Neues Album: 22, A Million

Bon Iver: Jeder Song ist ein eigenes Highlight

Bon Iver - 22, A Million

Eine Reise durch die Gefühlswelt von Justin Vernon: Auf seiner dritten Platte „22, A Million“ zeigen sich er und sein Folk-Pop-Projekt Bon Iver facettenreich und anspruchsvoll.

Akustische und elektrische Gitarre, Marschtrommel, Trompete, Posaune, mehrere übereinander gelagerte Stimmen, Computer- und diverse andere Geräusche. Hört sich nach einem überladenen Klanggebilde an. Doch genau all diese Instrumente akzentuiert zu arrangieren und so einen einzigartigen gefühlvollen Sound entstehen zu lassen, war schon immer das Steckenpferd von Bon Iver alias Justin Vernon. Wie gut er dieses Handwerk auch nach knapp zehn Jahren noch beherrscht, beweist der 35-Jährige auf seinem dritten Album „22, A Million“.

Das Wichtigste zuerst: Nicht von Überforderung abschrecken lassen! Jeder Song ist ein eigenes Highlight. Und um das wertzuschätzen, muss man genau hinhören. Bon Iver verkünstelt sich schon immer bei der Produktion seiner Songs. Auf seiner neuen Platte kann sich beim ersten Hören leicht der Gedanke aufdrängen, dass er es diesmal etwas übertrieben haben könnte. Gerade die ersten Songs wie „10 Death/Breast“ und „715 - Creeks“ erscheinen sehr sperrig, wuchtig, fast unmelodisch.

Doch dann spätestens bei „666 (upsidedowncross)“ treten die Emotionen zutage, die Bon Iver mit dem Hörer teilt: Die kantigen, harten Sounds treffen auf die gewohnten schwebenden Synthieflächen und unterbrechen wunderschön die leicht pathetische Stimmung, ohne sie verschwinden zu lassen. Hinzu kommen die bekannten Stimmüberlagerungen, die teilweise chorartig erscheinen und die leidende melancholische Note beisteuern.

Mit „45“ und „1000000 Million“ nimmt Vernon dann wieder jegliche Aufregung zurück und überzeugt ganz minimalistisch mit einzelnen gewissenhaft gesetzten Begleitungen in Form von Klavier, Bläsern oder Akustikgitarre. Und wenn man gleich nach dem Ende von „22, A Million“ die Platte noch einmal von vorne beginnt, nimmt man jeden einzelnen Song, der zunächst vielleicht noch so unzugänglich gewirkt hat, viel intensiver und durchdachter wahr.

Bon Iver auf Tournee:

01.10.2016, Berlin, Funkhaus Berlin

02.10.2016, Berlin, Funkhaus Berlin

24.01.2017, Frankfurt, Jahrhunderthalle

25.01.2017, Zürich, Samsung Hall

05.02.2017, Hamburg, Mehr! Theater

06.02.2017, Berlin, Tempodrom

tsch

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