Moop Mama: M.O.O.P.topia

Aufregende Zurückhaltung

Moop Mama - M.O.O.P.topia

Sie gelten als Brassparty-Maschine und als überdeutliche Sozialkritiker. Auf ihrem dritten Album „M.O.O.P.topia“ zeigt Rapper Keno neue Stärken.

In Festzelten in der bayerischern Provinz wird sie noch aufgespielt, die „Musi“. Mit Posaunen und Trompeten wird da der Marsch geblasen, während sich Anneliese und Franz-Josef Haxen und Gerstensaft schmecken lassen. Was für manche nach Klischee klingt, ist für andere ein Grund, seinem Heimatdorf den Rücken zu kehren. Doch was macht man, wenn man mit der ruralen Tradition nicht mehr so viel anfangen kann, die von Mama und Papa aber teuer bezahlten Musikstunden nicht umsonst gewesen sein sollen? Gerade im Freistaat schießen alternative Bläsergruppen wie Pilze aus dem Boden. Die exzessiven LaBrassBanda feiern trotz Sprachbarriere große Erfolge. Moop Mama versteht man sogar in Norddeutschland. Und bei „M.O.O.P.topia“ lohnt sich auch das Hinhören.

Rapfans wissen: Moop Mama entstand einst aus der Formation Creme Fresh, der ebenfalls der aktuell hochgelobte Fatoni angehörte. Auch bei der „Urban Brass“-Gruppe - so nennen Moop Mama ihren Stil - mischte er einst mit. Bis er sein Glück allein versuchte. Rapper Keno und Produzent Bustla sind noch Überbleibsel aus der Vorgängerband. Festivalfans wissen auch: Bei Moop Mama kracht's. Wie soll es auch anders sein bei insgesamt zehn Köpfen an Saxophonen, Sausophonen, Posaunen, Trompeten und Schlagwerk.

Zum Anspruch der Gruppe gehört es aber auch, mit Sozialkritik und Zeitgeistigem über die Live-Bühne hinaus relevant zu sein. Ein schwieriges Unterfangen, bei dem Frontmann Keno in der Vergangenheit nicht immer die beste Figur machte. Zu plakativ und anbiedernd war so mancher Text-Einfall auf den Vorgängeralben. Man hatte stets das Gefühl, dass der Rapper mit der unvergleichlich quengelnden Stimme am liebsten alle ins Boot holen würde. Auf „M.O.O.P.topia“ gibt er sich nun über weite Strecken zurückhaltender, abgeklärter und subtiler.

Das passt erstaunlich gut zur aufwendigen musikalischen Untermalung. Auch könnte man sich kaum deutlicher von vermeintlichen Vergleichsbands wie Culcha Candela abgrenzen. Stücke wie „Komplize“ und „Meermenschen“ erfordern gar ein mehrmaliges Hinhören. „Prokrastination“ ist ein dezent betextetes Big-Band-Techno-Stück, das zeigt, zu was man in der Besetzung alles imstande ist. Und dass auch Kenos Stimme und Ausführung immer besser zu Moop Mamas Herangehensweise passt, beweist etwa „Herr der Lage“: Seine Stimme surft regelrecht auf den Brass-Beats, wohingegen Featuregast Megaloh die Welle einfach nicht erwischen mag.

Auch die bereits aufgelöste Formation Blumentopf gibt sich lässig und umsichtig auf „Typische Verhältnisse“ die Ehre. Jan Delay macht mit Keno „Alle Kinder“-Witze, beide lassen dabei allerdings eine thematische Einheit und Konsequenz vermissen, was eher albern als kreativ anmutet. Doch das verklingt schnell auf der Platte „M.O.O.P.topia“, auf der die Lieder teilweise wunderbar ineinander übergehen.

Der Festivalsommer steht vor der Tür. Auch da wird man wieder zu beweisen wissen: Die von Mama und Papa teuer bezahlten Musikstunden waren nicht vergebens.

Moop Mama auf Tournee:

17.06.2016, Duisburg, Landschaftspark Duisburg-nord

17.06.2016, Duisburg, Traumzeit Festival

22.06.2016, Kiel, Kieler Woche

23.06.2016, Bielefeld, Campusfestival Bielefeld

30.06.2016, Ulm, Ulmer Zelt

30.06.2016 - 02.07.2016, Bingen, Binger Open Air

01.07.2016 - 03.07.2016, Köln, Summerjam Festival

21.07.2016 - 24.07.2016, Cuxhaven, Deichbrand Festival 2016

22.07.2016, Karlsruhe, Günther-Klotz-Anlage

25.07.2016, Freiburg, ZMF Freiburg 2016

05.08.2016, Horb, Festplatz im Neckartal

13.08.2016, Rothenburg, Eiswiese

14.08.2016, Eschwege, Open Flair Festival

19.08.2016 - 21.08.2016, Leipzig, High Field Festival

20.08.2016, Großpösna, Magdeborner Halbinsel am Störmthaler See

25.08.2016, Übersee, Chiemsee Summer

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