Tom Odell: Wrong Crowd

Kleines Gesamtkunstwerk

Tom Odell - Wrong Crowd

Um an seinem zweiten Album zu arbeiten, flüchtete der britische Songwriter Tom Odell nach New York. Heraus kam ein opulent instrumentiertes Konzeptalbum, das sich um Einsamkeit und Isolation dreht.

Tom Odell brauchte dringend einen Tapetenwechsel. Über eine Million Mal hat sich sein 2013 erschienenes Debütalbum „Long Way Down“ verkauft und den jungen Briten dank der Single „Another Love“ praktisch über Nacht zum Popstar gemacht. Doch wenn Odell an das bevorstehende zweite Album dachte, bekam er irgendwie kalte Füße. Worüber sollte er bloß schreiben? Schließlich war er die ganze Zeit auf Tour gewesen. Er beschloss kurzerhand, eine Auszeit zu nehmen, stieg in den Flieger nach New York und nahm sich ein Appartement im East Village. Tagsüber schlenderte er durch die Straßen von Manhattan, nachts schaute er sich Filme an. Und irgendwann kamen Inspiration und erste Songideen für den Nachfolger „Wrong Crowd“ ganz von alleine.

Das Ergebnis kann man zweifellos als kleines Gesamtkunstwerk bezeichnen. Auf „Wrong Crowd“ erzählt Odell die Geschichte eines Mannes, der zwar alles im Leben hat, sich aber alleine und unglücklich fühlt. Die Songs handeln von Isolation und Einsamkeit. Gefühle, die der 25-Jährige zum Teil selbst kennt, auf dem Album aber dramatisiert. Eine gewisse Dramatik haben die Stücke auch musikalisch: Große Melodien treffen auf opulente Streicherarrangements und Balladen voller Pathos.

Die eingängige und mit einem Dance-Beat unterlegte Single „Magnetised“ hätte auch Coldplay gut gestanden, während die reduzierte Klavierballade „Constellations“ wie auf Zehenspitzen daherkommt. Die Bandbreite ist groß. Klar, am Ende des Tages ist „Wrong Crowd“ eine Pop-Platte - aber nie anbiedernd, weil Odell immer wieder mit einer ungewöhnlichen Idee überrascht. Hier ein Pfeifen, da ein paar Chöre.

Als i-Tüpfelchen drehte Odell zu einigen Songs übrigens begleitende Kurzfilme. Die Manuskripte schrieb er zusammen mit dem Regisseur George Belfield. Angelehnt an das Album geht es in den Filmchen um einen Mann, der durch seinen nihilistischen Lebenswandel die Welt um sich herum zerstört. Eines Tages würde Odell die Videos gerne im Kino zeigen. Dann wäre sein Gesamtkunstwerk komplett.

Tom Odell auf Tournee:

18.11.2016, Köln, Palladium

24.11.2016, Hamburg, Mehr! Theater

28.11.2016, Berlin, Huxley's Neue Welt

29.11.2016, München, Backstage

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