Santana: Santana IV

Gut gebrüllt, Löwe

Santana - Santana IV

Lang ist's her: Mit "Santana IV" katapultieren sich Santana personell zurück in die 70-er.

Es riecht nach einer Sensation. Pardon, einer "magischen" Sensation natürlich. Santana sind zurück. In der Besetzung, welche vor einer gefühlten Ewigkeit "magische Musik" ins Rockuniversum schoss. "Santana IV" heißt das Album, welches sich nicht nur mit seinem Titel in die Nachfolge des 1971 veröffentlichten "Santana III" stellt.

Zurück zur Sensation: Der letzte Santana-Streich, welcher mit diesem Wort bedacht wurde, liegt ebenfalls ein Weilchen zurück. 1999 schlug "Supernatural" ein wie ein Meteorit in der kahlen Wüste der Unterhaltungsmusik. Viele Gäste spielten damals eine Rolle. Obwohl dieses Prinzip beibehalten wurde, verblassten die Nachfolger. Auf "Santana IV" grüßt Ronald Isley (The Isley Brothers), der bei zwei Songs am Mikrofon steht. Ansonsten schöpft die Mannschaft ihre Kraft aus sich selbst: Carlos Santana, Gregg Rolie (Keyboards, Vocals), Gitarrist Neal Schon, Michael Carabello (Percussion) und Michael Shrieve (Drums) sind wieder zusammen, verstärkt werden sie von den "neueren" Santana-Mitgliedern Karl Perazzo (Percussion) und Benny Rietveld (Bass).

Alles also wie damals? Die perfekte Sensation? "Es ging nicht um Nostalgie. Es ging um Leidenschaft" meint Frontmann Carlos Santana. Nun, das eine muss das andere nicht ausschließen. Wenn ein Schlagwort wie Woodstock fällt oder "Fillmore East" als wunderbare Jam-Session zu Seufzern anregt, gehen bei Fans natürlich die Lichter an. Aber "Santana IV" versinkt nicht in der Vergangenheit. Es schwimmt im Strom der Gegenwart. In einem Strom, welcher eine Gruppe von "Magiern" dringend benötigt, um fließen zu können.

Sicher sind Neal Schon und Gregg Rolie mit Journey in andere Gewässer abgedriftet. Und auch Carlos Santana hat mit seinen Liebäugeleien in den vergangenen Jahren nicht unbedingt immer das Gewinnerlos gezogen. Doch trotz der langen Pause ist seine Truppe zusammen wieder stark. Man treibt dieses Wärmekraftwerk namens Latin-Rock an und schreckt dabei auch vor heftigen Energieschüben nicht zurück. Hervorgebracht werden diese beispielsweise vom Gitarrenraubtier "Shake It!".

Anderes, wie die erste Single "Anywhere You Want To Go", hangelt sich an den vertrauten und geliebten Santana-Fäden entlang. Hierzu zählen auch die langsameren Nummern, deren Schönheit selbst dann einnehmend ist, wenn sie den Kitsch im Schlepptau haben. Die große Sensation indes bleibt aus. Zumindest auf Platte. Denn man darf davon ausgehen, dass diese Band auf der Bühne erst richtig zeigt, welch Löwe noch in ihr steckt - etwa auf dem Stuttgarter Festival Jazzopen am 16. Juli, dem einzigen Deutschlandtermin bisher.

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