollwood Festival

23.07.2016, Halle, Picknick Open Air 2016

24.07.2016, Emmendingen, I Em Music! 2016

26.07.2016, Kaltern Am See, Kalterer Seespiele

30.07.2016, Frankfurt (Oder), Helene Beach Festival

31.07.2016, Ebern-Eyrichshof, Schloss Eyrichshof

05.08.2016, Osnabrück, Schlossplatz Open Air

13.08.2016, Heidenheim, Brenzpark Open Air

01.09.2016, Bochum, ZFR

02.09.2016, Altusried, Freilichtbühne Altusried Open Air

04.09.2016, Rottenburg, Rottenburger Sommer Open Air

09.09.2016, Dresden, Konzertplatz Weißer Hirsch Open Air

16.09.2016, Hamburg, Stadtpark Freilichtbühne

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren