Britney Spears: Glory

Glorreiches Comeback?

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„Americas Favorite Hot Mum“? Die „neue“ Britney kann sich durchaus sehen lassen.

Nach gehöriger Image-Aufpolierung via Instagram und Co. und drei Jahre Dauershow in Las Vegas meldet sich die einstige Pop Prinzessin Britney Spears mit ihrem neunten Album zurück.

Es ist kein großes Verbrechen, Britney Spears' Relevanz im Pop-Business im Jahre 2016 anzuzweifeln. Ihrem sensationellen Aufstieg in den Pop-Himmel zur Jahrtausendwende folgte ein verheerender Zusammenbruch 2007. Nach dem anschließenden Abstieg zum Schmähobjekt der Klatschpresse und einem missglückten Comeback-Versuch vor drei Jahren hätte wohl kaum einer mehr damit gerechnet, jemals wieder etwas Ernstzunehmendes von Miss Spearszu hören zu bekommen. Doch ihr neuntes Studio-Album „Glory“ schafft es tatsächlich, Britney aus der musikalischen Lethargie verlorener Jahre zu holen. Aufgeweckt, präsent, spielerisch und frech wirkt sie darauf. Aber auch erwachsener, ruhiger und vor allem: sexy! Ist nun die Zeit für eine neue Britney-Spears-Ära angebrochen? Startet der Teenie-Star von anno dazumal nun noch mal neu durch als „Americas Favorite Hot Mum“?

Zum ersten Mal überhaupt in ihrer fast zwei Dekaden umfassenden Karriere startet ein Britney-Album mit einer Art Intro. Wie eine Mischung aus Janet Jackson und Enya haucht die 34-Jährige erotische Verheißungen ins Mikrofon. „Invitation“ heißt der Song, und er ist wirklich eine Einladung zu dem, was auf den kommenden Songs folgen soll: Eine private Session mit einer äußerst sexuellen, aber irgendwie auch ungewohnt ruhigen, erwachsenen Britney.

Der Sound des neuen Albums klingt gar nicht nach dem, was man bisher von ihr gewohnt war. Viel moderner, viel rhythmischer, mit mehr Groove. An manchen Stellen zeigt sie sich sogar eindeutig von Soul und R'n'B inspiriert. So kommt „Glory“ daher wie ein besseres Selena-Gomez-Album, wie ein (natürlich) weniger tiefgehendes „Lemonade“ (Beyoncé) oder eine Session mit Rihanna. Vorbei sind zweifelsohne die Tage des furchtbaren will.i.am-Dubsteps ihres letzten Album-Flops „Britney Jean“ (2013).

Nicht mal ein richtiger Club-Song befindet sich auf diesem fast schon künstlerischen Album. Dafür ist es einfach zu ruhig, obwohl gehörig Bass mit im Spiel ist und hier und da einige EDM-Elemente zum mitwippen anregen. Dieses Album ist nicht für die Tanzfläche konzipiert, sondern fürs Schlafzimmer. Denn jeder Song dreht sich eigentlich nur um das Eine, ohne jedoch ernsthaft vulgär oder schlüpfrig zu werden. Nein, die Pop-Prinzessin begnügt sich damit zu beschreiben, was sie einem Menschen geben kann, welche Freuden ihn und ihr aus der Einsamkeit helfen können.

„Just luv me“ ist in dieser Hinsicht das wohl eindeutigste Lied des Albums. Konversation ist für Miss Spears zweitrangig, weil sie nur in Streit endet. Fast frustriert schmeißt sie sich in jedem Song in die einfache und sinnliche Erfüllung der Körpersprache, bis sie in eben jenem Track fast verzweifelt haucht, sie wolle nur Liebe, nichts anderes.

Sie haucht aber nicht nur. Britney beweist seit Langem mal wieder, dass sie wirklich singen kann. Natürlich überwiegt auch diesmal das ewige Auto-Tune, gepresst über ihre unverwechselbare nasale Stimme. Sie wirkt jedoch erstmals wieder so, als möchte sie gehört werden. Sie versteckt sich nicht hinter Bass und Beat, sondern steht die meiste Zeit klar, verspielt, frech, sexy und manchmal sogar soulig im Vordergrund eines jeden Songs.

So könnte „Glory“ wirklich der musikalische Schritt in eine neue Britney-Ära sein, die die Las-Vegas-Diva seit Langem auf Instagram zelebriert. Tagsüber ernährt sie sich gesund, spielt mit ihren Jungs Pokémon und bringt kleinen Mädchen das Tanzen bei. Abends gibt sie dann die schillernde, sexy Diva auf der Bühne. Vorbei mit den Paparazzi, vorbei mit den Eskapaden, vorbei mit den peinlichen Fehltritten. Britney will die neue heiße Mama Amerikas sein. Und „Glory“ ermöglicht ihr vielleicht eine zweite Hochphase im Musikgeschäft - so wie einst Madonna oder Janet Jackson, als sie in ihren Dreißigern waren.

tsch

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