Ein großes Comeback

Barry Gibb: Neues Album „In The Now“

Barry Gibb - In The Now

Nach längerer kreativer Pause liefert Barry Gibb ein zugleich trauriges und lebensfrohes Comeback. In Szene setzt er es natürlich in bester Bee-Gees-Popmanier. Das Album „In The Now“ ist am 7. Oktober erschienen.

Nachdem 2012 mit Robin auch der letzte seiner drei jüngeren Brüder verstorben war, zog sich Barry Gibb als Songwriter zurück. Das harte persönliche Schicksal seiner Bee Gees nahm ihm zunächst die emotionale Stärke, eigenes Material zu schreiben. Als Produzent, Gast- und Live-Performer trat Gibb die letzten Jahre immer mal wieder kurz in Erscheinung, insbesondere auf seiner Mythology-Tour, mit der der Familienmensch 2013 und 2014 seinen Brüdern Maurice und Robin Tribut zollte. 2016 ist Barry Gibb indes gefestigt genug für neues Solo-Material. Er lebt im Hier und Jetzt, „In The Now“, wie der Titel seines zweiten Solowerks verspricht.

Biggs erste Soloplatte erschien 1984 - da war Gibb noch in seinen Dreißigern und die Karriere der Bee Gees geriet nach dem großen Disco-Höhenflug temporär ins Stocken. Mit 70 schart Gibb nun die nächste Generation seiner Familie um sich. Seine Söhne Ashley und Stephen begleiteten ihn beim Songwriting, während die Musiker-Buddies, die ihn zudem bei seinen letzten Live-Vorhaben unterstützten, unter Ägide von Produzent John Merchant bei der Einspielung in Miami halfen.

Dass „In The Now“ kein Party-Album geworden ist, liegt auf der Hand. Allein das in schwarz gehaltene Portrait auf dem Cover lässt dies schon erahnen. Mid-Tempo-Balladen wie „Shadows“ und „The Long Goodye“ sind perfekt in Szene gesetzte Trauerbrocken, die man freilich gut konsumieren kann. Barry Gibb ist und bleibt eben der Meister des großen Pop-Moments.

Etwas selbstironisch skandiert der Multi-Millionär in „Diamonds“: „If Teardrops Were Diamonds, I'd Be A Rich Man Now“. „Cross To Bear“ rüttelt mit seinem sphärischen Klangraum emotional an sämtlichen Herzkammern und im finalen countryesken „End Of The Rainbow“ sieht man förmlich die Silhouette der verblichenen Brüder am Horizont empor steigen.

Doch Barry Gibb ist kein Typ, der sich ganz der Trauer ergeben würde. Zu trauern sei wichtig, sagt er, aber eben nicht alles. Schließlich freue er sich, nach all den Hochs und Tiefs in seiner Karriere am Leben zu sein. Und genau das gibt die andere Seite von „In The Now“ preis. „Amy In Colour“ feiert in lupenreinem AOR-Rock das Leben, ebenso das treibende „Blowin' A Fuse“. Bee Gees pur - man achte nur auf die fantastischen Harmoniegesänge aus dem Off! Der charmante Titelsong jongliert mit großartigen R'n'B-Harmonien und mit den Radio-Rockern „Grand Illusion“ und „Home Truth Song“ trifft Gibb, wie schon so oft zuvor, den Hör-Nerv von mindestens zwei Generationen. Ein großes Comeback.

tsch

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