Max Giesinger: Der Junge, der rennt

Leider verrant, Junge

Max Giesinger - Der Junge, der rennt

Immer in Bewegung bleiben, sonst gerinnt das Blut: Max Giesinger kann und will nicht still stehen. Doch wer niemals anhält, durchatmet, die Eindrücke verarbeitet, der lässt auch viel auf der Strecke zurück. "Der Junge, der rennt" merkt man das an.

Die letzten fünf Jahre des Songwriters Max Giesinger hätten wohl turbulenter nicht sein können: Erst an der Popakademie in Mannheim abgelehnt, darauf die Teilnahme an der Castingshow "The Voice Of Germany", der Einzug ins Finale und schlussendlich der vierte Platz trotz seines Status' als Publikumsliebling. Mit den Fans im Rücken finanziert Giesinger 2014 sein Debütalbum "Laufen Lernen", nimmt es in Eigenregie auf und feiert Erfolge als selbstständiger Songwriter auch abseits des Castingkosmos'. Und die Reise muss weitergehen: Max Giesinger veröffentlicht nun sein zweites Album "Der Junge, der rennt". Diesmal mit Industrieriese Sony Music im Rücken. Man kommt nicht um das Gefühl herum, dass sich Giesinger mit diesem Schritt eher verrannt hat.

Die insgesamt 13 Songs auf "Der Junge, der rennt" hängen in der Luft, nie weiß man so richtig wo Max Giesinger hin will. Das Album handelt von Umbruch, Chaos im Kopf eines Mittzwanzigers, dem Nicht-Entscheiden-Können. Klar ist diese Unentschlossenheit auch in gewisser Weise Konzept, aber die zahlreichen Geschichten, die Giesinger hier erzählt, ergeben einfach kein Ganzes. Mal singt er von Beziehungen, die zu Ende gehen, die ins Stottern geraten, die langsam auslaufen, nur um im nächsten Song von der großen Liebe, dem schönsten Tag, der rosigen Zukunft zu schwärmen. Vor allem weil Giesinger fast ausschließlich die Ich-Perspektive wählt, wirkt dieser Kontrast zwischen gute Laune und Melancholie zu aufgesetzt. Giesinger fehlt der Mut zur Entscheidung.

Dabei liefert das Album doch immer wieder gute Deutsch-Pop-Momente: Das recht knallige "Barfuß und allein" ist eine eingängige Nummer à la Revolverheld oder Jupiter Jones, "Melancholiker" überrascht mit Bond-Song-Attitüde. Und das elektronisch angehauchte "Wenn sie tanzt" fährt zwar musikalisch die bekannte Elektro-Pop-Schiene, die Milky Chance und Wankelmut zuletzt prominent verlegten. Giesinger erzählt hier jedoch das einzige Mal nicht von sich, sondern von einer alleinerziehenden Mutter. Mehr Abwechslung hätte dem Album in dieser Hinsicht gut getan.

Zu oft klingt das Album wohl auf Geheiß der Plattenfirma nach den Bouranis und Bendzkos dieses Landes, wird überladen mit pathetischen Chören und Streichern und schreit: Hier, ich bin ein Hit! Es sind die leiseren, unscheinbareren Songs, die dieses Album retten. Auch merkt man, dass Giesingers Stimme durchaus ohne zahllose Effekte und Computerbearbeitung eine angenehme ist, handwerklich existiert Potenzial und die Gewissheit, dass er es auch unbeschwerter kann, besteht seit "Laufen Lernen" natürlich auch. Darauf sollte er sich bald auch wieder verlassen.

Max Giesinger auf Tournee:

16.04.2016 Hamburg, Mojo Club

21.09.2016 Nürnberg, Club Stereo

22.09.2016 Saarbrücken, Garage Kleiner Klub

24.09.2016 Kiel, Orange Club (TraumGmbH)

25.09.2016 Dresden, scheune kulturzentrum

26.09.2016 Leipzig, Neues Schauspiel

27.09.2016 Dortmund, FZW

28.09.2016 Münster, Cafe Sputnik

29.09.2016 Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

01.10.2016 Hannover, Lux

02.10.2016 Erfurt, Museumskeller Erfurt

04.10.2016 Ulm, Roxy - Kultur in den Hallen

05.10.2016 Ravensburg, Konzerthaus Ravensburg

06.10.2016 Wien, B 72

07.10.2016 München, Ampere / Muffatwerk

09.10.2016 Heidelberg, halle02

10.10.2016 Stuttgart, clubCANN

12.10.2016 Frankfurt, Zoom

13.10.2016 Bremen, Tower Musikclub

14.10.2016 Rostock, M.A.U. Club

15.10.2016 Berlin, Privatclub

27.12.2016 Karlsruhe, Tollhaus

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