Am 8. Oktober Konzert in Bremen

Heinz Rudolf Kunze veröffentlicht erstes Cover-Album

Heinz Rudolf Kunze - Meisterwerke: Verbeugungen

Heinz Rudolf Kunze wird im November 60 und begibt sich mit seinem ersten Cover-Album auf eine furiose Zeitreise.

Eine Plage ist das schon mit der deutschen Musik. Wer soll das besser wissen als Heinz Rudolf Kunze? Einer, der immer deutsch gesungen hat - vor allem, weil er will, dass sein Publikum ihm zuhört, ihn versteht. Aber eben auch einer, der - halb zufällig, halb gewollt - irgendwann hineinrutschte in die Schlagerschublade, die ihm einerseits TV -Auftritte vor Millionen ermöglicht, andererseits aber sicher auch schadet. Vor genau 20 Jahren beging er einen seiner größten Fehler, als er sich vor den Karren jener spannen ließ, die eine Radioquote für deutsche Musik forderten. Als damals die Kritik hereinbrach, stand er plötzlich alleine da. Ergebnis: „Ich habe meine Lehren gezogen: Nie wieder würde ich mich für ein Musikeranliegen einsetzen.“ Für Musik aber schon. „Meisterwerke“ hat Kunze seine erste Cover-CD überschrieben, und auch wenn diese Bezeichnung letzten Endes auch eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, so ist diese Platte doch eine wilde Reise durch die Geschichte deutschsprachiger Musik, die auch früher fulminanter war, als heute mancher annimmt.

Es fängt an mit Roy Black. Und es hört auf mit den Einstürzenden Neubauten. Mehr Differenz geht nicht. Die Auswahl, die Kunze zusammen mit dem Produzenten Swen Meyer (Tomte, Kettcar) traf, wirkt einigermaßen irre, mindestens aber sehr gewagt. Aber: So war sie eben, die Musik aus Deutschland. Wer heute den Eindruck hat, alles sei irgendwie Bourani oder Ähnliches, der wird hören, was weiland so alles erfolgreich war.

Natürlich: „Ganz in Weiß“, auch noch der Opener, ist der purste Schlager, der je geschrieben wurde. Der Inbegriff einer Schnulze. Und HRK ändert auch nichts daran. Wie er überhaupt den Untertitel seiner Platte durchaus ernst nimmt: „Verbeugungen“ steht da, was bedeutet: Kunze ehrt alle seine 14 Titel, macht sie nicht kaputt, fasst sie mit samtigen Händen an und präsentiert sie gänzlich uneitel. Was für einen eitlen Künstler wie ihn durchaus überraschend ist. Fraglos klingt ob seiner prägnanten Stimme vieles hier wie ein typischer Kunze-Song, doch bei den Arrangements setzten Meyer und er auf Zurückhaltung. Ehre, wem Ehre gebührt.

Ehre für Freddy („Junge, komm bald wieder“), für Hildegard Knef („Für mich soll's rote Rosen regnen“), für Udo Jürgens („Was ich dir sagen will“) - die 60er-Jahre-Hits sind zeitlose Höhepunkte dieser Platte. Gewöhnungsbedürftiger sind indes die beiden NDW-Ausflüge „Ich steh auf Berlin“ (Ideal) und „Der Mussolini“ (DAF), die in Kunzes Version doch allzu kantenlos wirken. Auch der Deutsch-Punk kommt vor: „Alles aus Liebe“ von den Hosen und „Deine Schuld“ von den Ärzten hat Kunze richtigerweise etwas eingebremst, aber am Leben gelassen. Rundum gelungen sind die beiden Ost-Ausflüge „Wenn ein Mensch lebt“ (Puhdys) und „Blumen aus Eis“ (Karat) - Kunze und der Osten, das passt einfach. Wer's nicht glaubt, mag mal eines seiner Konzerte in den Neuen Ländern besuchen.

Ausnehmend klug hat er seine Auswahl bei den Liedern aus der modernen Zeit getroffen. Keine dieser austauschbaren Bla-Bla-Songs aus dem Formatradio, sondern „Hinterland“ von Casper und „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ von Thees Ullmann hat man sich ausgesucht - zwei Meisterwerke, die Kunze ein bisschen „verpoppt“ hat, aber Meisterwerke sein ließ.

Alles in allem eine höchst unterhaltsame Reise durch die Zeit, in der vermutlich jeder Titel finden wird, die er hasst. Und die er liebt. Kunze wiederum, der im November 60 wird, gebührt eine Würdigung für den Mut, sich so grenzenlos und vorurteilsfrei bedient zu haben.

Heinz Rudolf Kunze auf Tournee:

01.10.2016, Leipzig, Haus Auensee

02.10.2016, Erfurt, Stadtgarten

03.10.2016, Wernesgrün, Brauerei Gutshof

04.10.2016, Nürnberg, Hirsch

06.10.2016, Köln, Gloria

07.10.2016, Osnabrück, Rosenhof

08.10.2016, Bremen, Schlachthof

09.10.2016, Rostock, Moya

12.10.2016, Hannover, Capitol

13.10.2016, Würzburg, Posthalle

15.10.2016, München, Technikum

17.10.2016, Frankfurt, Batschkapp

19.10.2016, Dortmund, FZW

21.10.2016, Magdeburg, Altes Theater

22.10.2016, Berlin, C-Halle

25.10.2016, Cottbus, Gladhouse

26.10.2016, Dresden, Alter Schlachthof

27.10.2016, Zwickau, Ballhaus Neue Welt

29.10.2016, Halle, Georg-Friedrich-Händel-Halle

30.10.2016, Hamburg, Große Freiheit

tsch

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