Meat Loaf: Braver Than We Are

Hat das Drama nun ein Ende?

Meat Loaf - Braver Than We Are

Fans, aufgepasst: „All Songs by Jim Steinman“ - heißt: Meat Loaf ist zurück mit seinem Haus-und-Hof-Produzenten.

Marvin Lee Aday geht stramm auf die 70 zu. Es ist bereits 40 Jahre her, als er als ungestümer Wonneproppen unter seinem Pseudonym Meat Loaf weltweit die Charts eroberte. Gerade sein „Bat Out Of Hell“ (1977) sollte fortan den hymnischen, bis zum Klimax dramatisierenden Bombast-Rock für mehrere Generationen definieren. Und Meat Loafs gleichaltriger Komponisten-Kumpel Jim Steinman schrieb der Rampensau mit der Schmetter-Stimme die messerscharfen Schwulst-Epen auf den mächtigen Korpus. Das Konzept ging auf, gemeinsam schuf man Großes - auch den kommerziell ebenfalls ultraerfolgreichen ersten von zwei „Bat“-Nachfolger aus dem Jahr 1993. Knapp 39 Jahre nach ihrer ersten legendären Zusammenarbeit, erscheint nun „Braver Than We Are“.

Leider lief es für den Texaner Meat Loaf gerade in den letzten zehn Jahren nicht mehr so rund. Gesundheitlich angeschlagen und mit künstlerischen Differenzen konfrontiert, gingen er und Steinman längst getrennte Wege. Schwache Veröffentlichungen und maue Live-Performances mit physischen Zusammenbrüchen waren angesagt. Mr. Aday war nahe dran, seine künstlerische Reputation aufs Spiel zu setzen.

„Braver Than We Are “, das 13. Studiowerk, soll es nun wieder richten. Und damit es auch all diejenigen mitbekommen, die Meat Loaf mit den letzten beiden Durchhänger-Alben „Hang Cool Teddy Bear“ (2010) und „Hell In A Handbasket“ (2011) vergrault hat, steht direkt unter dem Albumtitel der Passus „All Songs by Jim Steinman“. Dass dieser dann doch ein wenig zu sehr auf Nummer sicher geht und eher auf die Zweitverwurstung seiner alten Epen setzt, schmälert die Freude über die wiedergefundene Zweisamkeit des kreativen Duos dann doch ein wenig.

In „Skull Of Your Country“ platziert Steinman ungeniert Teile aus „Total Eclipse Of The Heart“, das in den 80er-Jahren Bonnie Tyler zu einem veritablen Comeback verhalf. Seine einst für die Sisters Of Mercy entstandene Großtat „More“ (1990) setzt er anno 2016 nur noch als kraftloses Duplikat in Szene. Zu mehr reicht es nicht.

Immerhin gelingt die Neuauflage von „Loving You's A Dirty Job“, ebenfalls einst ein Hit für Mrs. Tyler. Und wenigstens sorgen der Elf-Minuten-Brocken „Going All The Way Is Just The Start (A Song In 6 Movements)“ und die Piano-Schmonzette „Speaking In Tongues“ für ein annäherndes Gänsehaut-Gefühl, so wie es damals vor etwa 40 Jahren gewesen sein muss.

Dann fällt es auch nicht mehr so arg in Gewicht, dass Meat Loaf gesanglich nur noch Fragmente seiner legendären vokalen Hochleistung abrufen kann und die altbekannten Backgroundsängerinnen vieles abfangen müssen. Sollte „Braver Than We Are“ das letzte Werk des Barden gewesen sein, ist das okay. Ein peinlicher Abgang wäre es nicht, aber auch kein großer.

tsch

Hier findet Ihr das Interview mit Meat Loaf:

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren