Bear's Den: Red Earth & Pouring Rain

Die Bürde des Zweiten

Bear's Den - Red Earth & Pouring Rain

Auf ihrem zweiten Album „Read Earth & Pouring Rain“ klingen Bear's Den wie gewohnt wunderschön melancholisch. Mit Altbekanntem zeigen sie aber wenig Farbe.

Folk- und Indie-Rock-Bands aus England gibt es wie Sand am Meer. Es ist schwer, sich da abzuheben, etwas Neues zu präsentieren und mit der eigenen Musik wirklich zu berühren. Bear's Den haben das 2014 mit ihrem Debüt „Island“ geschafft. Auch die traurige Geschichte zur Single „Elysium“ trug sicher dazu bei: Beim Videodreh an der Seattle Pacific University schoss ein Mann um sich, verletzte zwei Studenten und tötete einen Freund der Clique. Es ist selbstverständlich, dass Bear's Den mit diesem tragischen Hintergrund umso mehr emotionalen Ballast mit sich herumtrugen - und der transportierte sich auf die Platte. Zwei Jahre später veröffentlichen die Londoner jetzt ihren Zweitling. Und „Read Earth & Pouring Rain“ klingt wieder nach Schmerz und Leid.

Von Anfang an hatten Bear's Den die Musikwelt auf ihrer Seite: Mit ihrer USA-Tour 2012 begeisterten sie nicht nur ihr Publikum, sondern auch Musikerkollegen wie Of Monsters And Men und Matt Corby. Schlussendlich durften sie sogar als Support-Act von Mumford & Sons performen. Und das alles, bevor sie überhaupt ihr erstes Album veröffentlicht hatten. Doch ein gelungener Start ist noch lange keine Garantie für langjährigen Erfolg. Und vor dieser Hürde stehen auch Bear's Den mit ihrer zweiten Platte.

Eigentlich machen die Londoner vieles richtig: Sie bleiben bei dem, was ihnen liegt. Sie teilen ihre traurigsten Gedanken mit und offenbaren emotionale Abgründe. Mal erinnern sie sich an schmerzhafte Kindheitserinnerungen („Napoleon“), mal verarbeiten sie ganz klassisch zerbrochene Beziehungen („Emeralds“). Unterstützt werden diese nachdenklichen Texte von ebenso schwermütigen Rhythmen. Bear's Den schaffen schleppend schwerfällige und treibende, melancholische Klangräume.

Die Songs, die hierbei entstanden, klingen zweifelsfrei wunderschön tragisch und wie aus einem Guss, sodass das Album ohne Probleme nebenher durchlaufen kann. Doch diesem unaufgeregten Grundton fehlt ein wenig die Ambivalenz. Die großen Hallräume übersättigen sich, weisen kaum Ecken und Kanten auf, folgen immer wieder derselben simplen Harmonie. Sicherlich ist das angenehm anzuhören, doch wenig einfallsreich.

Sich weiterzuentwickeln ist für eine Band unabkömmlich. Und eigentlich hatten Bear's Den die optimale Vorlage für neue Aussichten: Nach dem freundschaftlichen Austritt aus der Band von Gitarrist Joey Haynes, stellte sich die Gruppe neu auf. Sänger Andrew Davie und Multiinstrumentalist Kevin Jones bilden den Grundstock, auf der Bühne bekommen sie von vier weiteren Musikern Unterstützung. Doch zumindest auf Platte liefern Bear's Den mit ihrem zweiten Album „Read Earth & Pouring Rain“ zwölf Songs, die zwar eingängig, melodisch und angenehm durchhörbar sind. Aber leider klingen sie auch oft zu routiniert und bleiben als gewohnter Einheitsbrei im Kopf zurück.

Bear's Den auf Tournee:

23.10.2016, Docks Club, Hamburg

24.10.2016, Essigfabrik, Köln

26.10.2016, Huxleys Neue Welt, Berlin

27.10.2016, Theaterfabrik, München

tsch

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