Chris Robinson Brotherhood

Anyway You Love, We Know How You Feel

Chris Robinson Brotherhood - Anyway You Love, We Know How You Feel

Vergessen machen wird Chris Robinson die Black Crowes nie können. Doch seine Bruderschaft ist das beste Trostpflaster.

The Black Crowes hatten im vergangenen Jahr das Ende ihrer bis dahin 26-jährigen Karriere verkündet. Nur Chris Robinson und sein jüngerer Bruder Rich werden vielleicht den entscheidenden Schritt machen (Versöhnung, irgendwann?), die Southern-Rock-Legende der 90er-Jahre wieder zu reanimieren. Währenddessen genießt man die wunderbare Diskografie der Südstaatler oder schwelgt optional in den Solo-Ergüssen der Band-Vorsteher. Besonders jene des Crowes-Vorsitzenden Chris Robinson eröffnen der geneigten Anhängerschaft einige neue Horizonte, die der 49-Jährige via versöhnlichem Vintage-Sound mit seiner Brotherhood seit 2011 zelebriert - so nun auch auf „Anyway You Love, We Know How You Feel“.

Schon damals bei der Gründung nutzte der Sänger die The-Black-Crowes-Auszeit für eine Runderneuerung seiner Interpretationsfähigkeit in Sachen Americana. Die Chris-Robinson-Bruderschaft reichert ihren Southern-Mix hierbei mit jeder Menge psychedelischer Elemente an. Man schüttelt den Hippie-Größen The Grateful Dead die Hand, zitiert The Band, jammt und frickelt sich durch überlange Songs, während potente Blues-Grooves sich mit durchdachten Krautrock-Schwaden anfreunden. Dieses bewährte Sound-Konzept zieht sich freilich auch durch Studiowerk Nummer vier.

In den Bergen Nordkaliforniens ließ sich die Band durch zahlreiche Songskizzen treiben und landete dieses Mal, neben den bewährten Einflüssen, auch irgendwo ein bisschen zwischen Parliament/Funkadelic - man nehme nur das fluffige, verhallte Instrumental „Give Us Back Our Eleven Days“ - und verspieltem Chicago-Blues. Der Opener „Narcissus Soaking Wet“ entpuppt sich gar als so „funky black“ wie Stevie Wonder.

Ähnlich hält es das Quartett, welches der neue Drummer Tony Leone (Donald Fagen, Allman Brothers Band), Keyboarder Adam MacDougall (Furslide) und Gitarrist Neal Casal (Ryan Adams) komplettieren, mit der schwofigen Keyboard-Schwarte „Ain't It Hard But Fair“. Dessen aus dem Nichts eintrudelnde synthetische Papa-Schlumpf-Salven werden wahrscheinlich abwechselnd sowohl für Lacher als auch für bewundernde Anerkennungs-Grunzer sorgen. Auch „Oak Apple Day“ zitiert die verschwurbelte Artrock-Zeit der zweiten Hälfte der 70er-Jahre - dazwischen, davor und danach brilliert der kalifornische Vierer mit seinem bewährten Folk-Blues-Southern-Jam-Derivat.

„Anyway You Love,We Know How You Feel“ gewährt Musikgeschichte pur, der geneigte Hörer kann sie, gemäß seiner sonischen Sozialisation, so oder so interpretieren. Insofern wird die Chris Robinson Brotherhood mit ihrem neuen Output ein wenig mehr polarisieren als sonst. Und das ist auch gut so.

tsch

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