Fates Warning: Theories Of Flight

Nie mehr Flugangst

Fates Warning - Theories Of Flight

Auf der Höhe der Zeit: Fates Warning führen auf „Theories Of Flight“ ihren Progressive Metal stringent und abgeklärt ins Ziel.

Ach, wie schön: Endlich mal wieder eine Progressive-Metal-Platte, bei der sich nicht bereits nach 30 Sekunden der Wunsch nach einem Herzschrittmacher breitmacht. „From The Rooftops“, so der erste Titel von „Theories Of Flight“, muss sich nicht aufplustern, keinen wichtigtuerischen ersten Eindruck in die Ohrmuscheln schießen. Der Beginn ruht in sich. Der Song wählt seinen Spannungsbogen mit Bedacht. Und zeigt an: Fates Warning sind wieder voll auf der Höhe.

Natürlich kommt der Herzschrittmacher-Rhythmus dann doch: Nach etwas mehr als zwei Minuten werden die Leinen losgelassen. Ray Alder, der über die gesamte Spieldauer eine exzellente Leistung an den Tag legt, wird lauter, Jim Matheos lässt die Saiten glühen. Gut so. Das zwölfte Album der Amerikaner ist ein Bekenntnis.

Ein Bekenntnis zum eigenen Stil. Das Album befasst sich textlich mit der Veränderung, mit Richtungswechseln und Songwriter Matheos' zahlreichen Umzügen als Kind, welche im zehnminütigen „The Ghosts Of Home“ zum Hauptthema gekürt werden: „Where I come from, no one's home.“ Musikalisch hingegen sind sie ihrer Heimat treu geblieben. Fates Warning formen „Theories Of Flight“ zu einer von fein vernetzten Gitarrenlinien sowie von trickreichem Bass- und Schlagzeugspiel - Joey Vera und Bobby Jarzombek punkten auf voller Länge - umrandeten Burg, die jedem Eroberungsversuch widerstehen kann.

Vielleicht ist es diese Mischung aus Wärme und Unnahbarkeit, technischer Finesse und Bescheidenheit, welche auch diesmal dafür sorgen wird, dass Presse und Fans einstimmig jubeln, das große Abräumen nach Dream-Theater-Art jedoch ausbleibt. Gerade die beiden Longtracks des Albums verlangen Vertrauen und den Willen, sich dem Dargebotenen zu öffnen. Sie besitzen cineastische Dimensionen, ohne Ambitionen auf einen Blockbuster-Status zu hegen.

Gerne verwendete Zutaten wie Bombast oder Virtuosität werden nicht verschwenderisch, sondern gezielt, teilweise sogar versteckt eingesetzt. In einem Punkt jedoch holen die erst vor einigen Jahren aus der kreativen Versenkung zurückgekehrten Meister auf: Mit „Seven Stars“ hat sich einer der seltenen Momente im Progressive Metal eingeschlichen, in denen einem die Bezeichnung „Hit“ auf den Lippen liegt.

Zweifelsohne ist „Theories Of Flight“ eine der wichtigsten Szeneveröffentlichungen des Jahres. Mit ihr landen Fates Warning im Jahre 2016 wieder dort, wo sie sich mit „Awaken The Guardian“ (1986) oder „Perfect Symmetry“ (1989) bereits mehrfach befunden haben: Auf dem Progressive-Metal-Thron.

tsch

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