Mudcrutch: 2

Auf Augenhöhe mit den Herzensbrechern

Mudcrutch - 2

Kennt keiner? Aber doch: Mudcrutch ist die Vorgängerband von Tom Petty & The Heartbreakers. Weniger legendär, aber keineswegs schlechter.

2008 erschien das erste Album von Mudcrutch. 38 Jahre nach ihrer Gründung. Wobei es natürlich einen Grund hat, warum es solange dauerte. Der nennt sich Tom Petty & The Heartbreakers. Mudcrutch starben Mitte der 70-er, wurden im neuen Jahrtausend wiederbelebt und existieren nun als weitere Spielwiese im Umfeld des berühmten Songwriters. Schön, dass sie sich mit dem nachvollziehbar "2" betitelten Nachfolger gerade mal acht Jahre Zeit gelassen haben.

Neben Petty sind mit Mike Campbell (Gitarre) und Benmont Tench (Keyboards) zwei weitere "Herzensbrecher" am Mudcrutch-Start. Die Hinweise verdichten sich: So anders als die ungleich berühmteren Nachfolger können Mudcrutch nicht klingen. Das dies stimmt, weiß man seit dem überzeugenden Debüt. Und "2" schließt daran an. Entspannt, überlegen und uramerikanisch.

Dennoch gibt es Unterschiede: Mudcrutch ist Tom Petty im Feierabend, auf der Veranda. Mit seinen angestammten Freunden, aber auch Kollegen wie dem Schlagzeuger Randall Marsh oder Tom Leadon (Gitarre), dem Bruder des Eagles-Musikers Bernie Leadon. Petty schrieb sieben Songs, die anderen jeweils einen. Und alle haben ihren eigenen Kopf.

So landet Tench mit "Welcome To Hell" nicht im Fegefeuer, sondern im Boogie-Salon. Leadons "The Other Side Of The Mountain" besiedelt das "Bluegrass Country", und auch Petty selbst, der übrigens bei Mudcrutch in die Basssaiten greift, setzt unter anderem mit "Hope", einem ungebügelten Rocker mit wirbelnder Orgel, deutliche Zeichen: Das hier ist keine pure Nostalgieveranstaltung. Den Song hätte die ein oder andere junge Rockband unserer Tage sicher gerne auf ihr Konto verbucht.

Heimelig wird "2" dennoch. Das zurückgezogene "I Forgive It All" mit seinem akustischen Guckloch ins Seelenleben gehört eigentlich ans Ende des Albums, nicht in die Mitte. Am Anfang indes steht mit der ersten Single "Trailer" ein idealer Appetitmacher für alle Petty-Fans: Der 65-Jährige empfängt einen mit seiner nasalen Stimme, lässt Stichworte wie "Highschool", "Mobile Home", "Navy" oder "Lynyrd Skynyrd" kreisen und gibt der Mundharmonika höflich jeden Freiraum. Ja, "2" ist Tom Petty. Und nein, "2" ist nicht The Heartbreakers. Wohin das bloß führen soll? Hoffentlich zu "3". Vorzugsweise nicht erst in acht Jahren.

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