Heisskalt: Vom Wissen und Wollen

Leicht ist schon mal gar nichts

Heisskalt - Vom Wissen und Wollen

Ihr Label entstammt dem Chimperator-Netzwerk um Cro und Co. Doch ein vergleichbares Produkt sind sie nicht. Eigentlich sind sie genau das Gegenteil.

Schwer hatten es Heisskalt schon. Die Böblinger unterschrieben vor zwei Jahren bei „Department Musik“, damals noch „Chimperator Department“, eine Plattenfirma entstanden aus dem Label-Netzwerk der Gute-Laune-Rap-Schmiede um Cro und die Orsons. Für eine Hardcore-Band eher ein Stigma, mit dem man sich nicht identifizieren kann und will. „Vom Stehen und Fallen“ landete wohl auch durch Fans der Labelkollegen auf einem für die heisskalt'sche Musikrichtung mehr als respektablen Platz 29 in den deutschen Albumcharts. Gefällig war die Platte nicht. Vielmehr nebulös und sperrig. „Vom Wissen und Wollen“ schlägt in diesselbe Kerbe des ersten Langspielers von 2014, ist aber keine bloße Kopie. Und angepasst gibt man sich ohnehin nicht.

Stuttgart, wo sowohl das Label als auch die Band ihr Büro haben, ist in deutschen Rockkreisen aktuell eh in aller Munde. Die Nerven, Human Abfall, Karies. Eine Szene aus zwei, drei Dutzend Musikern, die queerbeet in verschiedenen Bands spielen. Da gehören Heisskalt nicht dazu. Nicht weiter schlimm, sagen sie selbst. Man hat seinen eigenen Weg gefunden, heraus aus den „Widrigkeiten“ ihrer Provinzhauptstadt.

Doch hier wie dort hört man eine Wut - gegen Gesellschaft, Industrie, Pop. Bei Heisskalt geht dies in einen Ausdruck von Angst über, eine klassische Emocore-Herangehensweise. Sänger Mathias Bloech gibt sich verletzlich und so als Trostspender. Dass Sorgen auch mal herausgebrüllt werden müssen - Bloech weiß wie. Wabernde Balladen lösen sich in Gitarrengewitter auf, vermeintliche Hymnen brechen in Schreie und herausgezögerten Themen zusammen. Die äußerliche Hipster-Attitüde in Auftreten und Aufmachung sowie immer wieder aufkeimendes Pop-Appeal vertragen sich unerklärlich gut damit.

„Vom Wissen und Wollen“ ist wie der Vorgänger ein Album für ein häufiges Zuhören. Texte interpretieren, das sollte jeder für sich. „Die Konsequenzen unseres Handelns tragen irgendwelche anderen / Schützen die Grenzen der Länder wie unsere eigenen Leben / und sind so konsequent gut darin, die Grenzen der anderen zu übersehen“ - so deutlich wie in „Ein Lied über nichts“ werden Heisskalt selten.

Vielmehr reihen sich die vier Mittzwanziger spätestens mit ihrem zweiten, abermals starken Album ein in eine Riege von deutschen Bands, die aktuell erfolgreicher denn je ist - trotz kryptischer, verschrobener Lyrik. Turbostaat grüßten kürzlich aus den Top 20, plötzlich schafften es auch Captain Planet in die Charts sowie in überregionale Zeitungen. Und eben die erwähnte Stuttgarter Schule mit ihrem riesigen Output und den anhaltenden Lobpreisungen der Feuilletons. Zweifel und Wut sind angesagt. Klare Worte kaum zu finden.

Heisskalt auf Tournee:

04.06.2016, Rock Am Ring, Flugplatz

05.06.2016, Rock Im Park, Zeppelinfeld

09.07.2016, Happiness Festival, Festivalgelände

21.07.2016, Deichbrand Festival, Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz

30.07.2016, Rocken Am Brocken, Gieseckenbleek

23.09.2016, Kaiserslautern, Kammgarn

24.09.2016, Freiburg, Jazzhaus

25.09.2016, Frankfurt, Das Bett

28.09.2016, Berlin, Lido

29.09.2016, Dresden, Beatpol

30.09.2016, Augsburg, Musikkantine

01.10.2016, Münster, Sputnikhalle

02.10.2016, Leipzig, Werk 2

06.10.2016, Rostock, Mau Club

07.10.2016, Bielefeld, Forum

08.10.2016, Essen, Weststadthalle

09.10.2016, Hamburg, Knust

11.10.2016, Hannover, Lux

12.10.2016, Köln, Underground

13.10.2016, Saarbrücken, Garage

14.10.2016, Erlangen, E-Werk

15.10.2016, München, Strom

22.10.2016, Koblenz, Festung Ehrenbreitstein

23.10.2016, Lindau, Club Vaudeville

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