The Range: Potential

Ganz groß durch kleine YouTuber

The Range - Potential

Im Internet etwas Verwertbares für seine Musik zu finden, ist nicht sonderlich schwer. Daraus aber etwas Brauchbares zu zaubern, umso mehr. The Range hat sich mit seiner Platte "Potential" der Herausforderung gestellt und gewinnt auf ganzer Linie.

Durch Youtube berühmt zu werden, ist heute keine große Besonderheit mehr. Unzählige Musiker haben bereits durch einen kurzen Clip Abertausende auf sich aufmerksam machen können. Doch noch mehr kleine Fische schwimmen in diesem riesigen Video-Teich und versuchen sich durchzusetzen. James Hinton alias The Range nutzt dieses ungenutzte Potenzial und schafft neue Synergien. Der Produzent aus Brooklyn arbeitet auf seinem Debüt mit Vocal Samples wenig geklickter oder sogar ungehörter YouTuber. Und was dadurch aus "Potential" herausbricht, kann sich hören lassen.

"Right now I don't have a backup plan for if I don't make it. But even if I'll just decide to move on to something bigger and better." Mit dieser Textzeile hat es der britische MC SdotStar bisher nicht geschafft, bekannt zu werden. Doch als Opener auf The Ranges "Potential" bekommt er jetzt eine neue Plattform und die Chance, sich größer und besser zu zeigen.

Denn The Range verarbeitet in "Regular" dieses Sample, lässt es erst roh als Aussage stehen, legt dann einen leichten Beat drunter, der langsam aber sicher wächst und nach etwa einer Minute Unterstützung von einer weiblichen Backgroundstimme findet. Der Produzent gibt weitere zurückhaltende elektronische Sounds dazu und auf dem Höhepunkt entlädt sich die Spannung; nicht etwa durch einen Ausbruch, sondern dadurch dass The Range einfach alles zurücknimmt. Ein treibender, intensiver Volltreffer in Form eines Opening-Tracks, der Erwartungen schürt.

Und die Platte soll diese nicht enttäuschen. Komplex arrangierte elektronische Stücke definieren die 41 Minuten von "Potential". Groß angelegte Synthieflächen und starke Beats breiten sich aus, nehmen sich wieder zurück, bereichern die häufig geloopten Vocal Samples und vereinen sich zu einem umfangreichen Soundbild. Mit verschiedenen Rhythmen und instrumentellen Einflüssen schlägt The Range eine Brücke von R'n'B und HipHop, über Dubstep, bis zu Footwork und sphärischem Elektro-Pop. Ein abwechslungsreicher Mix, der in sich aber trotzdem wunderbar stimmig ist und mit dem letzten Stück "1804" seine Krönung findet.

Mit "Potential" schafft The Range eine Platte, die nicht nur aufgrund der Entstehungsgeschichte, die es auch noch als Dokumentation geben wird, bemerkenswert ist. Musikalisch spannend sind die Songs besonders, weil sie sowohl nebenbei hörbar sind, sich gleichzeitig aber auch tanzbar und Club-tauglich zeigen. Die elektronische Szene wird somit zu keiner Zeit enttäuscht, sondern vielmehr bereichert.

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