The Corrs

Rückkehr einer Pop-Verführung

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The Corrs sind wieder da. Die vier irischen Geschwister, die zwischen 1995 und 2005 etwa 30 Millionen Alben verkauften, kehren aus einer zehnjährigen "Babypause" zurück.

Die überirdisch schönen Schwestern sind wieder da: Nach zehn Jahren Pause kehrt die irische Band The Corrs, zwischen 1995 und 2005 einer der erfolgreichsten Musik-Acts der Welt, ins Rampenlicht zurück.

Auch Sirenen haben ein Privatleben. Jedenfalls sorgte der Wunsch nach einem solchen dafür, dass sich The Corrs in eine lange Baby- und Familienpause verabschiedeten - nach 30 Millionen verkauften Alben zwischen 1995 und 2005. Nun wollen es die vier Geschwister, mittlerweile zwischen 41 und 51 Jahre alt, noch einmal wissen. Klingt ihr perfekter Oberflächenpop mit irischen Folkwurzeln heute anders als früher? Wurde er von der Zeit überholt? Caroline Corr, Schlagzeugerin, Popstar seit ihrem 18. Lebensjahr und heute Mutter dreier Kinder, gibt Auskunft.

Eigentlich war der Sound der Corrs schon auf ihrem Debüt "Forgiven, Not Forgotten" nicht allzu modern. Ein paar irische Folkreste in gut abgehangenen Pop-Arrangements. Eigentlich damals schon Mainstream fürs Dudelradio. Wären da nicht einige überdurchschnittliche Songs gewesen, die natürlich auch optisch perfekt vorgetragen wurden. Albumproduzent David Foster - unter anderem für die erfolgreichsten Arbeiten Whitney Houstons oder Chicagos verantwortlich - bezeichnete der "Rolling Stone" bereits Mitte der 80-er als "Master Of Bombastic Pop Kitsch". Zehn Jahre später hatte sich dessen Image nicht wesentlich verändert. The Corrs fingen also bereits mit einen wertkonservativen Sound an - image-mäßig passte dies prima zu vier musizierenden Geschwistern aus dem katholischen Irland.

Die Band besteht aus Jim (Gitarre und Klavier), Sharon (Violine), Caroline (Schlagzeug) und Andrea (Leadgesang). Beide Eltern waren Hobbymusiker und spielten gemeinsam in einer Coverband. Ihren vier Kindern gab das Paar offenbar das mit, was im grünen Inselstaat zum Leben dazugehört: Die Liebe zu folkigen Klängen und einen familiären Zusammenhalt, der sich in gemeinsamer Hausmusik ausdrückte. Als Jim Corr, heute 51, die Idee hatte, mit seinen drei kleinen Schwestern eine Band zu gründen, waren Caroline und Andrea noch in der Schule. "Für Außenstehende", lacht die heute 42-jährige Caroline, "mag es sich so anhören, als wären wir damals über Nacht berühmt geworden. Für uns fühlte sich das anders an. Wir haben lange und viel gearbeitet. Dutzende Demos aufgenommen, sehr viele Gigs gespielt. Und unser erstes Album war gar nicht so ein Riesenerfolg."

Nun, was Erfolg ist, darüber kann man bekanntlich streiten. Dass "Forgiven, Not Forgotten" 1995 "nur" Platz eins in Irland und an zweiter Stelle in den englischen Charts war, ist tatsächlich bescheiden gegen das, was noch folgen sollte. Vor allem das dritte Album der Corrs, "In Blue", war Nummer eins in der halben Welt, unter anderem in Deutschland. Die Hits der Band, auch deren Videos - man arbeitete in der Blütezeit von MTV - erfreuten sich aufgrund der betörenden Schönheit der drei Corrs-Schwestern enormer Beliebtheit. Vor allem Leadsängerin Andrea, heute 41, mit einem Milliardärssohn verheiratet und Mutter einer dreijährigen Tochter sowie eines zweijährigen Sohnes, war ein unschlagbares Argument für die Strategen der weltweiten Corrs-Vermarktung. Nicht nur, dass die heute in London lebende Irin eine große Stimme hat, sie gehört sicher auch zu den schönsten Frauen, die man jemals auf einer Bühne gesehen hat.

