Alex Diehl: Bretter meiner Welt

Harte Stimme, seichte Texte

Alex Diehl - Bretter meiner Welt

Auf seinem zweiten Album "Bretter meiner Welt" macht Alex Diehl seinen Ängsten und seiner Wut mehr als Luft. Vor Klischees wird dabei nicht haltgemacht.

Über 3,5 Millionen Klicks in 48 Stunden: Mit "Nur ein Lied", das Alex Diehl in der Folge der Terroranschläge in Paris im vergangenen Jahr schrieb, zog der Oberbayer die Aufmerksamkeit einer ganzen Nation auf sich. Und die sollte noch nachhallen: Im Februar trat er mit seinem Friedenssong beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2016 an. Dort belegte der 28-Jährige einen starken zweiten Platz. Ein perfekter Zeitpunkt, um sich mit seiner neuen Platte "Bretter meiner Welt" in die Herzen einer deutlich gestiegenen Anzahl von Hörern zu singen.

Politische Statements scheinen für Alex Diehl in seiner Musik einen besonderen Stellenwert zu haben. Mit seinem Erfolgs-YouTube-Song machte er seinem Ärger über die Ereignisse in Paris vergangenen November Luft. Und auf "Bretter meiner Welt" kommt seine Meinung auch darüber hinaus nicht zu kurz. Für "Ein Zeichen" hat er sich keinen Geringeren als Deutsch-Pop-Ikone Laith Al Deen mit ins Boot geholt. Zusammen besingen die beiden in epischem Ausmaß die Gleichheit aller Menschen.

Doch damit nicht genug: Thematisch vollzieht Diehl einen kompletten Rundumschlag zu allem, dem er machtlos gegenübersteht. Es geht von Verlustängsten und Hymnen, die von kompletter Resignation handeln ("Hör auf ..!"), über den klassischen Liebeskummer-Schinken ("Hurrikan") und ein träumerisches Schlaflied ("Lullaby") bis hin zur Sehnsucht nach Verlorenem ("Silvester"). Und als Krönung schafft es Diehl sogar mit "Bitte werde nie ein Lied" seine eigene Systematik auszutricksen, indem er seine Unfähigkeit thematisiert, über etwas Schönes, Heiles, Erfüllendes zu schreiben.

Das alles klingt zu jedem Zeitpunkt schwermütig, getrieben von tiefem Schmerz, doch gleichzeitig auch hoffnungsvoll und kämpferisch. Unterstützt werden diese starken Emotionen durch Diehls unverkennbare harte Stimme, die einen vielleicht schon oft gehörten, aber dennoch passenden Gegensatz zu den gefühlvollen Texten bildet.

Schade nur, dass jeder Song dem gleichen Muster folgt: Ein gediegener Einstieg führt den Hörer langsam an die Inhalte heran, um sich immer mehr hochzuspielen und in einem ausufernden epischen Finale zu enden. Und getrübt wird das Gesamtwerk leider auch oft durch allzu klischeehafte und pathetische Zeilen. Mit Phrasen wie "Der Weg ist das Ziel und du musst ihn gehen" und "Wir beide sind wie ein Tornado, niemand hält uns auf" greift er an starker Songwriter-Kunst vorbei.

17.09.2016, Mannheim, Alte Seilerei

18.09.2016, Kempten (Allgäu), kultBOX in der bigBOX

21.09.2016, Stuttgart, clubCANN

22.09.2016, Burglengenfeld, VAZ Pfarrheim

23.09.2016, Rottau, Landgasthof Messerschmied

24.09.2016, Waging am See, Strandkurhaus

25.09.2016, Freising, Lindenkeller

28.09.2016, Potsdam, Lindenpark

29.09.2016, Rostock, M.A.U. Club

30.09.2016, Bremen, Kulturbahnhof Vegesack

13.10.2016, Durlach, Festhalle

14.10.2016, Erfurt, DASDIE Brettl

19.10.2016, Aschaffenburg, Colos - Saal

20.10.2016, Hallstadt, Kulturboden

22.10.2016, Burghausen, Bürgerhaus

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