257ers: Mikrokosmos

Dorfdisko-Makrokosmos

257ers - Mikrokosmos

Die 257ers sind nur noch zu zweit. Die Autoscooter-Musik bleibt auf dem Album trotzdem utralaut - und etwas melodiöser.

Vor knapp zehn Jahren fanden sich Keule, Mike und Shneezin, die alten Kindheitsfreunde, in Essen zusammen und begannen damit, frühpubertäre Musik zu machen. Schwänze-Gequatsche (haha), Alcopoprausch und einige Chinaknaller, die im Mülleimer explodieren (hahaha) waren in etwa das Niveau. Dazu kam ultraschneller Rap über technoid anmutende Synthetik-Abfahrten, käsige Synthies und harte Bässe. Im Kreise des Rummels wurde diese Mixtur genauso wohlwollend aufgenommen wie an den Partystränden Süd- und Osteuropas und in den Dorfdiskotheken. Das neue Album heißt jetzt „Mikrokosmos“.

Die 257ers zeigen sich schon damit so selbstreflexiv wie nie. Denn es ist nun mal so, dass die Gruppe, die nach Keules Ausstieg nur noch zu zweit agiert, abseits ihres mittlerweile zugegebenermaßen ziemlich angeschwollenen Wohlfühlterritoriums (Radio-Airplay inklusive) wenig Präsenz zeigen. Um das Nachbarland Niederlande wurde die Zielgruppe allerdings längst erweitert. Autotune-Hooks, ein House-Beat, der auch bei einer Firmenfeier voller verschwitzter Mittvierziger im Business-Hemd goutiert wird und eine Menge Klischees vereinen sich auf „Holland“. Und schon ist man mittendrin in diesem quietschebunten 257ers-Film, den doch eigentlich überhaupt niemand sehen will. Am Ende stellt sich heraus: „Holland“ nervt, aber „Holland“ ist ein Hit und schwirrt am Ende immer wieder durch den Kopf. Der Track scheint mit Widerhaken gespickt zu sein.

So geht es munter weiter im Makro-„Mikrokosmos“, der sich grob durch den Genre-Dschungel zitiert. Debile Aussagen gibt's getarnt als Reggae-Riddim, als Tropical-House-Abfahrt und als Pop-Rock-Anbiederung. „Wir kommen nie in Clubs, wie Rocker aufm Fahrrad / Denn immer vor der Tür sind wir am Kotzen oder Sabbern“, heißt es dann zum Beispiel und es stellt sich die Frage, ob die 257ers überhaupt jemals etwas anderes zu sagen hatten, als ihre offenbar nach wie vor andauernde, exzessive Adoleszenz abzufeiern.

Zumindest melodiöser sind die beiden geworden, mehr Experimente mit Gesang finden statt, die mal gut funktionieren („Elton John“), mal nach überambitionierten Schulchorversuchen klingen („Save Oney“), das Album aber zumindest auflockern. Am besten funktionieren die 257ers, auch das stellt sich am Ende heraus, immer noch als Rapcrew ohne den Dancefloorsound und ohne Fips-Asmussen-Kalauer-Humor. Wahrscheinlich ist „ESDSZA“ mit Vocoderhook deswegen auch der gelungenste Track. Da geht's um mangelnde kognitive Fähigkeiten. Ob auch das selbstreflexiv ist? Immerhin bringen die 257ers positive Vibes zu den Tanzenden mit den neonfarbenen Mottoshirts.

257ers auf Tournee:

03.07.2016, München, Muffathalle

04.07.2016, Stuttgart, Schräglage

05.07.2016, Köln, YUCA

06.07.2016, Berlin, Musik & Frieden

09.07.2016, Splash! Festival, Ferropolis

23.07.2016, Deichbrand Festival, Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz

29.07.2016, Juicy Beats, Westfalenpark

15.08.2016, Afrika-Karibik-Festival, Festplatz

18.08.2016, Frequency Festival, Green Park

24.08.2016, Chiemsee Summer Festival, Festivalgelände am Chiemsee

27.10.2016, Fulda, Kulturzentrum Kreuz

28.10.2016, Erfurt, Stadtgarten

29.10.2016, Leipzig, Haus Auensee

30.10.2016, Saarbrücken, Garage

01.11.2016, Frankfurt, Batschkapp

02.11.2016, Nürnberg, Hirsch

03.11.2016, Dortmund, FZW

04.11.2016, Köln, E-Werk

05.11.2016, Münster, Skaters Palace

06.11.2016, Hannover, Capitol

08.11.2016, Hamburg, Große Freiheit

09.11.2016, Bremen, Aladin

10.11.2016, Berlin, Astra Kulturhaus

11.11.2016, Stuttgart, Im Wizemann

12.11.2016, München, Muffathalle

16.12.2016, Essen, Grugahalle

tsch

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