Der Grummler und der Tüftler

Yello liefern ihr 13. Studioalbum

Yello - Toy

Ständiger Wandel, ewige Treue: Yello liefern ihr 13. Studioalbum. Und die beiden alten Herren gefallen noch immer.

Seit den frühen 80er-Jahren prägen Yello das Image des kongenialen Tüftlergespanns, das sich nicht um Erwartungshaltungen schert. Wohin die sonische Reise für das Duo geht, entscheiden der Bauch und der pure Zufall. Boris Blank tüftelt in seinem Studio solange an seinen Samples, Ideen und Klang-Kollagen, bis die Summe aller kreierten Komponenten für ihn einen Sinn ergeben. Kollege Dieter Meier - Weltbürger, Lebemann, Pokerspieler, Rinderzüchter, Aktionskünstler und irgendwie bei Yello auch eine Art Sänger - streut nachfolgend seine ureigenen Aneinanderreihungen von Vokalen in die Klangschwaden Blanks. So funktioniert das schon seit fast 40 Jahren - natürlich auch auf „Toy“.

Zu Tode komprimierte Musik? Yello sind die absolute Antithese hiervon. Die Liebe zum Klang ist in ihrem Sound beinahe physisch greifbar. Meier blieb seinem Kumpanen Blank treu, beide haben mittlerweile das zumindest gesetzliche Rentenalter locker erreicht. Vielleicht kommt deshalb das mittlerweile 13. Studioalbum ein wenig erwartbar daher.

Opulent schöpfen die beiden Schweizer aus ihrem großen Fundus: Funky hüpfende Grooves („Limbo“) ergänzen sich zu ineinanderfließenden digitalen Wah-Wah-Skizzen („30000 Days“) und kulminieren in Blanks sprudelnden Sound-Notionen, die verführerisch aus den Schaltkreisen trudeln („Tool Of Love“). Neben Meiers gewohnt lakonischem Brumm-Gespreche, das mit dem Alter noch ein wenig mehr in die tieferen Frequenzen abgeglitten ist, bilden die Gastvokalistinnen Fifi Rong und Malia eine sowohl elegante wie auch sinnvolle Stimmen-Ergänzung. Die Mädels werfen sich in zirpende Hi-Hats, in wie Gummibälle daher hüpfende R'n'B-Synkopen („Cold Flame“) und croonen in Schmonzetten mit dem durch den Abend geleitenden Host Meier („Starlight Scene“).

Schön, dass Yello das Experiment an sich auf „Toy“ nicht ganz vergessen haben. Am Ende schäkert „Frautonium“ ein wenig mit der alten Schwester Krautrock, „Magma“ ergibt sich dem Dadaismus und mischt synthetische Trompeten mit griffigem Avantgarde-Geblubber - das, wie wir wissen, sogar aus einem ordinären McDonald's-Werbespot ein Erlebnis machen kann.

Yello auf Tournee:

26.10.2016, Berlin, Kraftwerk

28.10.2016, Berlin, Kraftwerk

29.10.2016, Berlin, Kraftwerk

30.10.2016, Berlin, Kraftwerk

tsch

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