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Passenger: Young As The Morning Old As The Sea

Passenger - Young As The Morning Old As The Sea

Ruhige, sanfte und nachdenkliche Klänge waren schon immer das Steckenpferd von Mike Rosenberg alias Passenger. Vielleicht hätte er auf seinem achten Album aber mal etwas anderes probieren sollen.

„Ich bin der Grumpy Guy am Tresen, der zu dem hyperaktiven Idioten auf der Bühne sagt: 'Fuck off. Ich klatsche, tanze und singe doch hier nicht.“ So beschrieb Mike Rosenberg einmal die Art, wie er Konzerte besucht. Und genau deswegen kann er es auch gut nachvollziehen, wenn die Gäste der Passenger-Auftritte nicht ununterbrochen durch die Decke hüpfen. Ist vielleicht auch ein bisschen schwer bei seiner Musik. Denn seit dem Durchbruch mit seinem Hit „Let Her Go“ überzeugte der Engländer fast ausschließlich mit ruhigen, melancholischen Klängen. Dass er diesen Stil bedingungslos bedient, beweist Rosenberg jetzt auch wieder auf seiner neuen Platte „Young As The Morning, Old As The Sea“.

Filmmusikartige Streicher und ein Klavier leiten Passengers neue Platte ein. „Everything“ klingt, als wäre es direkt einem Hollywood-Schnulzen-Soundtrack entsprungen. Die Akustikgitarre unterstreicht den ruhigen, etwas pathetischen Tenor des Songs. Doch das Gesamtbild rundet erst der Text mit trivialen Zeilen wie „Give him all your heart / Give him everything“ und „Cause nothing lasts forever“ ab. Mike Rosenbergs Motto scheint schon immer gewesen zu sein: keine Angst vor tiefen Gefühlen - auch wenn lediglich oberflächliche, austauschbare Songs entstehen.

Auf „Young As The Morning, Old As The Sea“ springen dem Hörer triefender Kitsch und Belanglosigkeit nur so ins Gesicht. Schon im zweiten Song bestätigt sich der erste Eindruck. Zu oft wiederholt sich im Refrain „If you go, I go. As long as you want me to stay“, unterstützt vom immergleichen Soundbild - unzählig oft gehörte Worte und Floskeln, die willkürlich aneinander gereiht wirken.

Aus der Verschlafenheit zieht den Hörer mit poppigen, temporeicherem Klangbild erst wieder die Vorabsingle „Anywhere“ heraus. Ein kleiner irisch angehauchter Lichtblick, der aber sofort wieder erlischt, als „Somebody's Love“ erklingt. Und dann folgt ein Überraschungsmoment: Dunkle nordische Einflüsse gepaart mit Cajón-artigen Klängen erfüllen die erneut zwar nachdenkliche, immer etwas melancholische Stimmung. Der titelgebende Song der Platte zeigt aber auch eine frischere, eher unbekannte Seite des Passenger-Sounds.

Gleich danach rutscht Rosenberg wieder in sein altbekanntes Muster: simple Arrangements, minimalistischer Einsatz der Instrumente, eine sanft hauchende Stimme. Auch Musikerkollegin Birdy, die sich der 32-Jährige für „Beautiful Birds“ als Unterstützung herangezogen hat, bringt wenig Abwechslung. Was der Platte zu Gute gehalten werden muss: Sie ist auch trotz wenig Innovation ein stimmiges Gesamtpaket, das wunderbar und angenehm unaufgeregt nebenher laufen kann, ohne zu stören.

Passenger auf Tournee:

04.10.2016, Berlin, Tempodrom

19.10.2016, Köln, Palladium

30.10.2016, Frankfurt, Jahrhunderthalle

01.11.2016, Hamburg, Sporthalle Hamburg

03.11.2016, München, Zenith

tsch

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