Neues Album „Vibe“

Gefühl für die Armen und Gefährlichen: Fler ist zurück

Fler - Vibe

Fler ist der größte Sturkopf der Deutschrap-Szene. Während er einerseits durch immer neue fragwürdige Interviews für viele zur Lachnummer verkommt, hält er mit „Vibe“ das beste Album seiner Karriere bereit.

Das Aufbegehren gegen die Normen im Rap und im alltäglichen Leben wurden Fler in die musikalische Wiege gelegt. Neben einer erfolgreichen Karriere als Sprüher sorgte er erst als Back-up, dann als Partner Bushidos ab Anfang der Nullerjahre für Aufsehen. So aggressiv und kompromisslos vulgär wie die beiden war kaum einer. Sie schockten und ebneten den Weg für Gangsta-Rap Berliner Art. Schließlich stellten ihn ein Reichsadler-Logo und dazugehörige deutschtümelnde Gesten bei so manchem Rap-Fan ins Abseits. „Vibe“ soll nun Flers zweiten Frühling auch musikalisch untermauern - bisher weht der nämlich vor allem durch obskur-lustige Interviews durch die Gassen und durch „Beef“ mit allen und jedem, unter anderem Jan Böhmermann.

„Junge, fühlst du nicht den Vibe?“, bellt Fler schon nach wenigen Sekunden des Titeltracks, zu einem Zeitpunkt, an dem man die Frage nur mit „Nein“ beantworten kann. Wenige Minuten später sieht das allerdings schon ganz anders aus: Eine großstädtische Grundaggression baut sich über das ganze Album hinweg auf, wird aber immer wieder abgeschwächt von den Nebelwänden aus Synthesizerflächen und den wie Hagelkörner ins Gesicht peitschenden Snares. Auf Tracks, die Namen wie „Bewaffnet und Ready“ oder „Lifestyle der Armen und Gefährlichen“ tragen, werden Gebärden der Selbstverherrlichung auf ein Minimum an Worten heruntergebrochen, die dann wiederum ultralässig in die sirupartigen Beats eintauchen.

Man hört die Einflüsse von US-Stars der Stunde wie Drake zwar heraus, hat aber nicht das Gefühl, dass da jemand kopieren wollte. „Vibe“ steht genauso wie Fler, der wenig Freunde in der Rap-Szene hat, für sich und vermittelt eine Stimmung, die jedem ein Gefühl der uneingeschränkten Coolness verleihen kann. Das alles mündet in „Unterwegs“, einem tatsächlichen Hit, der klebrig und roh zugleich klingt und von nicht mehr handelt als von zwei harten Typen, die nachts durch Berlin laufen, aber so gar keine Lust haben, ihre Waffe zu ziehen. Fler geht es offensichtlich nicht darum, dem Hörer etwas mit auf den Weg zu geben.

Außer Gepose passiert nicht viel. Aber das ist egal. Denn das schon im Titel verankerte Gefühl wird vermittelt und sorgt dafür, dass sich mit „Vibe“ im Kopfhörer auch der letzte Halbstarke gar nicht mehr nur halbstark fühlt, sondern wie der härteste Typ auf Erden. Nur das unglaublich blödsinnige Remake des Trash-Titels „Du hast den schönsten Arsch der Welt“ von Alex C zerstört die Aura der Coolness. Das ist ein Problem, denn plötzlich hört man wieder genauer hin, was Fler da eigentlich von sich gibt. Schon ist der „Vibe“ verpufft.

Fler auf Tournee:

02.02.2017, Im Wizemann, Stuttgart

04.02.2017, Backstage, München

05.02.2017, Hirsch, Nürnberg

10.02.2017, Reithalle Straße E, Dresden

12.02.2017, Huxleys Neue Welt, Berlin

17.02.2017, Docks Club Hamburg, Hamburg

18.02.2017, Musikzentrum Hannover, Hannover

24.02.2017, Essigfabrik / Sensor Club, Köln

26.02.2017, Batschkapp, Frankfurt am Main

tsch

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