Moderat: III

Das Beste kommt zum Schluss?

Moderat - III

Mit "III" läutet die elektronische Supergroup Moderat den Abschluss ihrer siebenjährigen Trilogie ein: Alles wie gehabt - und dann doch ganz anders.

Melancholische Texte treffen auf harte Beats. Mit diesem Erfolgsrezept bretterten Sascha Ring alias Apparat sowie das DJ-Duo Sebastian Szary und Gernot Bronsert alias Modeselektor 2013 mit "II" jeden Elektro-Liebhaber gegen die Wand. Mit "Bad Kingdom", "Therapy" und "Milk" produzierten Moderat Hymnen, die sowohl club- als auch kopfhörertauglich waren. "III" soll als Abschluss ihrer Trilogie noch tiefer gehen, düsterer erscheinen und einmal mehr die Kluft zwischen euphorisierendem Partysound und tiefsinniger Nachdenklichkeit überwinden.

"Reminder" war der Vorbote. Ein Song, an dem man die Moderat'sche Handschrift sofort erkennt. Eine helle Stimme führt in den Titel ein, gibt die melancholische Grundstimmung vor und wird dann durch elektronische, dynamische Spielereien und schlussendlich kraftvolle Synthies und Beats aus den Angeln gehoben. Doch etwas hat sich verändert. Die Vorab-Single zu "III" wirkt ein Stück weit gequälter, noch ein wenig sehnsüchtiger. Vielleicht ist es das, was Moderat mit "erwachsen" und "düsterer" als tonangebend für ihr Album gemeint haben.

Und tatsächlich hinterlässt "III" einen anderen Eindruck als "II". Das Album verläuft wesentlich träger. Schon immer liegt bei Moderat klar in der Ruhe die Kraft, doch entwickelten ihre Songs bisher eine starke, mitreißende Dynamik. Die bleibt hier größtenteils aus. Anstatt von einem sphärischen Track in den nächsten zu fallen, schleppt man sich eher von Titel zu Titel. Nach einem Hit, der einen nicht mehr loslässt, sucht man vergeblich. Am ehesten kommt "Reminder" dieser Vorstellung nahe und auch der ist eher als "Grower" zu klassifizieren - und somit wegweisend für die ganze Platte. Denn was "III" bestimmt, sind Titel, die Zeit brauchen um sich zu entwickeln; die noch verkopfter sind als je zuvor, aber trotzdem sitzen.

Denn im Endeffekt bleibt unterm Strich das gleiche Motiv wie auf "II". Und das zahlt sich wieder aus. Mal hallende, mal hämmernde Synthies, zuerst versetzen Moderat den Hörer in eine sphärische, träumerische Stimmung, dann bestimmen eindringliche Basslinien den Rhythmus und verdoppeln den Herzschlag. Wie gewohnt bauen sich die Songs auf, steigern die Spannung bis ins Unerträgliche und lassen den Hörer nach Auflösung lechzen. Doch wenn sich alles zurücknimmt, fast Stille entsteht, findet man die Erlösung - auch wie gehabt - nicht in einem sehnsuchtsvoll erwarteten Drop, um dann mit voller Kraft einem harten Beat zu folgen. Stattdessen schaffen sie Intensität und Erfüllung, indem sie mit einem kleinen Zusatz zum ursprünglichen Tempo zurückkehren und den Hörer erleichtert zurücklassen.

Moderat auf Tournee:

30.03.2016, Leipzig, Haus Auensee

31.03.2016, München, Zenith

01.04.2016, Wiesbaden, Schlachthof

09.04.2016, Hamburg, Sporthalle

08.05.2016, Stuttgart, LKA Longhorn

05.06.2016, Berlin, Velodrom

13.08.2016, Bochum, Ruhrtriennale @ Jahrhunderthalle

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