The Bouncing Souls: Simplicity

Die Gedanken sind frei

The Bouncing Souls - Simplicity

Auf zu alten Ufern: The Bouncing Souls erfüllen einen Fan-Wunsch und klingen wieder wie vor 15 Jahren.

The Bouncing Souls gelten in ihrer Spielart, dem Punk-Rock, mittlerweile als Legenden. Legenden des Ostküsten-Punk, 1989 aus der Taufe gehoben. Simpel, unbeschwert und auf der Bühne schweißtreibend. Doch mit ihren letzten drei Alben fremdelte so mancher alteingesessene Anhänger. Was sich bei „Anchors Aweigh“ (2003) bereits dezent ankündigte, „verschlimmerte“ sich auf „The Gold Record“ (2006) und dessen zwei Nachfolgern zusehends: The Bouncing Souls schienen sich den Sound ihrer Heimatstadt immer weiter einzuverleiben, New Jerseys Heartland Rock. Gemächlicher ging es zu, die Melodien wurden nicht mehr rotzig-trotzig runtergeschrammelt, sondern eher harmonisch, beinahe beseelt zu Hymnen umgeformt. „Simplicity“ soll da einen Einschnitt machen. Und der scheint auch in Sachen Wahrnehmung bevorzustehen.

Nicht mal in ihrer amerikanischen Heimat schafften es die vier Jersey-Punks in die Top 100 mit einem ihrer neun Alben. In Deutschland, glaubt man den Vorverkaufseinstufungen, dürfte dies mit „Simplicity“ erstmals in einem ganz passablen Maße gelingen. Ob es nun an einen sommerlichen Punk-Rock-Trend liegen mag, bestärkt durch die Festival-Zeit. Oder ob es tatsächlich mit der Ankündigung zu tun hat, man wolle für die neue Platte den „Geist der älteren Songs wiedereinfangen“ und den Songwriting- und Aufnahme-Prozess wieder etwas lockerer nehmen - ist ja auch egal.

Auf jeden Fall haben The Bouncing Souls ihrem Versprechen Taten folgen lassen. Die auch mit dem Albumtitel angekündigte Einfachheit ist zurückgekehrt in den Kosmos der Vier. So schrubbt man von Beginn an los, während Sänger Greg Attonito sich davon stets unbeeindruckt zeigt. So wie der symphatische Mittvierziger sich auf der Bühne adrett gekleidet, fett grinsend und doch fast stoisch-wirkend begleiten lässt, stets sein eigenes Süppchen zu kochen scheint, so trägt er seine Alltags-Geschichtlein über Freundschaften, Rebelentum und das Tourleben auch auf dem Album vor.

Zwar brechen hymnische, akustisch-angehauchte Lieder wie „Satellite“ und „Gravity“ aus dem wiedergefunden Konzept aus - man erkennt dies schon an der Spiellänge von drei Minuten. Für die langsam hüftsteif gewordene Fanschar tummeln sich allerdings genügend knackig-kurz gehaltene „Hits“ auf „Simplicity“, die alle Verkrustungen und den angesetzten Rost lösen werden. Gar so viele wird es nicht geben, die verlorenen Anspruch anmahnen werden. Für die meisten Fans der Bouncing Souls dürfen Lieder auch „Writing On The Wall“ und „Rebel Song“ heißen - und genau so klingen. Verkopftheit gibt es in der Welt schließlich genügend.

The Bouncing Souls auf Tournee:

28.09.2016, Hamburg, Markthalle

29.09.2016, Berlin, Lido

30.09.2016, Hannover, Faust

04.10.2016, Köln, Luxor

05.10.2016, Karlsruhe, Substage

06.10.2016, Lindau, Club Vaudeville

07.10.2016, Schweinfurt, Stattbahnhof

08.10.2016, München, Backstage

09.10.2016, Wien, Arena

tsch

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