Blink-182: California

Ein bisschen anders, trotzdem gleich

Blink-182 - California

Fünf Jahre Pause, personeller Umbruch, die 40 überschritten: Eigentlich könnten Blink-182 nun etwas Neues, Abenteuerliches bieten. Bedingt, ganz bedingt ...

Eine Schlammschlacht war es, als Tom DeLonge 2015 bei Blink-182 nach diversen Querelen endgültig die Segel strich. Irgendwas zwischen „keinen Bock mehr“, „gerade anderes im Kopf“ und der kruden Ansage, sich nun auf der Suche nach außerirdischem Leben zu befinden, hat den Ausschlag gegeben, dass der Sänger und Gitarrist nun nicht auf „California“ zu hören ist. Schade, brachte der 40-Jährige doch immer etwas Rotzigkeit in den Kosmos der Süd-Kalifornier - gerade neben dem trotz aller gegenstrebenden Anstrengung doch stets harmlos wirkenden Co-Frontmann Mark Hoppus. Aber was soll's? Es muss sich schließlich weiter um die Punk-Rock-Meute gekümmert werden.

Allerdings: In der Szene waren Blink-182 nie vollkommen akzeptiert. Kein Wunder, verkauften sich ihre Alben rund um die Jahrtausendwende, „Enema Of The State“ (1999) und „Take Off Your Pants And Jacket“ (2001), weit über zehn Millionen Mal. Ist das noch Punk-Rock? Unter den ewigen Genre-Granten wie Rancid, NoFX und Bad Religion hat man da eine klare Meinung. Ihnen wird im Gegensatz zu ihren charttauglichen Kollegen auch keiner krumm nehmen, wenn man in seinen späten 40-ern weiter die Tennissocken bis über die Waden zieht und auf ewig den drei Akkorden frönt. Blink-182 müssen sich da schon etwas weiter strecken, um ihr Publikum abzuholen.

Ein wenig vom puren Punk-Rock-Einmaleins bewegten sie sich nach ihren großen Skate- und Pop-Punk-Erfolgen eh schon weg. Die Hereinnahme von Matt Skiba als DeLonge-Ersatz bestätigt zwar die Wurzeln, von seinem Alkaline Trio bringt er aber auch weiteren Emo-Aufschlag mit. Sogar innerhalb der Songs von „California“ verschwimmen so die Einflüsse: „Sober“ und „No Future“ etwa versuchen den Drahtseilakt zwischen „Nanana“-Punk-Rock, Kneipengrölerei und kurzem, fast weinerlichem Alternative-Rock-Luftholen.

Im akustischen „Home Is Such A Loneley Place“ wird es gar andächtig, „Left Alone“ zieht ins Stadion ein und in „California“ lässt eine Orgel die ewigen Kindsköpfe schweben. Was sich jetzt nach großer Abwechslung anhört, sollte man aber nicht überbewerten - textlich auch keinen Tiefsinn erwarten. Gerade Travis Barkers Trommelspiel bringt dann doch immer genügend Unruhe rein, um die Platte in ihrer Gänze als Punk Rock durchzuwinken. Ebenso bleiben die geradlinigen Pogo-Brüller nicht aus („Cynical“, „Kings Of The Weekend“, „Rabbit Hole“). Stehengeblieben sind Blink-182 also nicht. Doch ist es nicht genau das, was die Szene haben will? Solange auch bei ihnen die Tennissocken sitzen, wird das schon klar gehen.

tsch

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