Kein ewiger Zweiter

Fritz Kalkbrenner: Grand Départ

Fritz Kalkbrenner - Grand Départ

Weniger Funk, mehr Techno: Fritz Kalkbrenner präsentiert auf seiner vierten Platte „Grand Départ“ seine Eigenständigkeit - diesmal von einer anderen Seite.

Ursprünglich fühlte er sich nur dem HipHop zugehörig, er begann eine Karriere als Musikjournalist. Als Musiker feierte zunächst nur sein großer Bruder Paul Erfolge. Doch letztlich schaffte es Fritz Kalkbrenner, sich als Musikproduzent und Sänger einen Namen zu machen. Seit seinem Debütalbum „Here Today Gone Tomorrow“ 2010 gewann der Techno-Künstler als eigenständiger Musiker stetig an Bekanntheit. Mit der vierten Platte „Grand Départ“ bestätigt Kalkbrenner dieses Bild - ohne jedoch nur in seinem Kosmos vor sich hin zu dümpeln.

Zehn Jahre lang lief die Musik eigentlich nur als Hobby nebenher. Irgendwann übernahm sie überhand, und seit 2007 wechselte Fritz Kalkbrenner endgültig die Seite: Anstatt nur über Musik zu schreiben, produzierte er hauptberuflich eigene Songs. Doch noch war ihm sein Bruder immer einen Schritt voraus: Pauls Herz hing schon immer am Techno, er veröffentlichte bereits 2001 seinen ersten Langspieler, und 2009 war er mit dem Durchbruch „Sky and Sand“ schon voll im Geschäft, während für Fritz erst der Startschuss fiel. Trotzdem schaffte es der Jüngere der Kalkbrenner-Brüder spätestens mit seinem zweiten Album „Sick Travellin“, aus dem musikalischen Schatten seines Bruders zu treten.

Seine Eigenständigkeit zeichnete sich dadurch aus, dass der 35-Jährige seine HipHop-Wurzeln nicht vergaß. Mit Soul- und Jazz-Einflüssen hauchte er den Techno-Tracks funkiges Leben ein. Diese Besonderheit, die Songs wie „Facing The Sun“ oder „Right In The Dark“ unvergesslich machen, vermisst der Hörer auf „Grand Départ“ lange Zeit. Dezente Bläser, die sich in den ersten Songs immer mal wieder im Hintergrund bemerkbar machen, lassen die Ursprünge nur erahnen. Auf „Juneau“ werden sie dann zum ersten Mal fast freigestellt und dominieren den Titel zwischenzeitlich. Doch die bekannte Erlösung bringt erst der vorletzte Song „A Good Day“ - wenn Trompete, Snare und Hi-Hat ihren großen Auftritt bekommen, und ein monotoner Takt mit leichtem Beat lediglich unterstützt

Zugleich fehlt der vierten Platte des Berliners der Titel, der am Ende im Kopf hängen bleibt. Von „In This Game“ erstellte Kalkbrenner zugunsten der Radiotauglichkeit extra eine gekürzte Version; das Hitniveau eines „Back Home“ von der letzten Platte „Ways Over Water“ erreicht der Song aber nicht. Die Vocals sind insgesamt noch sparsamer und redundanter gesetzt als zuvor: Mit „Cerulean“ bekamen die Fans gar einen mutigen Vorab-Track komplett ohne Lyrics geliefert. Doch das Abweichen vom mainstreamtauglichen Sound schadet der Platte nicht.

Immer wieder wechseln sich schnelle, treibende Beats mit langen, schwebenden Hallräumen ab („Cerulean“) und schaffen so eine besonders dynamische und abwechslungsreiche Tanzbarkeit. Kalkbrenner gibt den Songs viel Zeit sich im Tempo und Rhythmus auf- und abzubauen, so dass man den Höhepunkt gar nicht mehr definieren kann („Rain Parade“). Mit „Grand Départ“ schuf Fritz Kalkbrenner eine etwas verkopftere, konzeptionelle Platte, die den Techno-Star wieder in klassische Techno-Gefilde zurückführt.

Fritz Kalkbrenner auf Tournee:

25.02.2017, Zürich, Komplex 457

03.03.2017, Dresden, Eventwerk

04.03.2017, Wien, Gasometer

10.03.2017, Frankfurt, Jahrhunderthalle

17.03.2017, Berlin, Velodrom

18.03.2017, Köln, Palladium

24.03.2017, Hamburg, Sporthalle

25.03.2017, München, Zenith

tsch

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