Silly: Wutfänger

Nur Wut im Bauch

Silly - Wutfänger

Mit ihrer dritten Platte "Wutfänger" enttäuschen Silly nach den beiden mit Gold und Platin ausgezeichneten Vorgängern nicht nur Fans der ersten Stunde.

Mit großen Schritten steuern Silly auf ihr 40-jähriges Bandbestehen zu. Als Ost-Rock-Band gefeiert, schafften sie es auch nach der Wende, nicht an Bedeutung zu verlieren. Doch der traurige Tod von Frontfrau Tamara Danz, der sich im Juli zum 20. Mal jährt, stellte die Band vor neue Herausforderungen. Spätestens mit "Alles Rot" (2010) stellte sich aber heraus, dass die Berliner mit Anna Loos eine würdige Nachfolgerin gefunden hatten. Silly bewiesen in den letzten 38 Jahren immer wieder Sitzfleisch und zeigten, dass sie im Deutsch-Rock eine Institution sind. Jetzt erscheint mit "Wutfänger" das dritte Album in der aktuellen Besetzung, das den Hörer aber leider verärgert zurücklässt.

Ein oft gelesener Satz, wenn eine Band ihr neues Album veröffentlicht: "Mit der neuen Platte sind wir einmal mehr bei uns selbst angekommen." Schon diese Aussage ruft beim aufmerksamen Hörer müdes Gähnen hervor. Und bei Silly erweist sie sich leider nur als Vorbote der Beliebigkeit, die sich auf "Wutfänger" breitmacht.

Der Opener "Zwischen den Zeilen" führt vorsichtig mit zurückhaltender Gitarre in die Platte ein. Schnell nimmt er mit befeuerndem Schlagzeug Fahrt auf. Ein typischer Rock-Song. Hinzukommt Anna Loos' leicht belegte, aber kraftvolle Stimme, durch die das Gesamtpaket Rosenstolz zum Verwechseln ähnlich klingt. Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Platte. Wenig ambitioniert, vollständig austauschbar, aber bis dahin zunächst nicht schmerzvoll.

In Kombination mit den durch die Bank uninspirierten Zeilen erreicht die Platte jedoch nur ein enttäuschendes Niveau. Bisher glänzten Silly aufgrund ihrer Textsicherheit, nicht zuletzt Dank der langjährigen Unterstützung von Lyriker Werner Karma. Dass Loos jetzt fürs Texten alleine verantwortlich ist, erweist sich als Fehler.

Von Kalendersprüchen ("Mach' deine Angst zu deinem besten Freund"), über pathetische Lückenfüller ("Mein Herz schlägt schwer / Die Stille pumpt die Adern leer / Vielleicht lieb' ich dich heut' noch mehr") bis zu Möchtegern-rotzig-trotzigen Floskeln ("Wir scheißen auf die Moral") macht sie vor keiner Plattitüde halt. Da hilft dann auch der Kinderchor nicht weiter.

Silly auf Tournee:

05.08.2016, Erfurt, Festwiese

21.10.2016, FRANKFURT / ODER, Messehalle 1

22.10.2016, Neubrandenburg, Jahnsportforum

23.10.2016, Leipzig, Haus Auensee

25.10.2016, Dresden, Alter Schlachthof

26.10.2016, Cottbus, Stadthalle

28.10.2016, Chemnitz, Stadthalle - Großer Saal

29.10.2016, Rostock, StadtHalle

30.10.2016, Magdeburg, Stadthalle

01.11.2016, Hannover, Capitol

02.11.2016, Münster, Jovel Music Hall

04.11.2016, Bielefeld, Ringlokschuppen

05.11.2016, Hemelingen, Aladin Music Hall

06.11.2016, Frankfurt, Batschkapp

11.11.2016, Hamburg, Mehr! Theater am Großmarkt

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