Düstere letzte Worte

Leonard Cohen: You Want It Darker

Leonard Cohen - You Want It Darker

Mit samtig dunkler Stimme singt Leonard Cohen vom Ende der Dinge und von seinem eigenen Tod.

„Für mich ist das in etwa so, als würde man ein Schild vor dem Mount Everest errichten, auf dem 'höchster Berg der Welt' steht'“, sagte Leonard Cohen vor wenigen Tagen. Da hatte die Akademie in Stockholm gerade verkündet, dass Bob Dylan mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wird. Cohen, der mit dem Prinz-von-Asturien-Preis immerhin die wichtigste spanische Auszeichnung für Literatur sein Eigen nennen kann, wusste schon immer, wie untrennbar Musik und Poesie miteinander verbunden sind. Zumal der Kanadier eigentlich nur schreiben wollte. Zum Singen, sagte er einmal, kam er nur, damit seine Texte mehr Anklang fanden. 82 Jahre ist Leonard Cohen nun alt, und noch immer sind seine Songs vertonte Weltliteratur. Auf „You Want It Darker“, seinem 14. Album, ist sein Thema nun ein düsteres: Cohen singt vom Tod, vom eigenen Ende womöglich.

„You Want It Darker“ solle sein letztes Album sein, ließ Cohen durchblicken. Man mag das kaum glauben, angesichts dessen, was er in den letzten Jahren alles geleistet hat. Monatelang ging er ab 2008 auf Welttournee, schon damals ein alter Mann, und machte auch nach einem Schwächeanfall weiter. Dann zwei Alben in schneller Folge, beide von der Kritik als Meisterwerke gefeiert. Nun die dritte Platte in vier Jahren - und dann das Ende? Dass er es doch noch geschafft hat, wieder Musik zu machen, verdankt Cohen auch seinem Sohn Adam, der ihm half, das neue Album zu produzieren. Und es hat sich gelohnt: „You Want It Darker“ ist erneut ein großer Wurf geworden.

Auf dem Cover der Platte blickt Leonard Cohen, der dünne Mann mit dem Hut, durch ein Fenster. Was ihn dort draußen erwartet, scheint nichts zu sein außer Dunkelheit. Düster ist auch Cohens Stimme, wunderbar gealtert in all den Jahren und noch immer verführerisch. „You want it darker / We kill the flame“, gibt er im Titeltrack die Richtung vor. „I'm ready my Lord“, schließt er den Song und stimmt seinen eigenen Schwanengesang an.

Jenseitigkeit umgibt das ganze Album. Cohen, der aus einer jüdischen Familie stammt, war schon immer ein Sinnsucher. Als er schließlich Mitte der 90er-Jahre den Buddhismus für sich entdeckte, schien er für die Musikwelt schon fast verloren. Natürlich waren es auch die Frauen, die ihn stets weitermachen ließen: „Suzanne“, „Marianne“, seine Musen. „I guess I'm just somebody who has given up on the me and you“, singt er nun in „Travelling Light“, einem bittersüßen Abgesang auf die Weiblichkeit, die ihn am Leben ließ. Mit leichtem Gepäck wolle er nun reisen. Doch wohin?

„Ich bin bereit zu sterben. Ich hoffe, es wird nicht all zu unangenehm. Aber das wäre es dann für mich“, sagte Cohen kürzlich in einem Interview mit dem „New Yorker“. Nur um dann wenig später bei einem seiner raren öffentlichen Auftritte zu besänftigen: „Ich war schon immer gut im Dramatisieren. Ich habe vor, für immer zu leben.“

tsch

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