Neues Album Advanced Chemistry

Beginner: Fortschrittlich altern

Beginner - Advanced Chemistry

Jay-Z und Kollegen haben längst bewiesen: Rap über 40 ist kein Ding der Unmöglichkeit. Die deutschen Veteranen allerdings bleiben diesen Beweis bisher noch schuldig. Doch jetzt kommen die Beginner ...

Dass da was kommen würde, war spätestens seit 2013 Gewissheit. Damals erschien die erste YouTube-„Ansage“ der Beginner, das erste Lebenszeichen seit ihrem letzten Album aus dem Jahr 2003. Allerdings verkündeten die drei Hamburger darin, dass es noch etwas dauern würde mit der vierten Langspielplatte. Die zweite „Ansage“ hielt 2015 erfolgreich die Anspannung hoch: Das „selbstverständlich alles zerfickende Album“ komme, aber brauche noch Zeit. Dass sich die geifernde Fanschaft davon nicht weiter hat verunsichern lassen, bewies schließlich das Echo auf den dritte Clip im Mai dieses Jahres. Und ab ging die Lutzi: Die neben „Advanced Chemistry“ angekündigte Tournee war fix ausverkauft. Was auf dem neuen Tonträger letztendlich passiert, scheint da sekundär.

Dieser Vertrauensvorschuss habe der Band die nötige Sicherheit gegeben. Denn die Beginner waren zugegeben raus. Als Rapper in Erscheinung traten Jan Eißfeldt alias Jan Delay alias Eizi Eiz und Kollege Dennis Lisk alias Denyo nach der ersten Deutschrap-Nummer-eins überhaupt, „Blast Action Hero“, lange nicht. Als man sich 2010 das erste Mal zusammensetzte, um ein Comeback zu starten, sei man deshalb außer Form gewesen, „Skills“ und „Flow“ hatten gehörig Patina angesetzt. Die Fragezeichen unter den Verehrern der Beginner-Großtaten um die Jahrtausendwende, der „Golden Era“ des deutschen HipHop, waren derweil auch nicht wegzureden: Können die „Füchse“ auch mit 40 die Konkurrenz noch „ausgelutscht“ hinter sich lassen?

Kurz: Das gelingt mit „Advanced Chemistry“ nicht. Doch wie sollte das auch gelingen? Es hat sich eben viel getan im deutschen HipHop - neue Styles, neue Sphären, neue Egos. Doch trotz des an die Heidelberger Deutschrap-Veteranen um Torch erinnernden Albumtitels handelt es sich bei Platte Nummer vier keineswegs um eine pure Hommage an die Oldschool oder an sich selbst. - Auch wenn das viele wohl gerne so aufgetischt bekommen hätten. Doch die Beginner stellen sich durchaus progressiv ins Licht. Was mal hinhaut, mal nicht. Zum Beispiel in Sachen Trap: Während die „Schelle“ durchaus sitzt, als neuer Bass-Liebling großes Potenzial zeigt, verursacht „Rambo No. 5“ mit seinem „Wir sind im Haus / Ihr seid daheim“-Chorus schwere Magenschmerzen.

Wie der letztgenannte Songtitel schon zeigt, haben die Beginner, gerade Denyo, wieder eine riesige Freude daran, mit Wortspielen à la „Johann-Sebastian-Reibach“ in den Köpfen hängenzubleiben. Leider sind beim dritten Durchlauf all diese schon entschlüsselt, was nach 18 Jahren aufmerksamem Hören von „Bambule“ noch immer nicht jeder Anhänger zustande brachte. Zu deutlich werden sie herausgestellt, teils als Hashtag platziert und nicht mehr vergraben im jugendlichen Redeschwall. Gerade der Mittelteil des Albums missfällt zudem mit einer halbgaren Themenwahl. Beim unsäglichen „Rambo No. 5“ kriegt man das Bild von alternden, schwitzenden, von Anfang-20-Hipstern beäugt- und belächelten Männern beim jährlichen Club-Ausflug nicht aus dem Kopf. Der im Anschluss beklagte „Kater“ hat auch schon graue Haare. Und ihr „Ich bin eine Neanderdigitaler“-Wehgeschrei erledigt der altbackene, im Refrain wiederholte Titel „Spam“.

Doch natürlich ist nicht alles schlecht. Ganz und gar nicht. „Ahnma“, die erste Single, gab bereits eine Ahnung, dass die Eimsbüttler ihre Beschlagenheit mit der Frische der neuen Schule zu verknüpfen wissen: Die schiere Präsenz von Straßenrapper Gzuz sorgte für heruntergeklappte Unterkiefer im ganzen, nunmehr riesigen Deutschrap-Spektrum. Dass Haftbefehl in „Macha Macha“ „rasiert“ und den Kollegen Beine macht: geschenkt. Auch gibt es - welch eine Freude - ein in Rillen gepresstes Wiedersehen mit Dendemann. Und Tracks wie „Thomas Anders“, „Nach Hause“ und die Retrospektive „Es war einmal“ sorgen gar für das warme Gefühl, dass man sich dereinst erhoffte, als die Beginner 2013 erstmals eine „Ansage“ machten.

Beginner auf Tournee:

25.08.2016, Hamburg, Uebel & Gefährlich

08.11.2016, Hannover, Swiss Life Hall

09.11.2016, Münster, Skaters Palace

10.11.2016, Mannheim, Maimarkthalle

11.11.2016, Bielefeld, Seidensticker Halle Bielefeld

12.11.2016, Bremen, Pier 2

14.11.2016, Offenbach am Main, Stadthalle Offenbach

15.11.2016, Fürth, Stadthalle Fürth

19.11.2016, Wiesbaden, Schlachthof Wiesbaden

21.11.2016, Würzburg, Posthalle

22.11.2016, Augsburg, Schwabenhalle Augsburg

23.11.2016, Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle

25.11.2016, München - Freimann, Zenith, die Kulturhalle

26.11.2016, Ulm, Donauhalle Ulm

27.11.2016, Freiburg, Rothaus Arena, Messe Freiburg

28.11.2016, Oberhausen, König-Pilsener-ARENA

03.12.2016, Hamburg, Sporthalle Hamburg

05.12.2016, Hamburg, Sporthalle Hamburg

07.03.2017, Kiel, Sparkassen-Arena-Kiel

08.03.2017, Bremen, ÖVB-Arena

09.03.2017, Braunschweig, Volkswagen Halle

10.03.2017, Lingen (Ems), EmslandArena

12.03.2017, Kassel, Kongress Palais - Stadthalle

13.03.2017, Erfurt, Thüringen-Halle

14.03.2017, Leipzig, Haus Auensee

15.03.2017, Dresden, Alter Schlachthof

17.03.2017, Bamberg, brose ARENA

18.03.2017, Saarbrücken, Saarlandhalle Saarbrücken

19.03.2017, Frankfurt, Jahrhunderthalle Frankfurt

20.03.2017, Köln, LANXESS arena

24.03.2017, Düsseldorf, Mitsubishi Electric HALLE

25.03.2017, Bochum, Jahrhunderthalle Bochum

26.03.2017, Münster, Messe+Congress Centrum Halle Münsterland

27.03.2017, Berlin, Max-Schmeling-Halle

tsch

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