Aber sind The Corrs nicht auch eine Plastikband? Das beste Argument gegen diese falsche These ist das sehr sehenswerte "MTV Unplugged" der Band von 1999. Da verwandeln die Geschwister ihre perfekt geformten Popsongs in akustische Arrangements und zeigen, was für eine gute Band sich hinter der glatten Radiopop-Oberfläche verbirgt. The Corrs sind tatsächlich eine sehr stimmungsvolle Folk- und Popband, die sich einfach früh dazu entscheiden hat, ihre Musik für die Masse aufzubereiten. "Klar, sind wir tief in der Folk-Tradition verwurzelt", gesteht Caroline Corr und sagt, dass sie liebend gern mal ein reines Folkalbum aufnehmen würde. Auch dass sie dies mit "Home" (2005), dem letzte Werk vor der langen Pause, eigentlich auch getan hätten. Doch erstens war selbst "Home" noch ziemlich weit weg von einem akustischen Graswurzelwerk und zweitens war es tatsächlich das bislang am wenigsten erfolgreichste Album der Band.

Dass man danach zehn Jahre lang keine Musik mehr gemeinsam aufnehmen würde, war allerdings nicht geplant. "Die Zeit vergeht so schnell", sagt Caroline. "Als wir anfingen, haben wir alle rund um die Uhr gearbeitet. Im Musikbusiness heißt es: Entweder, du gibst alles oder es wird nichts. Ich hatte als erste von uns Geschwistern zwei Kinder. Wenn du für sie da sein willst, solange sie klein sind, und keine Riege von Nannys beschäftigen magst, kannst du diesen Job nicht machen." Caroline lebt heute mit ihrem Mann, ihrem Jugendfreund, irgendwo in England. Neben einem 13-jährigen Sohn hat das Paar noch eine elf- sowie eine neunjährige Töchter.

Schwester Sharon, die an der Geige, lebt mittlerweile in Frankreich. Die 45-Jährige hat einen neunjährigen Sohn und eine achtjährige Tochter. Nach der Geburt ihrer Kinder machte sie öffentlich, dass sie an einer sozialen Angststörung litt. Was offenbar erfolgreich therapiert werden konnte, denn die älteste der Corr-Schwestern saß in der Jury der TV-Show "The Voice Of Ireland". Bliebe Nesthäkchen Andrea, deren beiden Kinder erst zwei und drei Jahre alt sind. "Wahrscheinlich war die Pause deshalb so lange, weil wir in den letzten zehn Jahren alle eigene Familie gründeten", sagt Caroline. Dass sie alle vom ständigen Touren und den Mechanismen des Popgeschäftes erschöpft waren, gibt sie ebenfalls zu. Auch dass der Kontakt zwischen den Geschwistern in dieser Zeit deutlich weniger wurde, bestätigt sie.

"Das ist wahrscheinlich normal, wenn man als Teenie eine Band mit seinen Geschwistern gründet und danach zehn Jahre lang immer zusammenhängt. Wir mussten uns zwischendrin einfach mal freischwimmen." Mittlerweile sind beide Eltern der Corrs tot. Mutter Jean verstarb bereits 1999 mit nur 57 Jahren an einer seltenen Lungenkrankheit. Vater Gerry schied mit 82 Jahren im April vergangenen Jahres aus dem Leben. Das gemeinsame Betrauern seines Todes war Auslöser der Idee, wieder gemeinsam Musik zu machen. "White Light", das Comeback der Geschwister, ist dennoch kein Traueralbum, sondern ein typisches The-Corrs-Werk. So hell und freundlich, so oberflächenpoliert hinter dem beseelten Satzgesang, dass man denken könnte, dass seit 1995 eigentlich nur ein paar Wochen verstrichen sind. The Corrs klingen mehr als 20 Jahre nach ihrem Debüt genauso wie damals. Ob das heute noch relevant im Sinne von erfolgreich ist, wird spannend zu beobachten sein.

Immerhin sagt Caroline Corr, dass sie sich heute wohler in ihrer Haut fühle als in jungen Jahren. Auch die Chemie mit den Geschwistern ist besser: "Wir ärgern uns nicht mehr über die kleinen Dinge, sondern betrachten das große Ganze. Ich spüre nicht mehr den Druck, den ich fühlte, als wir jung waren." Ob ihr die Musik heute wichtiger oder weniger wichtig ist als damals, fragt man sich: "Ich glaube, sie ist wichtiger", lautet die überraschende Antwort. "Früher war die Musik immer da. Heute merke ich, wie sehr ich sie vermisst habe. Wieder Musik zu machen ist ein Gefühl, als würde man nach Hause kommen." Genauso klang die Musik der Corrs eigentlich schon immer. Nach einem warmen Zuhause und familiärem Zusammenhalt, ausgedrückt im betörenden Satzgesang dreier Schwestern. Irgendwie rührend, dass sie wieder da sind.

Musiker The Corrs

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