Feuerschwanz: Sex is Muss

Auf Hexenjagd im Ruderboot

+
Feuerschwanz sind weder für Authentizität im Mittelalter noch für Innovation im Metal zuständig. Sondern für eine ausschweifende Party.

Ohne geht's nicht: „Sex Is Muss“, das wissen Feuerschwanz schon lange. Jetzt pfeifen es auch die Drachen und Pferde von den mittelalterlichen Dächern.

Das Thema wird es immer geben: Wo fängt Satire, wo fängt Comedy an? Wie weit darf sie gehen? Wie klar muss sie als solche erkennbar sein? Feuerschwanz jedenfalls waren ziemlich baff, als sie im vergangenen Jahr vom Line-up eines Festivals in Osnabrück gestrichen wurden. Man fürchtete Protestaktionen von Kritikern. Der Stein des Anstoßes: als frauenfeindlich wahrgenommene Textinhalte. Da staunte der Mittelaltermarkt-erfahrene Laie, während sich der Fachmann wunderte: Dass ihre Texte hundertprozentig ernstgenommen werden, das wäre ihr in all den Jahren noch nicht untergekommen, ließ die Sprecherin der Band verlauten. Kein Grund, vom Kurs abzuweichen also. Denn schließlich ist es nunmal so im Leben: „Sex Is Muss“.

Die Sprecherin ist übrigens ein Mitglied der Band und heißt im wahren Mittelalterleben Johanna von der Vögelweide. Ihre Kollegen nennen sich Prinz Richard Hodenherz III oder Sir Lanzeflott. Namen, die entweder einem Blödelsexfilm der Siebziger entsprungen sind. Oder eben zu einer Truppe gehören, die derbe Themen am laufenden Band durch den Festivalschlamm zieht.

Wobei gefragt werden darf, ob Feuerschwanz wirklich Satire sind. Oder zumindest streckenweise nicht eher schlichter Klamauk. Früher gab es Songs wie „Blöde Frage, Saufgelage“ oder „Metnotstand im Märchenland“. Anno 2016 gibt es „Ringelpietz (Mit Anfassen)“ oder „Krieger des Mets“. Eine weitere Nummer heißt „Moralisch (höchst verwerflich)“ und das gilt natürlich für den Charakter der Band insgesamt. Es geht um Saufen, Sex und Spaß. Die drei erscheinen in Form von Met, Bienchen und dem Beelzebub höchstpersönlich.

Frauenfeindlich? Nun, genauso wie bassistenfeindlich („Taugenix“). Oder sogar Biotrend-feindlich. Macht sich gut im Verbund mit der Sicht auf die Damenwelt: „Nun ess ich mehr Wurst als Brot, Gesundes hass ich auf den Tod. Ich steh voll auf Cholesterin, und auf die neue Nachbarin.“ Hinter „Hexenjagd“ und „Teufel“ versteckt sich natürlich auch nur Bösartiges, und lediglich das „Ruderboot“ zieht am Ende entspannt im Abendlicht von dannen.

Es ist wie mit J.B.O. oder auch Knorkator: Keiner wird gezwungen, sich das anzuhören. Wer als bierernster Zeitgenosse zu einer Band greift, die sich als „des Hauptmanns geiler Haufen“ bezeichnet, ist selbst schuld. Feuerschwanz sind weder für Authentizität im Mittelalter noch für Innovation im Metal zuständig. Sondern für eine ausschweifende Party. Und überhaupt: „Es gibt zu viele '-Ismen' auf der Welt. Extremismus, Fanatismus oder Bassismus“, so beginnt der Chronist seinen einleitenden Text im Booklet. Also lassen wir es bei dem einen: Dem Spaßismus. Denn darin sind Feuerschwanz ganz groß. Nach wie vor.

Feuerschwanz auf Tournee:

14.10.2016, Losheim, Eisenbahnmuseum

15.10.2016, Bochum, Matrix

21.10.2016, Hannover, Musikzentrum

22.10.2016, Leipzig, Hellraiser-Darkland

29.10.2016, Frankfurt, Batschkapp

11.11.2016, München, Backstage

18.11.2016, Bad Salzungen, Pressenwerk

19.11.2016, Dresden, Beatpol

25.11.2016, Karlsruhe, Substage

26.11.2016, Köln, Essigfabrik

02.12.2016, Berlin, Columbia Theater

03.12.2016, Hamburg, Markthalle

tsch

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren