Joe Bonamassa: Blues Of Desperation

Bluesrock Deluxe

Joe Bonamassa - Blues Of Desperation

Verzweifelter Haute-Couture-Designer: Joe Bonamassa macht sich auf "Blues Of Desperation" die Hände nicht schmutzig.

Berlin, Mitte März 2016: "The Guitar Event Of The Year" ist in der Stadt. Joe Bonamassa beginnt auf die Sekunde genau mit der Vorstellung. Er ist gut gekleidet, die Sonnenbrille sitzt. Der Klang ist transparent und druckvoll. Die Lichtshow hüllt Musiker und Bühne in ein weiches Licht. Die Instrumente blitzen - kein Staubkorn, kein Fingerabdruck. Nach fast jedem Song bekommt Bonamassa eine neue Gitarre gereicht. Es gibt nichts auszusetzen. Ein fast zu perfektes Bild, das der 38-jährige Superstar des Bluesrock auch mit seiner neuen Studioplatte "Blues Of Desperation" auf den Takt genau einhält.

Der kurze Eingangsbericht entstand bei einem Konzert seiner soeben beendeten Deutschlandtournee. Diese sorgte für volle Hallen und begeisterte Reaktionen. Kein Wunder: Joe Bonamassa ist der Mann der Stunde. Seit gut 15 Jahren zeigt sein Kompass in Richtung Weltruhm. Er verleiht dem Bluesrock die dringend notwendigen neuen Impulse, mischt die Einflüsse frech durcheinander und präsentiert das Ergebnis als Rettungsring eines Genres, das lange Zeit den Eindruck vermittelte, in erster Linie von und für Menschen männlichen Geschlechts jenseits des Rentenalters geschaffen worden zu sein.

Die Konzerte in Deutschland wurden mit dem stampfenden Doppel "This Train" und "Mountain Climbing" eröffnet. Zwei Titel des neuen Albums, und zwei seiner besten. Harter Bluesrock, groß in Szene gesetzt. "I'm just a poor man working day by day. Life's been a struggle, there's a mountain in my way" heißt es in "Mountain Climbing". Das nimmt man dem passionierten Gitarrensammler und Anzugträger ebenso wenig ab wie den Titel "Blues Of Desperation". Verzweiflung? Höchstens darüber, wo er seine ganzen Auszeichnungen unterbringen soll.

Preise, die freilich auch seinen Begleitern gelten. Allen voran Produzent Kevin Shirley (Iron Maiden, Journey), aber auch Drummer Anton Fig, der dieses Mal mit Greg Morrow einen Partner bekam. Gemeinsam mit Michael Rhodes und Bonamassa bilden sie ein "Power-Quartett" (Zitat Bonamassa), welches sich mit Reese Wynans, der bereits mit Stevie Ray Vaughan's Double Trouble zugange war, zur perfekten Bluesrock-Combo entwickelt.

Da ist es wieder, dieses Wörtchen: perfekt. Selbst ein Ausreißer wie das entspannte "Livin' Easy" wirkt bis ins Detail durchdacht und abgestimmt. Vollendeter Bluesrock oder antiseptische Makellosigkeit? Die Frage bleibt offen. Auch wenn sie nicht erst seit "Blues Of Desperation" gestellt wird.

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren