Fifth Harmony: 7/27

Wie aus Harmonie Langeweile wird

Fifth Harmony - 7/27

Mit „7/27“ schließen Fifth Harmony nahtlos an ihr Debüt „Reflection“ (2015) an: Mit einer einzigen Melodie schaffen sie es, ein einziges Album zu bespielen. Bewundernswert - oder vielleicht doch nicht?

Lange hat es gedauert, bis die fünf Mädels von Fifth Harmony ihr Debüt veröffentlicht hatten. 2012 gingen sie als Gewinnerinnen aus der US-Castingshow „X-Factor“ hervor. Auf die EP „Better Together“ aus dem Jahr 2013 folgte erst 2015 das erste Album „Reflection“. Dafür gibt die US-Girlgroup nun umso mehr Gas und zeigt sich fleißig: Obwohl sie letztes Jahr noch auf Welttournee unterwegs waren, liefern Fifth Harmony mit „7/27“ jetzt schon den Nachfolger. Doch der hinterlässt den Eindruck, dass sich die Band für ihre zweite Platte lieber etwas mehr Zeit hätte nehmen sollen.

Das Ende der Mädchengruppen schien mit der Auflösung der Pussycat Dolls 2010 endgültig besiegelt. Als Fifth Harmony 2012 auf der Bildfläche erschienen, beäugte man die fünf jungen Damen deshalb erst einmal skeptisch. Doch Ally, Normani, Lauren, Karla und Dinah trotzten jedem Vorurteil und überzeugten mit ihrem Debüt „Reflection“, das in den USA sogar Goldstatus erreichte. Internationalen Erfolg verbuchten sie mit der Single „Worth It“, die Frauen in den Klubs auf der ganzen Welt twerken ließ.

Mit „Work From Home“, der ersten Single ihrer zweiten Platte „7/27“, übertreffen sie diesen Erfolg sogar noch: In Europa und Amerika platzierte sie sich in den Top Ten. Schon beim ersten Ton und spätestens beim Refrain wird klar wieso: Es wird auf Altbewährtes gesetzt. Der Song ist schlicht und ergreifend eine entschleunigte Version des ersten Hits. Ein etwas seichterer Off-Beat, keine Balkan-Einflüsse, aber umso monotoner und repetitiver. Wo sich vorher in knapp vier Minuten gute 50-mal der Titel „Worth It“ wiederholt, hat man jetzt einfach doppelt so oft das Wörtchen „Work“ reingequetscht.

Und damit ist die Geschichte des gesamten Albums auch schon fertig erzählt. Nahezu jeder Song folgt dem gleichen Muster: ein simpler Beat, auflockerndes Klatschen oder Schnipsen sowie ein Refrain, in dem sich ein bis drei Wörter bis zur Übersättigung wiederholen. Dabei entstehen eingängige R'n'B- und Pop-Nummern, die leicht und angenehm ins Ohr gehen und sicherlich schön anzuhören sind. Doch die einfache Produktion sorgt auch dafür, dass ein Song wie der andere klingt, schnell ermüdet und man sich immer wieder fragt, ob man aus Versehen auf Repeat gedrückt hat.

Hinzu kommen austauschbare, tausendmal gehörte Texte, die den Eindruck der Gleichgültigkeit verfestigen. Lediglich die Stimmen der fünf Frauen können das Gesamtbild verschönern. Und hier liegt dann auch der Hund begraben: Fifth Harmony hätte es gut getan, auf diese Stärke zu setzen und entgegen des abgenutzten Pussycat-Dolls-Sexy-Images vielleicht einmal weniger mit dem Hintern zu wackeln.

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