Diverse: Sing meinen Song - Das Tauschkonzert Vol. 3

Erstaunliche Metamorphose

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Die dritte "Sing meinen Song"-Staffel wagt künstlerisch mehr, als die Ausgaben zuvor. Beteiligt daran sind (von links): Samy Deluxe, Nena, Wolfgang Niedecken, Seven, Xavier Naidoo, The BossHoss und Annett Louisan.

Der 2-CD-Sampler zur dritten "Sing meinen Song"-Staffel überrascht durch seinen künstlerische Qualität und den Mut fast aller Staffel-Teilnehmer. Wer die Highlights der noch ausstehenden TV-Folgen jetzt schon hören will, hat hier die Gelegenheit dazu.

Satte 29 Stücke aus der erfolgreichen TV-Show bietet der 2-CD-Sampler zur dritten Staffel "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert". Auch wenn wohl kaum ein Mensch jemals in der Stimmung sein wird, diese Lieder genau in jener Anordnung am Stück zu hören, zeigt sich: Das von einem Millionenpublikum verfolgte Format wagt so viel, wie man musikalisch im deutschen TV-Mainstream nur wagen kann. Und es ergeben sich einige verblüffende Erkenntnisse: Samy Deluxe hievt die Runde zu höheren musikalischen Ambitionen. Nena besitzt viel mehr Talente als bisher bekannt. Annett Louisan ist eine wahrhaft große Song-Interpretin und der Schweizer Seven der groovigste Soulman, der heutzutage mit deutscher Zunge am Start ist.

Klar, bisher war Gastgeber Xavier Naidoo bei "Sing meinen Song" allein verantwortlich für die großen Soul-Momente. Dank seiner Schweiz-Entdeckung Seven gibt es das vom Mannheimer in Pathos getauchte Genre nun auch in seiner groovigen, leichten Variante. Am besten zu hören auf dem tollen "Du fehlst mir so", das im Original von Annett Louisan stammt oder der Interpretation des Samy-Deluxe-Tracks "Hab gehört". Selbst "Das hat die Welt noch nicht gesehen" (Söhne Mannheims) entreißt Seven der weihräuchernen Schwere des Originals und schafft einen derart eleganten Soul-Groove.

Ein Mann des gerappten Wortes ist HipHop-Veteran Samy Deluxe. Der 38-jährige Hamburger pflegt jedoch auch die Kunst des ambitionierten Musik-Experimenteurs. Weshalb es - vor allem in TV, aber auch auf CD - tatsächlich Spaß macht, zu erleben, wie der erstaunlich gut getextete BAP-Klassiker "Kristallnacht" von ihm auf Hochdeutsch die verdiente, hochaktuelle Anerkennung erfährt. Dazu macht er aus "Lost" von Seven einen Beatbox-Loopschleifen-Raggamuffin. Und das in einer Primetime-Fernsehshow: Das muss man sich erst mal trauen!

Überhaupt scheinen die Protagonisten von Staffel drei künstlerisch so befreit und kreativ wie niemals zuvor. Nena erweist sich auf "Fantasie" von Samy Deluxe als Punk umarmende Rap-Berserkerin, während sie aus "Du kannst zaubern" von BAP scharf beobachtetes Alltags-Gefühl herausholt. Und dann interpretiert die Frau, die man in den letzten Jahren vor allem als "Ich bin da ganz klar"-Eso-Tante aus "Voice Of Germany" kannte, auch noch zu ihrem alten Kinderakkordeon einen Song von Seven ("Mon Dernier Jour (What If)") in ziemlich gut klingendem Französisch.

Musikalisch erwartbarer, aber durchaus sehr solide sind die Leistungen von The BossHoss: Nenas "Leuchtturm", schöner noch Annett Louisans "Das Spiel" und tatsächlich gut Samy Deluxe' "Superheld" - da zeigen die Jungs, dass sie Profis sind. Auch dass der tiefenentspannte Wolfgang Niedecken die deutsche Version des gealterten, tief grummelnden Bob Dylan gibt ("Liebe ist" von Nena), war so zu erwarten - stört aber keineswegs.

Und Chanson-Pop-Trällermaus Annett Louisan? Erweist sich als die vielleicht größte Überraschung der Staffel, indem sie aus fast jedem ausgesuchten Song ein Maximum an interpretatorischer Kraft herausholt. Zu hören auf "Verdamp lang her" von BAP, noch besser bei "Close" von The BossHoss und fast zu Tränen rührend in "City Of Gold" von Seven. Auch wenn die Veröffentlichung eines 2-CD-Samplers mit so unterschiedlicher Musik 2016 doch arg anachronistisch wirkt: Es ist klar der bisher beste "Sing meinen Song"-Tonträger.

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