Ein Wintermärchen

Katie Melua: „In Winter“ - so klingt das neue Album

Katie Melua - In Winter

Mit der Kuscheldecke auf den west-östlichen Divan: Katie Melua wagt den Spagat zwischen den Kulturen.

Es gibt diese seltsamen, seltsamen Menschen. Die, wenn man sie fragt, welche Jahreszeit sie am liebsten mögen, „Winter“ sagen. Nicht etwa, weil sie begeisterte Skifahrer wären. Sondern weil sie sich gerade dann, wenn draußen das nasskaltdeutsche Wetter die Welt ganz furchtbar ungemütlich macht, drinnen umso zufriedener in eine Decke kuscheln können, einen heißen Kakao in der einen und ein gutes Buch in der anderen Hand. Genau für diese Menschen hat Katie Melua ihr neues Album „In Winter“ gemacht - und für alle anderen erst recht: Begleitet von einem georgischen Frauenchor und getragen von Erinnerungen an ihre sowjetische Kindheit zaubert Melua dem Hörer ein bisschen Wärme direkt ins Herz.

Dass hier nicht der übliche Katie-Melua-Kuschelpop mit Jazz-Anklängen auf den Hörer wartet, wird schon mit den ersten Takten klar. Denn Melua hat sich als Opener das ukrainische Weihnachtslied „Shchedryk“ ausgesucht - auf dem Album als „The Little Swallow“ betitelt -, das sie in Originalsprache singt. Hier steht klar der Frauenchor aus Gori im Mittelpunkt, Meluas Stimme schiebt sich nur kurzzeitig vor die anderen. Im angenehm ruhigen und getragenen Joni-Mitchell-Cover „River“ passt der Chor sich dann wunderbar zurückhaltend in den Hintergrund ein, während Melua mit Gitarre den Song ebenso schlicht wie schön darbringt.

Nach diesen beiden Songs zeigt sich bereits, wie ernst Melua ihr Vorhaben nahm: Die östlichen Einflüsse sind hier Basis, nicht Beiklang, der Chor kein folkloristischer Gag, sondern ein gleichwertiger Partner. Tatsächlich verleihen die Sängerinnen Meluas Songs nicht nur eine besondere Note, sondern heben sie mehr als einmal auf ein höheres Level - so etwa in der liebevollen Vignette „Perfect World“ oder dem modernen Folksong „Tu Ase Turpa“ („If You Are So Beautiful“) - übrigens dem einzigen Lied auf dem Album, das Meluas in ihrer Muttersprache Georgisch singt, und das auch durch seine melancholische, düsterwarme Atmosphäre auffällt. Besonders glänzen dürfen die Damen gegen Ende des Albums: Ihre Version von Rachmaninoffs „Nunc dimittis“ beginnt sphärisch sanft, um sich dann zu einer Sturmflut zu steigern, die - letztlich friedlich geworden - Meluas Solo-Stimme fein umschmeichelt.

Fans, die etwas gewohntere Klänge erleben wollen, werden aber ebenfalls fündig: Etwa im zarten Liebeslied „Dreams On Fire“, mit dem Melua an ältere Erfolge anknüpft, oder im friedlich-heiteren „A Time To Buy“, das - erstaunlich erfrischend - mal keine Konsumkritik zum Weihnachtsfest liefert, sondern im Gegenteil dem Kaufrausch auch Positives abgewinnen kann. So präsentiert Melua nicht nur den fast perfekten Spagat zwischen Ost und West, sondern beweist auch, dass unaufgeregt nicht uninteressant heißen muss - und dass der Winter wirklich ein paar positive Seiten hat.

Katie Melua auf Tournee:

28.10., Frankfurt, Jahrhunderthalle

29.10., Nürnberg, Meistersingerhalle

30.10., München, Philharmonie

02.11., Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall

07.11., Kiel, Sparkassen Arena

16.11., Berlin-Admiralspalast

17.11., Hamburg, Congress Center

19.11., Basel, Musical Theater

20.11., Zürich, Kongresshaus

tsch

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