Schandmaul: Leuchtfeuer

Gaudium in Musici: Das Mittelalter rockt noch!

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Schandmaul - Leuchtfeuer

Garantiert kein Schund: Schandmaul lassen mit ihrem neunten Album „Leuchtfeuer“ erneut das Mittelalter in München und Deutschland einziehen - mit gewohnten Melodeien und froher wie ernster Kunde.

Nische war einmal: Neben In Extremo sind Schandmaul wohl die bekanntesten Mittelalter-Rocker in der deutschen Musiklandschaft. Mit Verlässlichkeit landen ihre Platten in den Top-Ten der deutschen Albumcharts. Für ihr letztes Werk „Unendlich“ (2014) erhielten sie Gold; zusätzliche Popularität verschaffte ihnen dabei ihr Soundtrack-Beitrag zu Tommy Krappweis' Fantasy-Film „Mara und der Feuerbringer“. Ob „Leuchtfeuer“, das neunte Studio-Album, den Edelmetall-Erfolg wiederholen kann? Das Grundgerüst ist auf jeden Fall vorhanden.

Was beim ersten Hören des Albums auffällt: Schandmaul bleiben ihrem Stil treu. Die sechsköpfige Formation um Sänger Thomas Lindner greift wie gewohnt zu akustischen und elektrischen Klampfen, zu Violine und Drehleier, Schalmei, Dudelsack und allerhand anderen mehr oder weniger mittelalterlich anmutenden Instrumenten.

Von den zahlreichen Mittelaltertruppen, die sich auf Festivals und entsprechenden Märkten tummeln, setzen sich Schandmaul erneut durch die eigene Kreativität in Sachen Texte und Musik ab. Es gibt also nicht die gefühlt hundertste Auflage der „Merseburger Zaubersprüche“ oder des „Erdbeermunds“ zu hören.

Schandmaul gehen andere Wege. In „Der Leiermann“ besingt die Band etwa die lebensbejahende Einstellung des Großvaters von Fiddlerin Anna Katharina Kränzlein. Historischen und lokalen Bezug der Münchner gibt's im rein akustischen „Schachermüller-Hiasl“, das die Kunde des bayerischen Räubers Kneißl erzählt. In „Jack O'Lantern“ besingt Thomas Lindner die irischen Ursprünge des Halloween-Festes (Irrlichter in Mooren), auch die Loreley bekommt ein Lied gesponsert. Natürlich darf der eine oder andere Minnesang nicht fehlen, etwa mit „Sonnenseite“: die nette Mär eines unglücklich verliebten, kleinen Schneiders, der das Kleid seiner Angebeteten nähen muss - für deren Hochzeit mit einem Anderen.

Überhaupt liegt die Stärke des Albums in den Botschaften der Texte und in den Bildern, die sie zusammen mit der Musik und etwas Imagination hervorrufen. Selbst allgemeine Themen, wie dem Begegnen der Jammer-Mentalität („Heute bin ich König“) und die helfende Hand als das titelgebende „Leuchtfeuer“ betten die Troubadoure bildreich und liebevoll in mittelalterliche Geschichten ein. Die Interpretation darf aber ruhigen Gewissens mit aktuellem Zeitbezug geschehen.

Ob flott und rockig („Orléans“), ob als stille Piano-Violinen-Ballade („Tjark Evers“) oder ob das wohlgemute, mittelalterliche Gefühl rein musikalisch gefeiert wird („Sommernachtstraum“) - Schandmaul machen so trefflich Spaß wie eh und je. Echte Überraschungen gibt es keine, braucht es aber auch nicht. Einziges Manko: Trotz zahlreicher gefälliger Melodeien macht sich kein sofortiger Ohrwurm bemerkbar.

Echte Fans sollten übrigens ein paar zusätzliche Silberlinge für das Digipack beiseitelegen. Optisch aufwendig mit Hochprägung, ausführlichem und hübsch gestaltetem Booklet, beinhaltet es außerdem eine Bonus-Disc mit Demos und B-Versionen der Lieder des Albums. Auch dafür: Laudatio und Handgeklapper, bitte!

Schandmaul auf Tournee:

14.10.2016, Schaffhausen, Kammgarn

15.10.2016, Solothurn, Kofmehl

27.10.2016, Hannover, Capitol

28.10.2016, Leipzig, Haus Auensee

11.11.2016, Metal Hammer Paradise, Ostsee-Ferienpark

18.11.2016, Wiesbaden, Schlachthof

19.11.2016, Bochum, Ruhr Congress

25.11.2016, Bremen, Pier 2

26.11.2016, Berlin, C-Halle

02.12.2016, Rastatt, Stadthalle

03.12.2016, Bielefeld, Ringlokschuppen

04.12.2016, Saarbrücken, Garage

09.12.2016, Nürnberg, Löwensaal

10.12.2016, Köln, Palladium

16.12.2016, Stuttgart, Theaterhaus

17.12.2016, München, Zenith

03.02.2017, Magdeburg, Theater

04.02.2017, Rostock, Mau Club

10.02.2017, Memmingen, Kaminwerk

11.02.2017, Ulm, Roxy

18.02.2017, Kaiserslautern, Kammgarn

19.02.2017, Kassel, Musiktheater

23.02.2017, Frankfurt, Batschkapp

24.02.2017, Erfurt, Stadtgarten

25.02.2017, Dresden, Alter Schlachthof

05.08.2017, Hamburg, Stadtpark Freilichtbühne

tsch

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